Review

"Carrie" hatte es gut: In Sachen Rip offs kam die Brian DePalma - Umsetzung des Stephen King - Romanes relativ gut weg. Mir selbst sind nur das direkte Sequel "Die Rache" bekannt sowie "Freitag der 13. Teil 7 - Jason im Blutrausch" und die Aussie - Version "Patrick" bekannt. Seit einigen Stunden gesellt sich nun auch Lucio Fulcis Variante "Aenigma" dazu, der sich vom Charme der Gates of Hell - Reihe sichtlich abhebt, aber noch lange nicht im Bodensatz gelandet ist, dem man später noch Namen und Gütesiegel des Regisseurs aufdrücken sollte.

Die übliche Arie vom Stilbruch und der Horrorpause erspare ich uns mal und äußere an der Stelle einfach meine Verwunderung darüber, dass der Film scheinbar keine deutsche Kinoauswertung erhalten hat und stattdessen direkt auf Kasette und in die Regale geklatscht, eingedeutscht in "Dämonia", damit sich auch Deutschdösbaddel wie ich den Titel gut merken können. Scheinbar war dem Film ein gewisser Erfolg beschieden, benannte man später einen Dokumentarfilm über Fulcis 80er - Phase ebenfalls "Aenigma", wenn auch mit Untertitel versehen.

Manch ein Leser hier wird aus der eigenen Schulzeit diese Art Sportlehrer kennen, die so dermaßen verjockt sind, dass sie im Prinzip eine moralische und autoritäre Erweiterung der Schulmobber fungieren. Dieses Prinzip greift auch hier, als eine Horde überheblicher Oberschichtputen der Tochter der internatshaushälterin einen Streich angedeihen lassen, der besagten Sportlehrer als lockendes Objekt der Begierde beinhaltet. Kathy, so der Name der armen Socke, wird in bester keltischer Menschenopfertradition erst umhegt und mit Geschmeide behangen, um dann mit Schmackes auf den Altar der Lächerlichkeit geknallt zu werden. Das Geschnacksel endet nach der Flucht vor dem johlenden Pöbel mit dem gnädigen Todeskuss der Kühlerhaube der entgegenkommenden Karre. Doch Kathy ist zu zäh und vor allem zu rachsüchtig, um jetzt schon ins Jenseits überzugehen und wartet in der Zwischenwelt auf eine Gelegenheit, es ihren PeinigerInnen heimzuzahlen.

Die bare Münze kommt eines Abends mit der psychisch labilen Eva ins Internat gerollt, die komischerweise die Marotten und Eigenheiten ihrer MitschülerInnen bereits bei Ankunft kennt und stellenweise einen unerklärbaren Hass auf eben jene verspürt. Schon früh ist klar: Kathy mag in der sterilen Kälte des Krankenhauses zwischen Monitoren und Kabeln vor sich hinschmoren, ihr Geist wohnt aber in Evas Leib zur Untermiete und fröhnt dort fröhlichst ihren Rachegelüsten mit überiridschem Psychoterror: In einem Stall verzogener Hühner mimt das unfreiwillige Gespann aus Kathy und Eva den Fuchs, der die Reihen lichtet, mal mit besseren oder schlechteren EEffekten. "Aenigma" ist der Film der rotglühenden Augen und der abgedrehten Opazitäten und kreativen Folter.

Der Bodycount ist nicht groß, aber divers. Vor allem das Ende einer Schülerin in Museum, wo sie nach hundsgemeinen Halluzinationen von blutenden Bildern mit herausfallenden Händen durch eine lebendige Marmorstatue ihr Leben lassen muss hat mich sehr beeindruckt, der Begriff "Lebender Marmor" wird hier effektiv wörtlich genommen. Das (Eva einmal ausgenommen) von jeglicher Persönlichkeit befreite Personal des Filmes braucht dem Zuschauer dabei nicht im Ansatz Leid tun, vergreifen sie sich doch auch nach Kathys Unfall immer noch verbal an ihr und ihrer psychisch kranken Mutter. Nur schade, dass ausgerechnet Eva selbst hier etwas zu kurz kommt. Die hat zwar als Protagonistin den wichtigen Job als Vehikel für Kathy und die Story, aber was die ständige Körperübernahme durch ihre verstorbene Vorgängerin mit ihr psychisch macht wird eher desinteressiert behandelt, die Affäre mit dem behandelnden Arzt ist ebenfalls nur schmückendes Beiwerk.

Apropos schmückend: Der Film ist weit entfernt von den alten Giallotagen des Herrn F., aber optisch durchaus ansprechend. Kathys steriles Gefängnis und eine bunt ausgeleuchtete Sexhalluzination mit Kannibalismustwist gemahnen stark an diese Zeit und auch der simpel getrickste, aber effektive Tod des Sportlehrers ist großartig in Szene gesetzt. Dafür spart man sich gerne das Augenrollen über Evas Ausraster mit dem Handtuch.

Mehr ist dazu nicht zu sagen: "Aenigma" ist kurzweilig und hat einige tolle Momente, die aber wider allen Erwartungen nichts mit dem Splatter vorheriger Jahre zu tun hat. Belassen wir es einfach beim Fazit "solides Videofutter" und vergessen am besten ganz schnell die Fülle an Charakteren mit fragwürdigen Ansichten und Vorlieben bzw. seien über deren Ableben beruhigt. 







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