Review

Traumgleich ≠ Traumhaft

„Cobra Verde“ war das letzte Kapitel in der Zusammenarbeit von Herzog und Kinski - eine epische und ambitionierte Geschichte über einen Banditen, der erst zum Sklavenhändler und dann zum Königsmörder in Afrika „aufsteigt“… 

Kinski ownt die Leinwand

Selten hatte ein Film dermaßen Bilder, Landschaften, Kinski und Epik, war an sich quasi eine Naturgewalt - und plätschert doch etwas vor sich hin… Herzog weiß, dass „Cobra Verde“ nicht sein bester Film und nicht auf dem Niveau der vorangegangenen Zusammenarbeiten mit crazy Klaus ist. Und dennoch geht auch von „Cobra Verde“ eine krasse, biestige Aura und Energie und Faszination aus. Die afrikanischen Strände, Dörfer und Burgen, die kaum zählbaren hunderten schwarzen Statisten, Kinskis wahnsinnige Augen, die sein Ende quasi schon kommen sahen. Vielleicht verkörpert keiner den Wahnsinn des weißen Mannes besser als er. Das ist mal ein ganz eigener und anderer Blick auf Sklaverei und den Ur-Kontinent. Das ist grausam, das ist sprunghaft, das bleibt immer ein gutes Stück auf Abstand. Aber es macht audiovisuell eine Menge her. Schade, dass mich die Figuren und Geschichte dann doch zu kalt gelassen haben. Ich war eher staunend über Dschungel, Kinski und Grausamkeiten - aber nie involviert oder handlingstechnisch interessiert… Richtig gelangweilt habe ich mich aber auch nie. Dafür ist das zu archaisch, ätherisch, ursprünglich und alternativlos. 

Chaos regiert 

Fazit: Kinskis letzte Kooperation mit Herzog… ein kraftvoller und wirrer Trip in die Auswüchse der Sklaverei und ein aus dem Ruder laufendes Genie. Faszinierend. Wenn auch alles andere als rund. 

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