Review

Wenn ich ehrlich bin, war ich doch recht skeptisch, als mir mein Händler (der übrigens auch ein guter Kumpel von mir ist) die UK DVD von The Thing in die Hand drückte und sagte, ich solle mir den mal anschauen (ja, ich krieg die Dinger umsonst geliehen, super was). Denn von Carpenter kannte ich an Horrorfilmen nur Vampires und der ist ja bekanntlich ziemlich schlecht. Aber wenns umsonst ist, solls nicht unberührt bleiben. Also hab ich die DVD reingelegt und mich gemütlich zurückgelehnt. Das Ergebnis dieser bestimmt langweiligen Geschichte war, dass ich am nächsten Tag die DVD gekauft hab.
Selten hab ich so einen beklemmend spannenden Sci-fi Horror Mix gesehen. Und das ganze auch noch mit Starbesetzung.

Nun aber mal kurz eine Übersicht, worum es geht. Der Film spielt in einer Forschungsbasis in der Antarktis. Dort läuft eigentlich alles nach Routine, bis plötzlich ein fremder Hund das Gelände betritt. Dazu kommt noch, dass zwei Männer den Hund jagen und dabei auf alles schiessen, was sich bewegt. Der Leiter tötet die beiden aus Notwehr. Der Hund wird vom Tierpfleger aufgenommen. Was jedoch keiner weiss. Die zwei Männer waren von einer anderen Forschungseinrichtung. Dort hatte man einen ausserirdischen Fund gemacht. Ein einzelliges Alien, dass andere Organismen absorbiert und dann imitiert. Und genau dieses Alien befindet sich, als Hund getarnt, in der Basis. Als man über den Ursprung der Männer Bescheid weiss, fliegen McKenzie (Kurt Russell) und der Doc des Forschungsteams zu der fremden Basis. Dort finden sie Überreste des Aliens. Bei der Obduktion des Fund wird schnell klar, wie das Alien funktioniert. Doch da ist es schon zu spät. Der erste Forscher ist bereits mit der Alien-DNA infiziert. Nun weiss keiner mehr, wer jetzt noch Mensch ist und wer nicht.

Okay, die Summary wae etwas länger, aber das ziegt auch, dass wir es hier nicht mit einem 08/15 Horrorfilm zu tun haben. Denn was anfangs doch einer sein könnte, entwickelt sich schnell zu einem dramatischen Psychospiel. Besonders die Tatsache, dass man nie weiss, wer bereits infiziert ist und wer nicht, sorgt für ordentlich Atmossphäre. Hier zeigt sich auch, wie leicht man in Angstsituationen die Vernunft verliert und nur noch an sich und das eigene Überleben denkt. Denn das ist die Taktik des Ding. Es hetzt die Männer gegeneinander auf. Denn wenn keiner keinem mehr vertraut, hilft man sich auch nicht mehr. Stattdessen greift man lieber direkt zur Waffe und tötet denjenigen, der vielleicht (mit der Betonung auf vielleicht) ein Alien ist.
Da die Forscher auf die Dauer alle so handeln, gibt es weder gute noch böse. Jedem wünscht man, das er überlebt, gleichzeitig verdächtigt man aber auch jeden, das Ding zu sein. Zwar stellt sich Kurt Russell gegen Ende als Held heraus, aber auch bei ihm weiss man am Ende nicht, ob er nun vom Ding absorbiert wurde oder nicht. Das offene (Achtung: Spoiler) Ende ist in diesem Fall aber gut gewählt. Denn so kommt zum Schluss noch einmal diese unglaublich gute Gänsehautstimmung auf, mit der man dann auch den Film wieder ausmacht. Das hat mir besonders gefallen. Denn selten hat man nach einem Film noch immer die Gefühlslage, in die man während des Films hineinversetzt wurde. Daher ist der Film für Zartbeseitete auch nicht zu empfehlen. Nicht wegen der stellenweise krassen Splattereffekte, sonder weil die Zarten nach dem Film ne Woche nicht schlafen können. Denn die erzeugte Nachwirkung des Films (auch Offbeat Energy genannt) hält bei manchen Leuten (meiner Ex-Freundin zum Beispiel) mehrere Tage an.

So jetzt hab ich aber genug über Spannung, Psychologie und sowas gequatcht. Machen wir uns an die Schauspieler.
Wie gesagt, ist der Film exellent besetzt. Allen voran natürlich Kurt Russell, der mal wieder zeigt, dass er einer der besten Schauspieler aller Zeiten ist (und das obwohl der Film schon 20 Jahre alt ist). Aber auch die anderen Darsteller haben einiges zu bieten, und so dreht es sich nicht immer nur um Russells Charakter. Jede Figur hat mindestens einmal im Film eine Szene, in der sie das Geschehen bestimmt. Das macht es wie ja bereits erwähnt auch so schwer,wenn nicht unmöglich, das Ding zu identifizieren.

Allright. Nun zur Musik. Die ist kurz gesagt, genial. Es sollte allerdings keiner epochale Megascores a la Gladiator erwarten. Die Musik ist immer leise, dumpf und langsam und gibt den Film so ein zusätzliches Maß an Spannung. Denn gerade bei den gruseligen Kamerafahrten durch das Gebäude, wo man nie weiss, aus wessen Perspektive man jetzt das Geschehen betrachtet, entsteht in Verbindung mit der Musik ein fast unvergleichlicher Thrill.

Last but not least. Die Effekte
Hier zeigen sich Profis am Werk. Zwar sind die Gore Effekte rar gesäht, aber optisch sind sie sicherlich nicht zu verachten. Besonders die Eigenschaft des Dings, dass jedes Körperteil (ja sogar jede einzelne Zelle) selbständig ist, wird hier eindrucksvoll zur Schau gestellt. Als Beispiel sei hier nur der Kopf einer Leiche genannt, welcher sich vom restlichen Körper (den Russell gerade angeflämmt hat) abtrennt, und dann mit schnell herangewachsenen Spinnenbeinen davonläuft. Dass die Effekte aber den Film nicht ausmachen, ist wohl auch der Grund, warum er hier in Germany keiner Zensur zum Opfer fiel. Hier kann man sich in einem von wenigen Fällen bei der FSK bedanken.

Fazit: Exellenter Sci-fi Horror Mix, der einfach alles bietet, was man für einen guten Abend im dunkeln Wohnzimmer vor dem Fernseher braucht. Kleiner Tip: Zieht euch den Audiokommentar der UK DVD rein. Wie der Film einer der besten.
10/10 Fly Taggart hat gesprochen

Details
Ähnliche Filme