Mops komm raus, du bist umzingelt!
Wenn ein Film von Troma als "the mother of all women in prison movies" angekündigt wird und die deutschen Titel Liebeshexen vom Rio Cannibale und Schwarze Nymphomanin im Sklavencamp lauten, wird jeder vernünftige Mensch in Anbetracht des zu erwartenden filmischen Super-GAU's schnellstmöglich das Weite suchen.
Als WIP- und Trash-Fan etwas härter im Nehmen cineastischer Grenzerfahrungen, kriegt aber natürlich auch dieses weitestgehend unbekannte Machwerk seine Chance.
Und siehe da, so schlimm wie man befürchten könnte, ist die ganze Chose dann auch gar nicht geworden. Zwar sicherlich noch weit entfernt davon ein guter Film zu sein und für den Otto Normalverbraucher absolut ungenießbar, aber WIP-Fans dürften schon Schlechteres zu Gesicht bekommen haben. Vor allem das Setting im Urwald und der schwül-schwitzige, dreckige Look sind eine willkommene Abwechselung zur sonst so üblichen aalglatten Fleischbeschau.
Die Story ist dagegen wie immer mal wieder nicht der Rede wert und dient nur dazu, möglichst viele der klassischen WIP-Elemente unterzubringen. Irgendwo im tiefsten Dschungel sollen ein paar miese Miezen eine Straße bauen (Ne, is klar) und weil sie dabei von fiesen Wärtern malträtiert werden, beschließen die Geschundenen mit Hilfe des versoffenen Lagerarztes die Biege zu machen.
Während die Alibistory so vor sich hin plätschert, wird ordentlich gefoltert (recht unblutig), vergewaltigt (recht herbe), nackt geduscht und nackt gekämpft (recht "bärig"), mit Frauen geschlafen (recht häufig), mit Männern geschlafen (recht häufig, die Zweite) und wenn mal nichts dergleichen passiert, guckt trotzdem immer irgendwo ein Brüstchen aus den zerfetzten Kartoffelsäcken in denen die Mädels stecken (recht so). Also alles wie gehabt im "Land der nackten Frauen hinter Gitterstäben".
Trotzdem gefällt mir das Ganze ein klein wenig besser, als vergleichbare Standardwerke, was in erster Linie an der schon erwähnten dreckigen Atmosphäre und der Urwald-Location liegt, die mal etwas anderes bietet, als nur normale Gefängnismauern. Grade im Finale erweist sich der Dschungel als großes Plus, da so der Kampf Wärter vs. Gefangene um einige interessante Möglichkeiten (Treibsand bzw. -sumpf, wilde Tiere) ergänzt wird. Etwas enttäuschend dafür, der doch recht geringe Blutanteil. Mal abgesehen von einigen Einschüssen und einem abgebissenen Schlangenkopf gibt es nicht viel zu bewundern, denn die Folterungen beschränken sich auf Auspeitschen, Aufhängen und Vergraben. Auch die Dialoge, irgendwo zwischen schlecht und ganz schlecht anzusiedeln, sind nicht grade das Gelbe vom Ei, erhöhen dafür aber die unfreiwillige Komik ganz ordentlich.
Darstellerisch sind für den Exploitation- und Euro-Trash-Fan mit Anjita Wilson (Foltercamp der Liebeshexen), Anthony Steffen (Django und die Bande der Bluthunde), Luciano Pigozzi (Jäger der Apokalypse) und Serafino Profumo (SS Experiment Love Camp) einige bekannte Gesichter vertreten, die alle ganz ordentlich agieren, aber schauspielerisch bei diesem Mumpitz natürlich auch nicht sonderlich gefordert werden.
Unter dem Strich ist das Ganze also schön dämlich, dirty und sleazy, aber leider dann doch auch zu standard und unspektakulär, um wirklich über den Schnitt zu kommen. Weder WIP-Mother noch -Sister, sondern eher die zweite -Daughter. Mit fünf Bier und ohne Frau im Raum ist's trotzdem unterhaltsam. In dem Sinne: "Ich bezahl dich lieber wie eine Hure, als dass ich mir dich mit Gewalt nehme!" (5,5/10)