Review

kurz angerissen*

Für den „Todesschrei des gelben Tigers“ lässt Vielfilmer Chang Cheh seinen hüpfenden und chargierenden Venom Mob in ein wahres Wechselbad der Gefühle tauchen. Die Eröffnung hinter den Credits ist noch wie ein Theaterstück nach einer klassischen Tragödie geschrieben, die Reduktion des Sets auf die Kämpfer und ihre Bewegungen in minimalistischer Kulisse hat sogar eine beinahe opernhafte Anmut. Der Kampf um Leben und Tod vereint berühmte Volkshelden und Unterdrücker der chinesischen Geschichte auf dem Schlachtfeld, das durch Stilmittel wie den Freeze Frame mitten in der Bewegung eine besonders irreale, aber eben auch betont filmische Wirkung bekommt.

Als daraufhin in die Haupthandlung gewechselt wird, kann man ob des Wechsels in exzessive Taugenichts-Comedy irritiert sein. Der Tonfall schwingt von fatalistischer Betrübnis übergangslos in eine Posse über gelangweilte Lausbuben (Lo Mang, Kuo Chui), die den ganzen Tag nur Unsinn im Kopf haben und davon träumen, ihren langweiligen Jobs zu entfliehen, um sich in den Dienst einer ehrenhaften Sache zu stellen. Die Studiobauten bewahren dabei stets ihren künstlichen Charakter, sie verhehlen ihren gefertigten Charme nie und bieten sich somit als vielseitiges Trainings- und Kampfareal an. Der Mob hat gerade im Mittelteil einen seiner humoristischen Gipfel zu erklimmen und verbindet diesen mit lockeren bis spielerischen Kampfchoreografien.

Diese erfüllen letztlich wenig überraschend einen Trainingszweck für den Ernstfall, der mit einem überlangen, äußerst abwechslungsreich inszenierten Martial-Arts-Finale zur Stimmung des Auftakts zurückkehrt. Die Konstellation leiht sich dabei Elemente des Samurai-Klassikers „Die glorreichen Sieben“ und resultiert standesgemäß in einer pathetischen letzten Einstellung.

Da steckt nicht allzu viel dahinter, aber Cheh gelingt zwischen den Stimmungsschwankungen immerhin ein temporeiches, mit flottem Kung-Fu-Krawall gespicktes Besatzungsabenteuer auf engem Raum, das seine primitiven Unterhaltungsabsichten erfreulicherweise nicht hinter einer prätentiös in die Länge gezogenen Geschichte verbirgt.

*weitere Informationen: siehe Profil

Details
Ähnliche Filme