Review

Was sich in der Inhaltsangabe wie ein weitschweifender, recht komplizierter Drogenthriller mit reichlich Plot-Potential liest, entpuppt sich bei Ansicht als eine pomadige, zäh in die Länge gezogene Rachestory, die ihre Möglichkeiten fast vollständig verschenkt, indem sie den hier auftretenden, interessanten Figuren beinahe jegliche Entfaltung ihrer Möglichkeiten versagt.

Das fängt zwar gut an, wenn Alec Baldwin als Ex-Alki-Cop und Kelly Lynch beim Delta-Schunkeln beinahe eine Propellermaschine auf den Kopf fällt und unter Wasser nur ein Kind retten läßt, während die illegalen Einwanderer und Mitarbeiter eines lokalen Drogenbarons den Löffel weit von sich schmeißen. Doch dann tritt die Story auf der Stelle, auch wenn der Drogenbaron von Eric Roberts gespielt wird und das ein alter Kumpel von Baldwins Charakter ist. Der Absturz dient als Auslöser der Handlung, spielt aber im weiteren Verlauf keine Rolle mehr, außer das das gerettete Kind der Grund ist, weshalb sich hier bald alle in den Allerwertesten gekniffen fühlen müssen.

Alles, was wir erfahren ist, daß Baldwin mit dem Milchjieper und dem Whiskyjapper kämpft und außerdem verdammt hartnäckig ist, wenn es um Sachen geht, die ihn einen Scheiß interessieren sollten, wenn er Familie hat. Die hat er dann auch nicht mehr richtig lange und den Rest des Films geht es darum, es den drei Killern heimzuzahlen und den Auftraggeber des Mordauftrags rauszufiltern. Und das war's dann - wer jetzt noch ein dollen Drogenplot erwartet hat, kann das getrost eintüten.

Da läuft zwar ständig ein flotter DEA-Agent durch die Gegend, doch was der eigentlich zu tun, weiß kein Mensch. Mary Stuart Masterson taucht als zugedröhnte Stripperin auf, dann wieder ab und ist gegen Filmende plötzlich clerasilclean wieder zur Stelle, um nach dem Showdown wieder abhaun zu sein, obwohl das hier noch die sympathischste Figur ist. Kelly Lynch bleibt blaß wie immer und daß sie den Löffel reichen muß, zeigt uns schon der Vorspann, wo sie erst nach Masterson in den Credits auftaucht. Roberts mimt wie immer das perfekte Ekel, hat aber eigentlich nichts zu tun, weil sein Frauchen Teri Hatcher (die Ex-Lois-Lane präsentiert sich hier als Full-Frontal-Nude und zeigt beeindruckende Hängebrüste) eh intelligenter ist. Nebenbei haben bei noch Probleme mit den grossen Bossen (vermutlich italienische Mafia), aber das bringt die Story auch nicht weiter.

Die eigentliche Enttäuschung aber ist Baldwin, der sich selbst hier auch noch produziert hat. Dummerweise hat seine Hauptfigur nicht einen sympathischen Zug und er tut auch nichts, um dagegen zu steuern. Ständig guckt er glasig drein, als könnte er tatsächlich einen Drink vertragen, läßt seine Alte sausen und mit dem Kind allein (und dann in die Grube fahren) und macht dann mit stierem Blick auf Dirty Harry. Dabei hat er nicht einen Funken von Humor oder Ironie, denn die Chose nimmt sich todernst, was auch an ein paar netten Brutalitäten zu bemerken ist. Am Schluß gibt's dann einen lakonischen Film-noir-Kniff und eine Schlußeinstellung, die uns einen Protagonisten zeigt, dessen Leben jetzt erst richtig am Ende ist. Oder vielleicht ist das auch ein Neuanfang. Oder alles ist offen. Aber das schert uns nicht mehr, denn bis dahin hat der Film mit ewig langen Einstellungen und ruhigen Bildern jeden Drive abgetötet, der aus der interessanten Location herauszuholen gewesen wäre.
Es ist träge im Süden - hier haben wir die Bilder dazu.
Wer wirklich mal im Süden der USA finster abtauchen will, der halte sich bitte auch weiterhin an "Angel Heart", denn da wird entsprechend auf die Charaktere eingegangen und die Geschichte entwickelt sich in aller Naturbreite. Hier wird jeder Ansatz gleich abgebrochen, weswegen sich für den Schinken auch kaum jemand so recht erwärmen konnte, außer man sieht das Drama dahinter. Das ist nicht richtig schlecht, aber enttäuschend ist es schon. (5/10)

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