"Von jetzt an bleibt mir jeder in Sichtweite!"
Ein norwegischer Hubschrauber verfolgt einen Husky in der Antarktis. Verzweifelt versuchen die Insassen das Tier zu erschießen, dass sich zu einer Forschungsanlage mit 12 amerikanischen Wissenschaftlern retten kann. Durch die Hysterie sprengt einer der Norweger versehentlich den Hubschrauber und wird nach weiteren Schüssen und einem Treffer am Bein eines Amerikaners selbst erschossen. Das Verhalten gibt den Wissenschaftlern ein Rätsel auf, daher beschließt Pilot MacReady (Kurt Russell) zur Forschungsstation der Norweger zu fliegen. Die Anlage ist jedoch völligst zerstört. Der einzige Fund sind grotesk verunstaltete, menschenähnliche Körper.
Als der Husky in einen Käfig mit anderen Vertretern seiner Art gesperrt wird, verändert er sich und gibt einen außerirdischen Parasiten frei. Er befällt sofort die anderen Husky's. Die Amerikaner bekommen dies mit und versuchen den Parasiten zu verbrennen, dieser teilt sich jedoch und entkommt. Die Erkenntnis, dass der Parasit seinen Wirt völligst übernehmen und imitieren kann macht die Stimmung in der Station zunehmendst paranoider. Schließlich kommt jede Person in Frage, von dem außerirdischen Parasiten befallen zu sein.
Bereits 1951 wurde die Kurzgeschichte "Who goes there?" von John W. Campbell unter dem Titel "Das Ding aus einer anderen Welt" durch Howard Hawks verfilmt. Dessen Variante weichte in diversen Bezügen von der Vorlage ab. John Carpenter's gleichnamiges Remake dagegen ist der literarischen Vorlage deutlich näher.
Die parasitäre Bedrohung aus dem All war selbst Anfang der 80er Jahre nicht mehr die frischeste Idee. Bereits "Die Körperfresser kommen" und "Alien" setzten nur wenige Jahre zuvor Akzente im Science Fiction Horror. Doch Carpenter nutzt das Thema nicht um wie in den anderen Filmen eine Invasion der Erde und Unterjochung der Menschheit vorzubereiten, sein Horror erscheint puristischer, infernalischer und köperlicher.
Carpenter hält sich nicht an einen klassischen Spannungsaufbau, läßt seine Protagonisten nicht lange im Dunkeln tappen was die Erkenntnis der Bedrohung angeht. Vielmehr legt er seinen Fokus ganz auf das Mißtrauen der Protagonisten untereinander aus denen er Konflikte entstehen läßt, die die Männer gegeneinander agieren lassen. Die Zuspitzung der Ereignisse erfolgt gemächlich, kaum wird das Tempo seiner Erzählung im Verlauf gesteigert, lediglich in einzelnen Szenen unterbricht er den narrativen Fluß nur um später im gleichen gemächlichen Erzählfluss fortzufahren.
Den Umstand der Abgeschiedenheit und des Mißtrauens der Protagonisten untereinander nutzt Carpenter für eine feine kammerspielartige Inszenierung in einer äußerst beklemmenden und spannenden Atmosphäre der Auswegs- und Hoffnungslosigkeit. Hilfreich ist dabei das unverbrauchte Setting im ewigen Eis sowie die verwinkelten Gänge und klaustrophobischen Räumlichkeiten der Anlage.
In vielen Szenen, gerade in den blutigsten und grausamsten, verläßt sich Carpenter voll und ganz auf die Kraft seiner Bilder sowie die einprägsame musikalische Untermalung. Trotz zu hell geratenen Blut-Effekten und sichtbar mechanischen Bewegungen der Kreaturen sind die händisch gefertigten Spezialeffekte auf Referenzklasse. Kaum ein anderer Film bietet solch bizarre Wesen die durch zahlreiche aufplatzende Hautflächen einen hohen Ekelfaktor vorweisen. Daneben sorgen abgebissene Arme, deformierte Kreaturen sowie brennende Personen für kultiviertes Erwachsenenkino.
Wie wichtig eine dichte Atmosphäre sein kann sieht man an "Das Ding aus einer anderen Welt". Trotz Handlungslücken und nicht völligst plausibel handelnden Charakteren bleibt die Spannung Dank der bedrückenden Stimmung stets gewahrt.
Die sympathischen Darsteller agieren zweckmäßig. Neben bekannten Namen wie Keith David ("Sie leben!") bleibt Kurt Russell ("Die Klapperschlange") durch seine Präsenz am ehesten in Erinnerung.
"Das Ding aus einer anderen Welt" ist durch die durchgehend angespannte Lage, ekelerregende Szenen und das ambivalente Ende sicher kein Film für jedermann, allerdings gerade deswegen ein Meilenstein im Bereich des Science Fiction Horror. Die bizarren Kreaturen und erstaunlichen Effekte blieben bislang einzigartig und kennzeichnen den Film. Die ständige Unsicherheit und die paranoide Atmosphäre sorgt trotz Logiklücken für eine beständige Spannung.
10 / 10