10 Jahre ist es nun schon her, als Drehbuchautor Kevin Williamson, zusammen mit Regisseur Wes Craven, das, bis dahin nahezu tote, Teenie-Slasher-Genre neu erfand und mit "Scream" eine bis dato nicht abschwächende Geldmühle lostrat, die aber heutzutage kaum noch wirkliche Qualitäten hervorruft. Abgesehen von z. Bsp."High Tension" ist heutzutage kaum noch ein Slasher in der Lage so richtig zu fesseln oder Atmosphäre aufzubauen und mit Gore-Sequenzen sieht es in PG-13-Zeiten auch nicht viel besser aus. Mehr als zusammengeschusterte Genre-Kost für abgebrühte Genre-Freaks ist meistens nicht zu erwarten. Und das haben wohl auch Williamson und "Ich weiss..."-Regisseur Jim Gillespie erkannt und sich zusammengetan, um mit "Venom" endlich mal wieder einen Slasher zu produzieren, der alle Regeln des Genres bestens einhält und somit fesselnde und blutige Kost liefern, die man so als Slasherfreund schon lange mal wieder sehen wollte.
Um gleich mal ein Missverständnis aus dem Weg zu räumen: Williamson ist hier nicht der Drehbuchschreiber sondern agiert nur als Produzent. Und das merkt man auch, denn das Drehbuch ist alles in allem, Genretypisch, auch nicht viel besser und innovativer, als bei den letzten Genrevertretern, doch dies dürfte auch kaum einer erwartet haben. Wie so oft geht es um eine Reihe von Teenagern, die in die Fänge eines grausamen Killers geraten. Dieser Killer ist dieses mal ein von verfluchten Schlangen gebissener Hüne namens Ray, der daraufhin die Seelen von verschiedenen Schwerverbrechern in sich trägt und Jagd auf die Enkelin einer Voodoo-Priesterin macht. Und jeder der sich ihm in den Weg stellt muss aufs blutigste sterben. Wie schon gesagt, wirkliche Innovationen hat "Venom" nicht zu bieten. Auch wenn sich die Geschichte hier mal nicht um einen ganz normalen Killer dreht, so sind wirkliche neue Ideen doch Mangelware. Logiklücken, fehlende Handlungstiefe und dusselig agierende (und daherlabernde) Teenies gehören des weiteren natürlich ebenso dazu, wie Klischees am laufenden Band. Kurzum, eine Slasher-Story eigentlich wie sie im Buche steht.
Und somit richtet der schon längst abgebrühte Slasher-Freak natürlich sein Augenmerk wieder auf die drei großen Details, auf die es bei einem Schlitzer-Streifen hauptsächlich ankommt und das sind Spannung, Blut und vor allem Atmosphäre. Und in diesen drei Punkten kann "Venom" punkten wie schon lange nicht mehr, zumindest was die reine Teenie-Slasherkost angeht. (mit Filmen wie "The Hills have Eyes" oder "Saw" kann man diesen Streifen eh nicht vergleichen) Ja eigentlich war in diesem Bereich, in letzter Zeit, nur "High Tension" besser. Denn auch wenn man schon von Anfang an weiß wer der Killer ist, so bleibt die Handlung vor allem in der Hinsicht spannend, wer am Ende das Massaker überlebt. Denn eine wirkliche Heldin kann sich unter den Teens dieses mal nicht heraus filtern, alle sind wirklich potenzielle Opfer, so das sich diese Frage, trotz einiger Vorhersehbarkeiten, wirklich erst zum Schluss beantwortet. Zudem ist man auch jedes Mal tüchtig gespannt, mit was für einem Mord uns der bärenstarke Killer als nächstes "überrascht".
Und da zeigt "Venom" ebenfalls richtig gute Stärken. Im Gegensatz zu den meisten anderen Teenie-Horror-Vertretern der letzten Zeit, fließt hier mal wieder richtig Blut. Es gibt einige blutige Kehlenschlitzerreien, abgetrennte Gliedmaßen, zermatschte Köpfe und vieles mehr. Zudem werden einige Opfer des Killers mit einer Art Stahl-Hundekette für Menschen durch die Gegend geschleift oder an spitzen Ästen von Bäumen aufgespießt. Der Einfallsreichtum ist jedenfalls recht annehmbar ausgefallen und die Umsetzung wirklich schön blutig, so das die KJ-Freigabe mehr als rechtens ist.
Knackig zudem die Atmosphäre, die endlich mal wieder so fröstelich und kühl ausgefallen ist, wie bei "High Tension" oder "Halloween". Die fahle Ausleuchtung der (vorzüglich) dunklen Sets ist beängstigend und der knackige Score lässt einem selbst als abgebrühtester Genre-Freak erschaudern. Dazu noch einige hübsche andere Details, wie der Einsatz einiger herber Farbfilter, die ebenfalls deftig an der Atmosphärenschraube drehen können. Mit dem richtigen Soundequipment steht einem kurzweiligen Gruselabend jedenfalls nichts im Wege.
Auch nicht die Schauspieler, die allesamt zwar nicht mehr als Genre-Niveau abliefern, aber dort wenigstens etwas höher schwimmen, als viele ihrer Kollegen aus anderen Streifen. Kennen tut man sie zwar irgendwie alle nicht, doch als dusselige Teenies, die nach und nach eh alle draufgehen, machen sie ihre Sache soweit den Erwartungen entsprechend. Für große Filme reicht es zwar nie im Leben, doch für Teen-Horror allemal.
Fazit: Seit langem endlich mal wieder ein Teenie-Slasher, der sich in den drei wichtigsten Genre-Punkten, nämlich Spannung, Atmosphäre und Blut, genauso verhält, wie man es als Genre-Freak erwarten darf. Das Treiben bleibt, trotz bekannter Killer-Identität, spannend bis zum Schluss, die Atmosphäre ist manchmal schier erdrückend (vor allem beim richtigen Sound-Equipment) und Blut spritzt hier so reichlich, dass auch die Splatterfreunde ihren Spaß daran haben dürften. Nichts Neues, nichts Innovatives, doch für Slasherfreunde definitiv einer der besten Genrebeiträge der letzten Zeit.
Danke dafür!
Wertung: 7,5/10 Punkte