Sechs Jahre nach dem erfolgreichen Original ging die Geschichte um Gizmo und seine weniger wohlgeratenen Geschwister in die nächste Runde. Gewaltsam dem wohlbehüteten Heim entrissen und zwecks Experimenten in ein Forschungslabor zwangsverfrachtet trifft er glücklicherweise auf sein altes Interims-Herrchen, das ihn zwar heimlich retten kann, wobei das kleine Fabelwesen aber durch unglückliche Umstände wieder naß wird. Ergo: wieder mehr Mogwais, die sich erneut ihre Mitternachtssnacks gönnen und zu den bekannten und von den Figuren in diesem Filmuniversum wenig geliebten Gremlins mutieren. Der Ort der Verwüstung diesmal: ein modern eingerichtetes High-Tech-Zentrum mit Fernsehsender, Restaurants, Architekturbüro und allem Pipapo.
Chris Columbus, mittlerweile selbst Regisseur großer Kassenschlager („Kevin – Allein zu Haus“), stand für ein zweites Drehbuch nicht zur Verfügung. Dafür sprang Charles S. Haas ein. Fest steht: Man bemerkt den Autorenwechsel. Was in diesem Fall aber nicht negativ gemeint sein soll, sondern als Kompliment. „Gremlins 2“ verabschiedet sich gänzlich von den Horrorelementen und schiebt den Derbheitsfaktor deutlich nach oben. Das heißt, die unansehnlichen grünen Viecher sind noch schriller und stellen noch mehr Schabernack an, dies alles jedoch diesmal auf einen engen klaustrophobischen Hochhauskomplex beschränkt, anstatt in die Weite einer Kleinstadt bzw. in diesem Fall einer Metropole wie New York zu gehen. Das Design der Monster ist abwechslungsreicher, woran zumeist auch das Forschungslabor seinen Anteil trägt, lagern dort doch allerlei Chemikalien, die bei Verzehr vielfältige Nebenwirkungen verursachen. Ein Gremlin kann plötzlich gewählt sprechen, ein anderer wird zur Tomate und noch einem anderen wachsen Flügel. Wer einen Gremlin als elektronischen Blitz oder mit einer Spinne gekreuzt sehen will, ist hier eindeutig im richtigen Film.
Auch bei den Charakteren wird gewaltig am Überdrehtheitsregler gedreht: Ein unzufriedener weißgeschminkter Vampirdarsteller im Cape, der nach dem Ausbruch der Gremlins-Seuche seine Chance wittert und sich als Nachrichtensprecher einbringt, ist da noch einer der weniger auffälligen – und verrückten – Figuren. Ansonsten tummeln sich hier ein größenwahnsinniger Multimillionär, der sich für alles und jeden begeistern kann, solange es nur bedeutet, daß er seiner todlangweiligen Alltagsroutine entfliehen kann, eine sprunghafte Vorgesetzte, die Billy abwechselnd als Fußabtreter und möglichen Partner behandelt, und der herrlich selbstironische Christopher Lee als Karikatur eines durchgeknallten Wissenschaftlers, der sich sogar über Grippeviren aus dem vollgerotzten Taschentuch seiner Sekretärin freut.
Von der allgemeinen Hysterie bleibt nicht einmal die weibliche Hauptfigur Kate verschont, die beinahe unangemessen quirlig agiert, wenn man sie aus dem ersten Teil kennt. Ihre panische Reaktion auf das Wiedersehen mit Gizmo erscheint etwas fragwürdig, wenn man sich in Erinnerung ruft, daß sie dem kleinen Mogwai ja im Vorgänger durchaus noch wohlgesonnen war. Nur Billy bleibt der altbekannte gutmütige Billy ohne echte Ecken und Kanten, der sich über die Jahre nicht verändert hat, während beim immerzu nörgelnden und sich betrinkenden Griesgram Mr. Futterman (Dick Miller) ein Wandel zum Positiven erkennbar ist. Er hat sich in der Zwischenzeit fast zu einer Art väterlichem Freund für Billy und Kate entwickelt.
Neben Kates leichtem Charakterwandel sind generell die Verknüpfungen zum Vorgänger teilweise leicht unglücklich geraten, damit es schnell aufs Ganze gehen kann. So zieht etwa Billy aufgrund der bekannten gepfiffenen Melodie des Paketboten sofort die richtigen Schlüsse, daß Gizmo im Labor als Versuchstier lebt, obwohl es doch ein simpler Zufall sein kann. Elemente wie die zwischenzeitlich aufkeimende Eifersucht Kates auf Billys aufdringliche Chefin gehören auch zu den eher überflüssigen Momenten.
Dennoch kann man „Gremlins 2“ nicht hoch genug dafür loben, daß außer dem groben Handlungsgerüst eine völlig neue Geschichte erzählt wird, anstatt die Nummer-Sicher-Schiene zu fahren und das Original bloß zu kopieren. Geradezu köstlich wird es, wenn dann erst mit den Erwartungen gespielt wird, um sie anschließend zu untergraben: Als Kate zu einer weiteren tragischen Geschichte aus ihrer Kindheit ausholen möchte wie sechs Jahre zuvor (ihr Vater starb am Weihnachtsabend, als er sie als Santa Claus überraschen wollte), würgt Billy sie kurzerhand ab und sagt, dazu hätte man jetzt keine Zeit. Mittendrin durchbricht der Film sogar die vierte Wand und suggeriert einen irritierenden, durch die Gremlins verursachten Filmriß, dem man erst wieder Herr wird, als Hulk Hogan höchstpersönlich vom Platzanweiser darum gebeten wird, sie mit Drohgebärden und Geschrei wieder zur Ruhe zu bringen, damit der Film weitergehen kann. Zum Finale verwandelt sich dann auch noch Gizmo in einen Mini-Rambo, ganz stilecht mit Stirnband, wenn auch nur mit Pfeil (mit Marshmallow-Spitze) und Bogen, ehe sich alles in einem Über-Mega-Happy-End für quasi alle Beteiligten auflöst, wie es selbst in RomComs als zu unrealistisch angesehen werden würde. Ein weiteres Zeichen für die hemmungslose Verspieltheit, mit der hier zur Sache gegangen wird.
Letztlich sind es nur winzige Details, die „Gremlins 2“ nicht ganz auf eine Stufe mit dem Original heben, allen voran, daß er dessen Wärme nicht transportieren kann, es andererseits jedoch auch nicht will, weil ein anderer Ansatz gewählt wurde und ruhigen Charakterszenen kein Platz eingeräumt werden soll. Dies ist kein ernsthafter Kritikpunkt, sondern für mich einfach nur eine Gefühlssache. Insgesamt ist das Sequel eindeutig einer von Joe Dantes besten und vergnüglichsten Filmen, mit vielen treffsicheren Seitenhieben diesmal nicht auf das spießige Kleinbürgerleben, sondern auf die Medien- und Unterhaltungskultur, was Regisseur und der neue Drehbuchautor genauso gut beherrschen. Danke für diese Show! 8/10.