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Im Jahr 1984 gelang Joe Dante mit seiner Horrorkomödie Gremlins - Kleine Monster ein sprichwörtlicher Überraschungshit, ein verhältnismäßig geringes Budget von Knapp 11 Millionen Dollar führte alleine in Amerika zu einem Einspielergebnis von 148 Millionen Dollar. Einen großen Teil zu diesem Erfolg dürfte neben der geschickten Verknüpfung von Horrorelementen mit teilweise schwarzem, Klamauk artigen Humor auch die putzige Umsetzung des Mogwais Gizmo beigetragen haben, einem kleinen pelztierartigem, knuffigem Wesen, das sich  bei unsachgemäßer Behandlung vervielfältigt und aus dessen Sprösslingen dann letzten Endes die bösartigen, titelgebenden Gremlins Monster entstehen.

Nach Hollywoodlogik ist bei so einer Gewinnspanne eine Fortsetzung zwecks Folgeerträge natürlich unabdingbar, trotzdem dauerte es 6 Jahre, bis Joe Dante seine Gremlins erneut auf die Menschheit losließ, dies lag unter anderem auch an deutlichen Differenzen zwischen ihm und den Produzenten. Als die Fortsetzung Gremlins 2 - The new batch im Jahr 1990, trotz Budgetupgrade auf 50 Millionen, die Absatzzahlen des Erstlings mit nur noch 41 Millionen Dollar Einspiel in Amerika nicht annähernd erreichen konnte, führte Dante die lange Zeit zwischen Original und zweitem Teil als Hauptgrund für die finanzielle Enttäuschung an, eine durchaus nachvollziehbare These, denn die Kuh muss gemolken werden, solange sie noch Milch gibt, alles andere ist eine verpasste Gelegenheit.Dabei ist Dantes zweiter Streich in meinen Augen nicht unbedingt schlechter als das Original, die Ursprungsidee wird konsequent fortgesetzt unter Einhaltung der für Folgeteile typischen Umsetzungsformel Größer-Höher-Weiter. Der Schauplatz für die Gremlins Invasion wurde von der beschaulichen Kleinstadt Kingston Falls in einen Highttech-Bürogebäude Wolkenkratzer in New York verlegt, Billy Peltzer (Zach Galligan) und seine Freundin Kate Beringer (Phoebe Cates) arbeiten in dem sündhaft teuren Komplex des Multi-Milliardärs Daniel Clamp (Joe Foster) und durch einen Zufall entdeckt Billy, dass der Mogwai Gizmo, im hausinternen Labor für Tierversuche, gefangen gehalten wird. Billy befreit seinen alten Bekannten und ist fest davon überzeugt, die Regeln dieses Mal auch einzuhalten die da wären: 1. Setzte ihn keinem Sonnenlicht aus 2. Füttere Ihn niemals nach Mitternacht und 3. Er darf nicht nass werden, was wegen einem unglücklichen Zufall ad acta gelegt wird und die Übernahme des Clamp Centers durch die gefräßigen, zerstörungswütigen kleinen Monster nimmt ihren Lauf.

Nicht nur was die Anzahl der Gremlins angeht, auch die Menge und die Albernheit der zahlreichen Parodien sowie die geschickt platzierten Insiderjokes werden gegenüber dem Vorgänger merklich angehoben und mit einem fast schon gewollten, übertriebenen Absurdum eskaliert, dass hier nicht jeder Witz 100 % zündet, ist klar, letzten Endes kann aber der größte Teil der dargebotenen Scherze als gelungener Angriff auf die Lachmuskeln des Zuschauers eingestuft werden. Der Horroranteil wurde realistisch betrachtet nochmal ein Stück weit reduziert.  Die Gremlins unken, zerstören, wüten und kotzen nur so, dass es eine wahre Freude ist, eine primäre Fokussierung auf einen jugendfreien Terrorspaß ist also unverkennbar, Grenzen scheint es keine zu geben, selbst ein weiblicher Gremlin, der heiraten möchte ist hier zu sehen. Neben dem lustigen Treiben kommt auch der Filmkenner voll auf seine Kosten, bei genauerer Betrachtung bemerkt er dutzende Anspielungen auf reale Personen bzw. andere Filmklassiker, ob es jetzt der etwas verrückte Dr. Catheter (Christopher Lee) ist, der immer wieder an seine eigene Dracula Vergangenheit erinnert, oder unser Gizmo, der im TV Rambo II ansieht und als er in Bedrohung gerät, im wahrsten Sinne des Wortes mit Stirnband und Bogen zum Krieg wird, um diesen zu überleben, mit Absegnung von Stallone himself.Ein weiteres Lob verdienen sich die technisch bemerkenswert dargestellten Gremlins, die mit echten Puppen und toller Tricktechnik einerseits lustig, andererseits ekelerregend und ohne CGI realisiert wurden, etwas was man sich in heutiger Zeit gar nicht mehr vorstellen kann, hier hat Rick Baker, der sich für das grandiose Effektkino federführend verantwortlich zeigte, ganze Arbeit geleistet. Allgemein gesehen sticht das optische Erscheinungsbild mit ihrer Wertigkeit ins Auge, was man dem Film in jeder Minute ansieht. Anscheinend ist ein nicht unerheblicher Teil des Budgets in die handwerkliche einwandfreie Umsetzung geflossen, hier wurde wirklich alles andere als gegeizt, wobei zu hohe Kosten den Gewinn schmälern bzw. im schlimmsten Fall zu richtigen Verlusten führen können, wie Gremlins 2 leidvoll am Einspiel an den weltweiten Theaterkassen erfahren musste, was wohl auch der Grund sein dürfte, warum wir bis heute mit keiner weiteren Fortsetzung beglückt wurden.

Bei all dem Positiven hat Gremlins 2 aber meiner Meinung nach ein Problem und dieses ist als durchaus gewaltig zu bezeichnen, der Streifen hat so gut wie keine Story, keine Geschichte die irgendwie erzählt wird und auch keinen herausragenden Schauspieler, der den Film trägt. Gremlins 2 besteht ehrlich gesagt nur aus dem Chaos, was die kleinen Monster anrichten und dessen Bekämpfung, dies ist aus meiner Sicht etwas eintönig geraten und nach dem gefühlt 150 Gag mit Blödelanfall, hätte ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit vermutlich nicht geschadet. Nichtsdestotrotz bleibt festzuhalten, dass der bis jetzt letzte Auftritt der Gremlins immer wieder gerne den Weg in meine Heimkinoanlage findet, da er mit seinem aberwitzigen Humor auch einen nicht abstreitbaren Wiederunterhaltungswert besitzt, hätte er eine richtige Rahmenhandlung zu bieten, wäre eine deutlich bessere Bewertung möglich gewesen, so bleiben gute und unterhaltsame 7 von 10 Punkte mit Tendenz zur 8 übrig. 

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