Review

Inhalt:

Hongkong, 1976. Die Arbeitsmarkt in der damals britischen Kronkolonie ist rau, die Bedingungen für die Arbeitnehmer hart und jede/r kämpft sich durch, dabei versuchend, Sieger*In zu bleiben im Kampf gegen die täglichen Widrigkeiten.

So auch die selbstbewusste Ah Ying (Chen Ping), die in einer Textil-Fabrik rackert und ein hohes Ansehen bei ihren Mitarbeiterinnen besitzt. Einst war Ah Ying für die Triaden im Glücksspiel-Sektor tätig, und manipulierte dort die Würfel, um dem Casino größte Gewinne zu ermöglichen. Als sie Skrupel zeigt und nicht mehr mitspielt, verliert das Casino 45.000 HK$. Gangster-Boss Dai (Wang Hsieh aka Wong Hap) und seine Schergen verstehen da keinen Spaß, es kommt zur Verfolgung als Ying flüchten will, und zum Kampf! Nur mit Hilfe von "Big Brother" Shing (Chen Kuan Tai), der ein herausragender KungFu-Fighter ist, kann Ying überleben und entweichen.

Ying steht 2 anderen Frauen aus der Textil-Fabrik bei: Ah Fong (Chong Lee aka Chuang Li), die in zerrütteten Familien-Verhältnissen lebte und sexueller Gewalt durch ihren Stiefvater (Chiang Nan) ausgesetzt war, und Sai Chu (Siu Yam-Yam aka Shaw Yin-Yin), ein Waisen-Mädchen, sich einst sexueller Gewalt erwehrend, und dafür im Frauen-Gefängnis landete. Die Frauen schwören, sich zukünftig beizustehen und auch anderen Frauen in der Fabrik zu helfen. 

So der Kollegin Ah Shan (Queenie Kong), die keine Wohnung findet, die Frauen in der Fabrik sammeln für sie Geld. Kollegin Siu Fung (Mak Wa-Mei) ist im 2. Monat schwanger, und der werdende Vater Henry Chiu (Ku Kuan-Chung) betrügt sie eiskalt mit der bildschönen Ah Ping (Kong Oh-Oi). Die Fabrik-Arbeiterinnen erteilen Chiu eine Lektion.

Fabrik-Boss Wong (Yang Chi-Ching) hat derweil massive Probleme. Er hat gewaltige Spiel-Schulden bei Gangster-Boss Dai, und die Fabrik steht deshalb vor der Schließung, allen Frauen droht daher die Kündigung. Das kann Ying nicht zulassen, und legt sich mit den Gangstern, ihren ehemaligen Arbeitgebern, an. Sie kann die Schuldscheine nach einem heftigen Kampf erbeuten...!

Jetzt steht ziemlicher Ärger für Ying und die Frauen ins Haus, und es wird für Ying im wahrsten Wortsinne brandgefährlich. Sie wird von den Gangstern entführt, und soll auf einer Baustelle getötet werden. Doch einer der Gangster, der unsichere Ah Wai (Wang Chung) zeigt Skrupel und befreit Ying. Es kommt zum Show-Down. Die Frauen konnten derweil "Big Brother" Shing aktivieren, der einmal mehr Ying raushauen muss, als dieser die Baustelle erreicht.

Es kommt zum gnadenlosen Kampf auf Leben oder Tod...!

Kritik:

Im Jahre 1976 realisierte Regisseur Sun Chung für die Studios der Shaw Brothers diesen weitestgehend spannenden und gut gemachten Streifen, der ein Mix aus Sozial-Drama, Sexploitation, Erotik, Krimi und dann auch Eastern-Action mit KungFu ist, und mit stark werdenden Frauen, mit geballter weiblicher Power aufwartet.

Das war insgesamt flott gemachte Unterhaltung, ein reiner Unterhaltungsfilm ohne große Ambitionen, der Film geht ein hohes Tempo, ist facettenreich und insbesondere anfangs episodisch gestaltet, doch Sun Chung verwebt alles dann gekonnt und lässt all die Geschehnisse in einen unvermeidlichen, knallharten Endfight münden. 

Sun Chung arbeitet die Facetten seines Films nach und nach ab: Sozial-Drama im rau-harten Maloche-Alltag einer Textil-Fabrik um 3 gebeutelte Frauen, die oftmals sexuell motivierter Gewalt gegen sie ausgesetzt sind, die sich gegenseitig und den anderen Kolleginnen beistehen, was auch zu Sexploitation-Sequenzen führt. Krimi, denn die die Triaden sind nicht zimperliche Gangster-Typen, Erotik -und hier ist explizit eine ziemlich gut gemachte, ziemlich heiße Sequenz zu nennen, in der Ku Kuan-Chung und die äußerst attraktive Kong Oh-Oi eine Liebes-Szene besetzen, die Darstellerin hat eine aufregende Figur und eine hohe erotische Ausstrahlung, und die Szene ist auch bildkompositorisch versiert gemacht-.

