Vielen Kritiken ist zu entnehmen, wie vorhersehbar und langweilig der Streifen sei, da der Plot-Twist sich früh ankündige und das Verhalten der Protagonisten jegliche Logik zum Entgleisen brächte.
Das mag teilweise zutreffen, doch bei mir hat dieser Thrillerzug den Bahnhof erreicht und ich konnte mit einem zufriedenen Gefühl von 110 Minuten Unterhaltung im Gepäck nach Hause gehen.
Werbefachmann Charles führt nach außen hin ein tadelloses Leben, doch die Realität sieht anders aus. Der Draht zu seiner Frau ist nicht mehr so heiß und auch die kostspielige Behandlung seiner an Diabetes erkrankten Tochter sorgt ihn. So lernt er während der Fahrt zur Arbeit in der Bahn die geheimnisvolle Lucinda kennen und schon bald darauf landen die beiden in einer Absteige für eine Partie Zimmergolf. Zu der kommt es allerdings nicht, da plötzlich ein bewaffneter Kerl auftaucht, Charles ausknockt, Lucinda vergewaltigt und schließlich mit beiden Geldbörsen flüchtet. Doch noch schlimmer, denn kurz darauf wird Charles von dem Gangster erpresst…
„Es gibt Menschen, die wissen einfach nicht zu würdigen, was sie haben.“
Klar, dieser Satz weist überdeutlich auf den späteren Twist hin und dennoch fand ich die Geschichte in hohem Maße unterhaltsam. Da verläuft die erste halbe Stunde eher schleppend, die Charaktere werden eingeführt und ein paar Längen entstehen, vor allem während der Gespräche zwischen Charles und Lucinda über ihr jeweiliges Familienleben.
Doch unvermittelt tritt Gangster LaRoche in ihr Liebesspiel und vorbei ist´s mit dem Fremdgehen.
Lucinda will ihres Mannes wegen keine Polizei und so zahlt Charles die geforderte Summe und ist auch bereit eine zweite, weitaus höhere Summe zu zahlen, plündert sogar heimlich das Konto, auf dem Geld für die Behandlung seiner Tochter angelegt war.
Das ist so der Knackpunkt der Story, denn bei allem Respekt gegenüber der gedemütigten Affäre, stünde das Wohl der eigenen Familie immer an vorderster Stelle. Spätestens wenn der Erpresser sich gegenüber der eigenen Frau als Geschäftspartner Charles ausgibt und sich als Gast im eigenen Haus pudelwohl fühlt, wird wohl jeder das Fiasko beichten.
Wenn man über diese derben Logikfehler hinwegsieht und die Tatsache, dass (zumindest mich) eine Jennifer Aniston nicht zum Fremdgehen verleiten könnte, sorgen die übrigen Darsteller für stellenweise sehr ansprechende Momente. Clive Owen agiert schon brauchbar, könnte aber streckenweise etwas verzweifelter dreinschauen. In Anbetracht seiner entgleisten Situation nimmt er die Sache reichlich cool.
Deutlich besser ist Vincent Cassel als Gangster LaRoche. Sobald seine unberechenbare Figur ins Geschehen kommt, sträuben sich beim Zuschauer sämtliche Nackenhaare und man wünscht dem geläuterten Charles mindestens eine Waffe in die Hand…
…und so werden sich wieder einige Moralapostel über das Ende echauffieren, während die anderen sich mit einem Gefühl von Genugtuung zufrieden geben. Für mich lag´s irgendwo dazwischen, zumal es an dieser Stelle etwas überkonstruiert ist.
Trotz erheblicher Mängel innerhalb der Story hat mich dieser moderne Film Noir angesprochen.
Zurücklehnen, Gehirn auf Standby umschalten und berieseln lassen…
7 von 10 Punkten