Höhenluft hat Groll im Mund
Ich hatte Backwoodthriller oder Highwayslasher erwartet. Bekommen habe ich in „High Desert Kill“ wesentlich origineller einen Sci-Fi-Survival-Alptraum zwischen Carpenter, McTiernan und Tarkowsky, wo es vier Jäger in der uramerikanischen Einöde mit einer Art Gestaltwandler zu tun bekommen, der ihre Instinkte und Traumata aufbrechen lässt…
„High Desert Kill“ ist weitaus kreativer, ökonomischer und psychologischer als man vorher erwarten könnte. „Predator“- und „The Thing“-Vibes. Uramerikanisch - und doch auch mit Gedanken an (ungleich bessere und bedeutendere) Sovietklassiker. „Stalker“ und „Solaris“. Vielleicht übernimmt sich „High Desert Kill“ damit als TV-Film etwas. Sein Payoff ist schwachbrüstig. Aber insgesamt bewundere ich seinen Mut und seine unerwarteten Wege. Das geht weit über einen simplen Backwoodthriller über das Jagen und Gejagdwerden hinaus. Die Gesichter sind frisch, das Fleisch ist willig, die Natur ist feindlich, die Farben poppen und die Ladies sind attraktiv. „High Desert Kill“ ist ein Gewinn für offene Geister. Er kann aber natürlich bei zu stoischen Erwartungen enttäuschen. Massiv sogar. Mich hat er jedoch ein um's andere Mal positiv überrascht. Ich wusste einfach nicht, was als Nächstes kommt. Und das ist immer ein filmisches Plus. Erst recht im geweiteten und oft streng schematisch arbeitenden B-Movie-Bereich. Die Liste an aufgeführten Genres auf IMDB ist ellenlang - und das völlig zurecht! Experimentell, originell, anders. Auch wenn dabei nicht jede Facette komplett aufblüht.
Fazit: sehr interessante Melange aus Sci-Fi, Outback und Horrorfilm… Übernimmt sich für seine TV-Herkunft vielleicht. Ist aber gerade durch diese Eier und Konzepte alles andere als Standardkram.