All das packt Sun Chung in seinen Film, verwebt alles gekonnt, das gar ein ziemlich interessanter Unterhaltungsfilm hier entstand. All das auch mit vielen Außenaufnahmen aus dem zeitgenössischen Hongkong, die harte Arbeitswelt, der raue Alltag der Menschen, Baustellen, horrender Verkehr, das Nachtleben in Spielhöllen und den Rotlichtbezirken in den Straßen der Mega-City Hongkong, eine der erstaunlichsten Metropolen der Welt. 1976 zumal, einer Blütezeit, insbesondere des Eastern-Kinos, das in jener Stadt seinen Ursprung hat. Das bildet denn alles den Hintergrund für diesen Film Sun Chungs.

Da sind die Darsteller*Innen denn gefordert, das mit intensivem Spiel "mit Fleisch zu füllen". Allen voran Shaw´s Adult-Ikone Chen Ping, die hier resolut, selbstbewusst und auch knallhart agiert, Chen Ping trägt diesen Film mit ihrer Performance, sie macht das stark. An ihrer Seite 2 Frauen unterschiedlichster Prägung im Charakter: Siu Yam-Yam (aka Shaw Yin-Yin), kess im Auftreten, ihre innerer Verunsicherung damit wohl kaschierend, aber sie lässt sich nichts -mehr- gefallen. Chong Lee (aka Chuang Li) ist ängstlich und verunsichert, doch sie wächst in ihrem Selbstbewusstsein, durch die anderen beiden Frauen. Alle eint das ähnlich gelagerte Schicksal, einst gebeutelt, zerrüttete Verhältnisse, die eine für die Triaden agierend, die anderen in etlichen Berufsfeldern tätig, nie lange an einem Ort beschäftigt, und alle waren sie in irgendeiner Form sexueller Gewalt ausgesetzt.

Die männlichen Rollen, sie sind mit verschiedensten Charakteren ausgestaltet, Wang Hsieh (aka Wong Hap), einmal mehr der Villain, in zahllosen Rollenbildern dieser Art gestählt, hier der brutal-eisenharte Gangster-Boss, natürlich ideal besetzt. Wang Chung zeigt Skrupel, ist das "schwache Glied in der Villain-Kette", und spielt das überzeugend. Ku Kuan-Chung, der Dandy im schicken Anzug, verführt er die bildschöne, äußerst attraktive Kong Oh-Oi (sie ist hier die hübscheste aller Darstellerinnen, ´trotz´ Chen Ping ;-) ), in einer wie erwähnt heißen Szene. Aber er ist ein arroganter Schmierlappen, der die eine Frau schwängert und sitzen lässt, die andere mit leeren Versprechungen verführt. 

Shaw-Haudegen Yang Chi-Ching als überforderter Fabrik-Chef der in die Schuldenfalle der Gangster tappt, spielt solide. Und Chiang Nan als notgeiler Stiefvater, er spielt jede seiner fiesen Rollen gut. Die diversen Charaktere würzen das flotte Geschehen natürlich ebenso.

In der letzten Viertelstunde, als sich die dramatischen Ereignisse überschlagen, wird "Big Bad Sis" dann auch noch zum Actioner, mit KungFu-Fights und roher Gewalttätigkeit. Fights gab es schon vorher, auch im Endkampf ist vieles im Streetfight-Stil gehalten, doch sorgen 2 Darsteller dafür, das dann doch ansatzweise die Kampfkunst des KungFu, Einzug hält: Zum einen Wang Chung, der verzweifelt mit KungFu und Schaufel gegen die zahlreichen Gangster-Schergen anfightet. Zum anderen der -in meinen Augen eigentliche- Star dieses Films -auch wenn er -viel zu wenig- Screen-Time hat- ... Chen Kuan Tai. Der mischt den dramatisch-knallharten Endfight erst so richtig mit KungFu im Streetfight-Stil auf, da kommt die blutig-eisenharte End-Schlacht auf der Baustelle erst so richtig in Schwung. 

Diese Fight-Action in der letzten Viertelstunde, macht "Big Bad Sis" erst zum Eastern, bringt den Streifen rockend ins Ziel, und ist wohl der Grund, warum in den Listen "All Shaw Brothers MA-Movies" bei rateyourmusic.com und -die ist noch etwas umfangreicher- letterboxd.com dieser Film aufgeführt ist.

Insgesamt sorgt "Big Bad Sis" mit seiner tempogeladenen Mixtur für mehr als passable Unterhaltung, und kann sich 7 von 10 Punkten in meiner Bewertung vor allem im blutig-dramatischen und turbulent-knallharten Finale noch redlich erfighten!

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