Sex with Satan!
Ein Film wie ein Fiebertraum; wenn vier Jahrzehnte wie eine Ewigkeit aus Beton wirken... Wie nur, wann, in welcher realen Welt konnte man solche Filme drehen?! Wie kümmerlich und beschnitten wirkt da doch heute unsere "moderne westliche Filmwirtschaft".
Laurent und Aline sind ein junges Ehepaar, doch schon entzweit. Laurent ist unzufrieden, möchte mehr in seinem Leben finden als die bürgerliche Ehe - er läßt sich mit einem Satanischen Zirkel ein, welcher sich in der Einsamkeit des französischen Hinterlandes eingenistet hat. Aline ist aufgebracht, kann ihren Mann aber auch nicht aufgeben. Dieser taucht tiefer in die Gesellschaft des Geheimbundes ein, sucht die Nähe seiner Anführer. Doch um der Sekte vollends beizutreten, muß Laurent seine Frau ebenfalls dem Einfluß der Satanisten ausliefern. Diese wollen den Willen der Frau brechen, ihren Geist kontrollieren - sie vollkommen vereinnahmen und sie als Hexe Satans neu aufleben lassen....
Soweit der Inhalt, wie man ihn als interessierter Beobachter überhaupt (einigermaßen) registrieren kann.
Denn der Film ist ein weiteres Paradebeispiel entfesselten europäischen (Kunst)Kinos der 1970er Jahre. Klassisches Abspulen der Handlung wird verachtet, es zählen Eindrücke, Emotionen. Die Bildsprache und die Atmosphäre erinnern (obwohl natürlich weniger genial) an Jodorowski. Leichtbekleidete Frauen, die durch vernebelte Landschaften streifen, lassen natürlich an Rollin denken. Schließlich wecken einige Hippie-Sektenmitglieder Erinnerungen an Manson.
Beachtlich die Detailfreude dieser Low oder evtl. auch No Budget Produktion. Gerade in Hinsicht auf die Thematik, sind auch die Zitate und Elemente aus realen satanischen Praktiken und Gebräuchen erstaunlich, also ernsthaft.
Zimperlich ist man dabei nicht, entsprechend der Entstehungszeit und des Budgets gibt es aber keine tricktechnischen Blutbäder oder optischen Härteprüfungen. Trotzdem sind Auspeitschungen, Vergewaltigung, Erniedrigung und Ähnliches onscreen und relativ ausgewalzt.
Aber alles ist umgeben von einer "Traum-Aura". Ein Trip, ein amoralisches Gebräu der "Magischen Neugier" des Zeitgeistes der 70er, der Hippie-Terroristen im Kampf gegen Normen und Zwänge.
So gibt es in diesem, von jeglichen Konventionen losgelösten Streifen auch alles, was da überhaupt möglich wäre: saftige Zooms, nacktes Fleisch, bemalte Brüste, hüpfende Brüste, ekstatische "Stammestänze", Fellwesten und Farbfilter - die Liste könnte beliebig weitergehen. Wenn man die Angelegenheit ohne Vorurteil betrachtet, könnte man fast neidisch werden: DAS war noch freies und kreatives Filmemachen!
Der Grundtenor des Films ist sogar ernsthafter Natur. Erniedrigung des Menschen, Kontrolle durch eine Sekte, mentale wie körperliche Mißhandlung. Das man all dies als Zuschauer überhaupt reflektiert, zeigt, daß La Papesse kein reines Trash-Vergnügen ist oder sein will.
Eine lohnende Erfahrung für Anhänger des europäischen Underground-Sleaze-Beat unter Satans Aufsicht... Schön auch der Soundtrack, der manchmal an die französische Okkult/Avantgarde-Kombo MAGMA erinnert. A Woman Possessed wäre prädestiniert für eine vernünftige Veröffentlichung auf Mondo Macabro! 7/10
MovieMadness