Review

[Vorsicht! Spoilerwarnung!]

„Yeah, f*** you too!“ [„Mit mir nicht, mein Junge!“]

Dam Dam... Dam Dam... Dam Dam... Dam Dam. Nein, keine Sorge. Es geht hier nicht um alte Schlagerhits von Drafi Deutscher, sondern um einen absoluten Grusel-Klassiker des Altmeisters John Carpenter mit einem unglaublich wirkungsvollen Filmscore. Der minimalistische, beklemmende Soundtrack lässt bereits im Intro vermuten, dass dieser Film uns keine Comedy servieren wird. Es gibt wirklich nur sehr wenige Horrorfilme, die von Sekunde 1 an eine spannende, atemberaubende und derart gräuliche Wirkung entfalten - und das auch noch bis zum Ende durchhalten. Ganz zu Beginn sehen wir ein UFO auf die Erde zusteuern; an Bord sitzt das „Ding“ - das namensgebende Alien, das aus dem Weltraum auf die Antarktis geschleudert wird. Dieses Intro ist eigentlich auch schon der einzige Schwachpunkt des Films: die Szene ist unglaublich schlecht gealtert. Dafür ist der hierauf folgende Aufbau des Filmtitels „The Thing“ absolut ultrakultig und macht mir bei jedem Anschauen eine Gänsehaut.

Wir verfolgen sodann zwölf werte Herren rund um den Piloten MacReady (Kurt Russell), die eine kleine US-amerikanische Forschungsstation in der Antarktis betreiben, wofür sie unter anderem eine Horde Schlittenhunde, den ein oder anderen Drink sowie einen Keller voller Gerümpel benötigen. Als sich Forscher einer nahegelegenen norwegischen Station nähern, die einem Hund hinterherjagen, nimmt das Unheil seinen Lauf. Der gejagte Hund trägt nämlich „das Ding“ in sich, dessen ursprüngliche Gestalt unbekannt bleibt, aber auf einzigartige Art und Weise von einem Körper auf den nächsten überspringen kann - es „assimiliert“ seine Opfer. Dadurch kann es solange unbemerkt in einem Körper fortleben, bis es dessen überdrüssig ist, verwandelt seinen Wirt sodann in ein spektakuläres Monster und zettelt blutigste Gewaltorgien an.

Damit kommen wir zu einer der großen Stärken des Films: Er besticht durch herausragende visuelle Effekte. Die Macher schufen reihenweise eklige, schleimige, unansehnliche Monster, die sich jedes Mal selbst übertreffen. Das „Hundeding“ aus dem Zwinger, welches dort endlich seine wahre Natur preisgibt, stellt nach seiner Verwandlung ein undefinierbares Gebilde dar, das seine Innereien nach außen dringen lässt und in der Lage ist, eine schleimige Flüssigkeit herauszuspritzen, um seine Opfer zu infizieren und diese daraufhin mit herauspeitschenden Tentakeln zu strangulieren. Auch kann es fleischige Gebilde mit Zähnen bilden oder an einer beliebigen Stelle ein menschliches Auge aufweisen. Wie viel Kreativität in solchen Darstellungen steckt und das Maß an liebevoller Mühe, diese in gewaltige Bilder umzusetzen, macht den Reiz des „Body Horror“ aus und ist schon eine beachtliche Kunstform, die vielen Kindern der 1980er Jahre sicher Albträume beschert hat. Das Endmonster mit dem assimilierten Wissenschaftler Blair ist heute Kult und sogar als Actionfigur erhältlich.

Aber auch zwischen solchen Schlachtfesten kann der Film durch eine unheimliche Atmosphäre überzeugen, indem er sich einfacher Mittel bedient, wie etwa Soundeffekte pfeifenden Windes, der sich wehleidig heulend durch die zugigen Korridore der Forschungsstation pustet. Zugleich wird durch die Ungewissheit, wo und wann das Ding als nächstes zuschlägt, eine kontinuierliche Spannung aufgebaut, die sich durch den ganzen Film zieht. Das dauernde Unwissen darüber, welcher von den Männern bereits eigentlich nicht mehr er selbst ist, sondern das auf die nächste Eskalation abwartende Alien, erzeugt wohliges Unbehagen bei geneigten Grusel-Gourmets. Sehr vieles, was sich in der Forschungsstation abspielt, wird nicht gezeigt. Stattgefundene Grausamkeiten werden oft nur nachträglich durch Leichenfunde und zerrissene Kleidung offenbart. Der Tod des Biologen Fuchs bleibt völlig im Dunkeln, da nur seine Überreste samt Brille aufgefunden werden. Sehr spät in der Handlung verschwindet Nauls wortlos und wird dann nie wieder gesehen, sodass dessen Schicksal sogar völlig unklar bleibt. Diese Balance, dieser gekonnte Kontrast zwischen der expliziten Darstellung krassester Abscheulichkeiten und der zahlreichen ungezeigten Geschehnisse, machen den Film einzigartig.

Der Film bekommt von mir sehr selten vergebene 10/10 Punkte. Kaum ein anderer Horrorfilm wird zurecht so hochgeschätzt wie „The Thing“ von John Carpenter. Nicht nur gehört er zu den Filmen, die als Neuverfilmung eines älteren Werks ihre Vorlage bei Weitem übertreffen; er kann sogar ohne Mühe als einer der besten Horrorfilme aller Zeiten bezeichnet werden und hat mit Kurt Russells Darstellung des sarkastischen MacReady eine der kultigsten Ikonen des Horrors geschaffen. Im Kino erfolglos, in den Folgejahren gescheut und vergessen, entwickelte er sich ab den 1990er Jahren zunächst zu einem Kultklassiker, der durch seine Indizierung in Deutschland per se attraktiv für Nerds wurde. Jede und jeder, der auch nur ein bisschen von Horrorfilmen hält, kommt hieran nicht vorbei. Ein heiliger Gral, der seinen Platz im kleinen Kreise derjenigen Gruselfilme hat, die ich als perfekt bezeichnen würde.







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