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Mit "Mississippi Delta" inszenierte Regisseur Phil Joanou (Im Vorhof der Hölle) einen kühlen Thriller, der zwar spannend unterhält, aber stellenweise nicht richtig zünden will. Joanou verlässt sich hier auf seine Darsteller, und vernachlässigt so ein wenig die Story.

Dave Robicheaux (Alec Baldwin) war Polizist in New Orleans und hatte Probleme mit dem Alkohol. Jetzt lebt er in den Sümpfen des Mississippi-Deltas. Als er und seine Frau Annie (Kelly Lynch) einen Flugzeugabsturz beobachten, greift Dave sofort ein und kann ein kleines Mädchen retten, während die drei restlichen Insassen sterben. Diese waren offenbar illegale Einwanderer aus El Salvador. Das Ehepaar will das Kind bei sich aufnehmen und versucht, große Formalitäten zu vermeiden. Aber nicht die Einwandererbehörde interessiert sich für den Absturz, sondern Drogenfahnder. Darauf beginnt Dave in der Unterwelt von New Orleans Fragen zu stellen, wobei er auf alte Bekannte trifft. Sein ehemaliger Schulfreund Bubba Rocque ist mittlerweile eine lokale Gangstergröße, und die Stripperin Robin (Mary Stuart Masterson) kennt ihn noch aus seinen Tagen als Cop. Antworten auf seine Fragen haben beide nicht, doch plötzlich tauchen finstere Gestalten auf und bedrohen Robicheaux und seine Familie. Was folgt sind schwere Verluste, Verrat, Gewalt und Tod...

Eine oscarreife Leistung absolviert Alec Baldwin (Getaway) hier zwar nicht, doch kann man sich mit seiner Leistung zufrieden geben. Sowohl den knallharten Fahnder als auch den zerbrochenen Witwer hat er drauf. Kelly Lynch (Virtuosity) macht einen passablen Job, mehr aber auch nicht. Besser ist da schon Mary Stuart Masterson (Bad Girls), der man die Stripperin zwar nicht wirklich abkauft, aber ansonsten in Ordnung geht. Auf der Seite der Finsterlinge befinden sich diesmal Eric Roberts (Gunpower) und Teri Hatcher (Desperate Housewives), die aber von unterschiedlicher Qualität spielen. So kann Roberts ein wenig überzeugen, hat aber kaum was zu tun. Indessen kann Hatcher als intrigante Bitch punkten. Ab und zu schauen dann noch Vondie Curtis-Hall (Stirb langsam 2) und Joe Viterelli (Eraser) vorbei. Letzterer arbeitete schon in "Im Vorhof der Hölle" mit Joanou zusammen.

Was "Mississippi Delta" auszeichnet, sind vor allem die Locations von New Orleans und Umgebung. Der Film kann auch die dortige schwüle Atmosphäre widerspiegeln, doch funktioniert das hier nicht so gut wie in "Gnadenlos", "Harte Ziele" und "Angel Heart". In Zukunft wird New Orleans in Filmen dank Hurricane etwas anders aussehen. Im Actionbereich bekommt man ein paar blutige Shoot-Outs serviert; doch sind diese rar gesäht, weshalb man sich beim Rest mit einer Dach-Verfolgung zufrieden geben muss. Wie oben schon erwähnt, vernachlässigt Joanou wegen den Charakteren etwas die Story. Allerdings macht er den Fehler, dass er auch mit den Charakteren nicht viel anzufangen weiß, was eines der Probleme des Streifens ist. Wirkliches Profils verleiht er den Figuren kaum. Storymäßig baut der Film nach Annies Ermordung etwas ab und hat auch ein paar Hänger zu verzeichnen. Dass er mit Charakteren umgehen kann, konnte Joanou schon in "Im Vorhof der Hölle" beweisen, doch gelang ihm dort auch die Balance zwischen Charakterdarstellung und Handlungsablauf. Hier gelingt es ihm weniger. Spannung ist vorhanden, die auch zu unterhalten weiß, aber auch gegen die Hänger sowie zeitweilige Leere nichts ausrichten kann. Dank Teri Hatchers freizügigem Einsatz kommt auch die Erotik nicht zu kurz, wenngleich man auf eine Fickszene verzichtet hat. Störend ist das allerdings nicht. Wenigstens sind Hatchers Brüste hier nicht das einzige, was hängt. Somit hat "Mississippi Delta" eine größtenteils unterhaltsame Story, die noch durch brauchbare Darsteller und toller Location ergänzt wird.

Schließlich ist der Film zwar recht unterhaltsam, doch hätte man einiges besser bzw. anders machen können, damit der Streifen auf "Im Vorhof der Hölle"-Niveau gelangt wäre. Dennoch ein passables Produkt für die schlichte Zwischendruch-Unterhaltung!

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