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Mailand Anfang der Siebziger Jahre: Einem anonymen Tip folgend, entdecken Kommissar Silvestri (Claudio Cassinelli) und Inspektor Valentini (Mario Adorf) einen vermeintlichen Selbstmord: Eine Minderjährige hängt nackt an einem Dachbalken - wie sich bald herausstellt, wurde sie jedoch ermordet. Staatsanwältin Vittoria Stori (Giovanna Ralli) und Kommissar Silvestri forschen nun im Umfeld der Toten nach möglichen Tätern, entdecken aber zunächst nur einen Paparazzi, bis sie durch Zufall auf eine andere Wohnung stoßen, in der sich die Verstorbene kurz zuvor aufgehalten hatte. Das dort vorgefundene blutverschmierte Badezimmer scheint ein weiterer Tatort zu sein - hier wurde ein Privatdetektiv ermordet, der von der Mutter der Toten auf ihre Tochter angesetzt gewesen war und zuviel herausgefunden hatte. Die Morde, so stellt sich recht bald heraus, werden von einem Killer in schwarzer Motorradkluft verübt, der stets einen Helm trägt und ein Fleischerbeil benutzt. Nachdem auch die Freundin des Privatdetektivs nur knapp einem Mordanschlag entgeht, wächst der öffentliche Druck auf Polizei und Staatsanwaltschaft, die Mordserie endlich aufzuklären...

Unter dem recht plakativen Titel Der Tod trägt schwarzes Leder verbirgt sich ein italienischer Krimi des Poliziottesco-Genres, der das Geschehen weitgehend aus Sicht der Polizei darstellt. So spielen auch die Täter nur eine untergeordnete Rolle, vielmehr wird auf die Anstrengungen des umtriebigen Kommissars Silvestri fokussiert. Der findet bald heraus, daß der Privatdetektiv Tonbandmitschnitte angefertigt hatte, die er zu Erpressungszwecken genutzt hat - was ihn den Kopf gekostet hat (im wahrsten Sinne des Wortes). Auf den Bändern sind die Stimmen junger Mädchen zu hören, die offenbar älteren Herren zu Willen sein müssen. Eines dieser Mädchen wird als Tochter von Inspektor Valentini wiedererkannt, der es gar nicht fassen kann...

Regisseur Massimo Dallamano hat hier von der Thematik her - minderjährige Prostituierte wider Willen bei honorigen Kunden -  ein für die damalige Zeit sicher brisantes Thema angepackt (der viel spätere, reale Fall Dutroux wird hier ansatzweise vorweggenommen). Ohne jedoch allzusehr mit dem erhobenen Zeigefinger zu agieren, inszeniert er hier einen streckenweise temporeichen Krimi, der seine Spannung weniger aus den gesellschaftspolitischen Hintergründen als vielmehr aus den Aktionen eines maskierten Motorradfahrers bezieht, der der Polizei ein ums andere Mal entwischt. Und das ist auch gut so, denn was Anfang/Mitte der Siebziger noch ein Skandal war, ist heute wohl schon überall traurige Realität und spielt bestenfalls noch in irgendwelchen TV-Krimis eine Hintergrundrolle.

Was die Inszenierung betrifft, so fällt diese reichlich blutig aus, wobei sich die Regie durchaus Gedanken gemacht hat, wie man ein blutverschmiertes Badezimmer sinnvoll präpariert, wie ein Fleischerbeil geschwungen wird und mal in der Aufzugwand, mal im Hinterkopf des Chauffeurs von Frau Staatsanwältin landet (deren Wagen dann korrekterweise auch innen blutbespritzt ist). Abstriche muß man freilich bei der zu Beginn aufgefundenen Leiche machen, denn die erhängte Wachspuppe, von der nur der Oberkörper zu sehen ist, wirkt nicht besonders überzeugend, wie überhaupt der Sleaze-Faktor - abgesehen von einigen unscharfen Paparazzi-Bildern und einem Rückblick auf einen Mutter-Tochter-Disput im Bad - fast schon gegen Null geht.
Sehr viel Freude machen einem jedoch die genretypischen Verfolgungsjagden mit einigen herrlichen Alfa-Romeo-Giulias, die in halsbrecherischem Tempo den flüchtigen schwarzledernen Motorradfahrer stellen wollen, der sie jedoch stets abhängt. Erst ganz am Ende, von Dutzenden Beamten umstellt, entgeht auch er seinem Schicksal nicht.

Darstellerisch gibt es nicht viel auszusetzen: Cassinelli spielt den engagierten aber stets ruhigen Ermittler, der von der Sophia Loren ähnelnden Giovanna Ralli moralisch wie behördlich unterstützt wird. Mario Adorf dagegen hat insgesamt kaum 5 Minuten Screentime, und auch wenn er kurz den betroffenen Vater eines der Mädchen spielt, ist dies fast schon weniger als eine Nebenrolle. Das Ende kommt dann ziemlich abrupt und ist freilich vorhersehbar: Die da ganz oben wollen nicht, daß die prominenten Kunden des Callgirl-Rings ausgeforscht werden, was Cassinelli zu einem finalen "Leckt mich doch alle am Arsch" bewegt. Ein unterhaltsamer Film mit kleinen handwerklichen Schwächen, einem tollen Score und viel zeitgenössischem Charme: 6,5 Punkte.

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