„Ein strammer junger Mädchenleib lockt die Jungs zum Zeitvertreib!“
In der zweiten Hälfte der 1980er war das italienische Genrekino weitestgehend am Ende und auch Kult-Regisseur Lucio Fulcis („Über dem Jenseits“) Œuvre blieb vom allgemeinen Qualitätsabfall nicht verschont. Zwischen dem Giallo „Dämon in Seide“ und dem von ihm begonnenen und schließlich von Claudio Fragasso und Bruno Mattei fertiggestellten Zombie-Trash „Zombie III“ drehte er im Jahre 1987 mit „Ænigma“ eine Mischung aus Quasi-Remake des Sleazehorrortrash-Heulers „Patrick lebt!“ und typischen US-Teenie-Slashern, die in jugoslawischer Koproduktion entstand.
Sportlehrer Fred (Riccardo Acerbi) macht sich mit seinen Schülerinnen des St. Mary's College einen Spaß daraus, der Mitschülerin Kathy (Milijana Zirojevic), einem schüchternen Mauerblümchen, einen bösen Streich zu spielen: Er heuchelt Interesse an ihr vor und verführt sie, nur um sie im entscheidenden Moment vor allen anderen bloßzustellen. Der pädagogisch wenig wertvolle Schachzug endet in einem Unfall, durch den Kathy ins Koma fällt. Doch ihr unruhiger Geist sinnt auf Rache und ergreift Besitz von der neuen, attraktiven Schülerin Eva (Lara Lamberti, „Red Sonja“), die sich fortan durchs Mädcheninternat meuchelt...
„Nein, ich will nicht sterben!“
Der Originalitätsfaktor von „Ænigma“ tendiert streng gegen null, wenn Fulci in spannungsarmer Slasher-Manier die Schülerinnen und Belegschaft eines Mädcheninternats dezimiert. Es gibt kein „Whodunit?“, es gibt keine Fragen hinsichtlich des Motivs und auch keinerlei Mystik um die Reinkarnation, die man vollkommen lustlos gar nicht erst zu erklären oder sonstwie näher zu beleuchten versucht. Auch von Fulcis ehemals so unverwechselbarer Kamera- und Bildästhetik blieb nicht mehr viel. „Ænigma“ wirkt wie ein Versuch, an schon damals nicht mehr sonderlich modernere US-Horrorfilme anzuschließen und verzichtet demzufolge leider auch auf einen charakteristischen Soundtrack, für den die Italiener zuvor so berüchtigt waren und die oftmals entscheidend zur Erzeugung einer ganz speziellen Atmosphäre beitrugen. Stattdessen fungieren hier zeitgenössische Pop- und Rockklänge als musikalische Untermalung. Doch so plump die Geschichte ist und auch erzählt wird, so auf Nummer sicher geht man in Bezug auf die typischen Slasherklischee-Versatzstücke: Permanent von Sex brabbelnde, tumbe Teenie-Gören, denen der Garaus gemacht wird. Freunde des Genres können sich dabei entspannt zurücklehnen, schmunzeln und genießen und mit einer Szene wie der des „Schneckentods“, bei der ein Opfer von Scharen der schleimigen Kriechtiere angefressen wird, hat man dann doch noch ein originelles Alleinstellungsmerkmal vorzuweisen. Zwar schweigt man sich auch dabei darüber aus, wie so etwas möglich sein soll und woher die Komapatientin plötzlich Macht über die Fauna erlangt hat, doch spaßig anzusehen ist's allemal und Fulci bekam einmal mehr Gelegenheit, eine für ihn typische Tierattacke umzusetzen (und es dürfte auch die bemerkenswerteste – gleich in welcher Hinsicht – sein). Ein paar weitere Ekelbilder hier und da bieten etwas fürs Auge, allzu sleazig wird „Ænigma“ (die Schnecken einmal ausgenommen...) indes nicht.
Die schauspielerischen Leistungen des namenlosen Ensembles decken ein Spektrum von zum Fremdschämen über steif und blass bis hin zu unauffällig, systemerhaltend ab; Fulci persönlich taucht wieder in einer Nebenrolle als Kommissar auf. Anspruchslose Genre-Fans sind eingeladen, das Hirn weitestgehend herunterzufahren und sich nett berieseln zu lassen, auch für Freunde des unfreiwilligen Trashs hat „Ænigma“ einiges zu bieten. Aufgrund seines Unterhaltungsfaktors und meiner Schwäche fürs Slasherkino zücke ich eine glatte Durchschnittsnote, zumal Fulci später noch wesentlich größeren Mumpitz verzapft hat. Eigentlich ist „Ænigma“ aber ein Paradebeispiel für den Niedergang des italienischen Genrekinos.