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Werner Herzog drehte mit Klaus Kinski als Hauptdarsteller insgesamt fünf Filme und „Cobra Verde“ bildet den fulminanten Abschluss ihrer Zusammenarbeit. Für Schauspiel-Legende Klaus Kinski war es auch eine der letzten Rollen seines Lebens und zusammen mit „Paganini“ stellt die Hauptrolle des Cobra Verde eine letzte künstlerische Herausforderung dar.

In der Tat scheint die Hauptrolle wie für Kinski gemacht: Der egomanische und emotional zerfressene Hauptcharakter hat genau die bittere Tragik und Tiefe die schon immer Kinskis beste Rollen auszeichnete. Rollen wie „Nosferatu“ oder „Woyzeck“ oder eben „Cobra Verde“ gingen für ihn über bloße Schauspielerei hinaus, Kinski identifizierte sich mit den verbitterten Einzelgängerfiguren die er beängstigend intensiv darstellte.

Werner Herzogs Historienfilm kann ohne Übertreibung zu den wirklich wichtigen großen deutschen Kinofilmen gezählt werden und auch zu den interessantesten Beiträgen zum Thema Sklavenhandel. Das Bild welches Werner Herzog von den Sklavenhändlern und den Mechanismen der damaligen Gesellschaft vermittelt ist sehr authentisch und ohne Unglaubwürdigkeiten inszeniert. Klischees werden geschickt vermieden, simple schwarz-weiß Malerei oder billigen kommerziellen Pathos findet man glücklicherweise nicht in „Cobra Verde“.

Der Unterhaltungswert ist für einen solch langsamen Film recht hoch, auch wenn es einige lange meditative Sequenzen gibt die im krassen Gegensatz stehen zum flotten Tempo der Handlung. Das „Cobra Verde“ insgesamt doch sehr langsam geraten ist liegt hauptsächlich an zwei Dingen: Herzog verzichtet völlig auf plakative und reißerische Szenen und ebenfalls auf unnötige Nebenhandlungen. Allenfalls einige geschwätzige Dialoge stören etwas mit pseudo-philosophischen Sinnlosigkeiten.

Visuell glückte einfach alles: Die ruhige Kameraführung wird einem manchmal etwas irritierend-rohem Schnitt gegenübergestellt, doch sämtliche Aufnahmen sind über jeden Zweifel erhaben. Vor allem die bildgewaltigen Landschaftsaufnahmen bleiben in Erinnerung und erwähnenswert ist auch die wundervoll gefilmte, tragische Schlussszene. Das leidenschaftliche Scheitern des Banditen Cobra Verde symbolisiert perfekt das Ende der Zusammenarbeit von Kinski und Herzog. Kinskis eigenes Werk „Paganini“ lehnte Herzog ab zu inszenieren, in der Pseudo-Dokumentation „Mein liebster Feind“ schlachtete Herzog einige Jahre nach Kinskis Tod ihre gegenseitige Hassliebe schwer aus.

Fazit: Werner Herzog gelang ein fesselndes Werk mit einem genialem Klaus Kinski, trotz einiger Schwächen absolutes Pflichtprogramm für alle Cineasten.


8,5 / 10

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