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Mal hier ein Grill-Abend, mal dort ein ausladendes Buffet, ach, ich liebe es, auch wenn es schwer fällt, dabei kein Bäuchlein anzusetzen.
Nahrungsaufnahme sollte nach Möglichkeit stets als Genuss empfunden werden, in „Feed“ geht es jedoch um das Gegenteil: Regelrechte Mästung, je mehr Kilos, umso besser. - Na dann, guten Appetit !

Cop Phil beschäftigt sich mit Internetkriminalität und stößt bei seinen Recherchen auf die Seite eines „Feeders“. Dieser hat sich darauf spezialisiert, dicke Frauen solange zu füttern, bis sie praktisch platzen, an Überfütterung zugrunde gehen, was durch angebrachte Kameras via Internet übertragen wird. Bereits mehrere Frauen werden seit Monaten vermisst, für Phil Grund genug, um von Australien in die Staaten zu reisen, um dem Psychopathen das Handwerk zu stellen.

Was für eine kranke Welt: Meiner lieben Ex-Freundin hat man mit 45 Kilo fälschlicherweise Magersucht nachgesagt und hier freut sich eine Frau, endlich über 300 Kilo zu wiegen!
Tatsächlich aber gibt es diese Fetische und Anhänger eines solchen werden auch kein Problem damit haben, während „Feed“ die übliche Portion Chips zu futtern, was mir nicht in den Kopf kam. Der Streifen spielt gekonnt mit Tabus und bricht mit konventionellen Sehgewohnheiten, was schon in Minute 13 deutlich wird, als Cop Phil seine Ficke von sich stößt und man einen kurzen Blick auf ihre Mumu werfen kann. Die fetten Frauen des Psychos Michael sind für den sexuell „normal“ ausgerichteten Typen entsprechend ekelerregend, was durch eine sehr saubere Maske relativ echt wirkt.

Szenen dieser Art wechseln sich kontrastreich ab: Einerseits Cop Phil, der beim Sex die härtere Nummer bevorzugt, andererseits Michael, der seinen fast bewegungsunfähigen Damen auf dem Bett immer noch ein paar Kalorien mehr zuführt, „Blutdruck ist super, 240:160“…
Da wird mit Essen gespielt, dem Körper Fett entnommen und wieder zugeführt und die nackten Brüste hängen am Quaddelkörper wie eine Aldi-Einkaufstüte mit Sand gefüllt.
Nein, Ästhetik sieht in meinen Augen anders aus, aber die Szenen sind so geschickt festgehalten worden, dass es nie zum Brechreiz kommt, wofür entsprechende Distanz der Kamera und diverse Farbfilter sorgen.

Der Story liegt ein sehr simples Motiv zugrunde: Cop jagt Psychokiller.
Hier zeigen sich auch leider einige Schwächen, denn welcher Cop würde schon im Ausland ohne Mithilfe der hiesigen Polizei auf eigene Faust ermitteln, zumal sein energischer Antrieb nicht begründet wird. Aber in den Staaten bekommt ja jeder eine Wumme und die örtliche Polizei scheint auch noch nichts vom Verschwinden der Frauen bemerkt zu haben…

Spannend ist der Psychokampf aber dennoch ausgefallen, denn nicht nur die beiden Darsteller können überzeugen, sondern durch gekonnte Schnitte entsteht ein schlagfertiges Machtspiel der Kontrahenten, was während des Showdowns durchaus zu fesseln vermag. Und das zynische Ende wird mit mindestens einem bitterbösen Lächeln des Zuschauers quittiert werden.

Doch, „Feed“ hat mich sehr gut unterhalten und das trotz einiger Logikfehler und vielen fetthaltigen Szenen. In diesem Zusammenhang sollte ich mich mal wieder mit meiner Ex treffen…vielleicht Essen gehen…
7 von 10 Punkten

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