Nicht selten werden die klassischen Märchengeschichten der Gebrüder Grimm in waschechte Horrorfilme umgewandelt. So geschehen auch bei „Red Riding Hood“, welcher sich öfter mal bei „Rotkäppchen“ bedient.
Wenn der eigene Vater vor laufender Kamera per Kopfschuss niedergestreckt wird, kann dies schon einen Knacks in der Psyche bei einem Kind verursachen. So geschehen bei Jenny. Nach dem Tod ihres Vaters ist ihre Mutter mit einem neuen Lover abgehauen, so lebt Jenny allein in Rom. Stur folgt sie den Idealen ihres Vaters. Gerechtigkeit, wer lügt ist ein Verbrecher und muss bestraft werden. Genau dies tut Jenny mit ihrem geheimnisvollen Freund George, der mit einer Wolfsmaske verhüllt Jenny begleitet und die tötet, die nach Ansicht Jennys Verbrecher und Lügner sind. Als Jennys Oma Rose das Sorgerecht bekommt, will sie Jenny mit in die USA nehmen. Doch Jenny kann das nicht zu lassen, es gibt noch zu viele Verbrecher in Rom, die beseitigt werden müssen. Ferner hat sich Jenny in ihren Privatlehrer verliebt, der zwar leugnet, eine Freundin zu haben, doch in Wirklichkeit doch eine hat. Auch so ein Lügner. Sie alle müssen von Jenny bestraft werden, und zwar drastisch...
Der italienische Giallo hatte nie den Anspruch, eine realistische Geschichte zu erzählen. Genau so verhält es sich auch bei „Red Riding Hood“, einen Giallo mit amerikanischen Zügen.
„Red Riding Hood“ erfindet das Genre nicht neu, dafür ist der Film einfach zu vorhersehbar und jeder Zuschauer weiß schon nach wenigen Minuten, wer die Figur George ist und wer da mordet. Dafür wurde der Film recht hübsch verpackt, wenn auch „Red Riding Hood“ einige Längen hat. Dafür überzeugen die Darsteller, was man bei so einem recht unbekannten und kleinen Film nicht unbedingt erwarten würde. Völlig überzeugend ist Susanna Satta in der Rolle der 12 jährigen Jenny. Anfangs noch recht sympathisch, entwickelt sie sich zu einer brutalen Psychopathin, die nicht mal Rücksicht auf die eigene Oma nimmt, die ebenfalls hervorragend von Kathleen Archebald verkörpert wird.
Die Gewalt spielt bei „Red Riding Hood“ eine zentrale Rolle. Sobald George von Jenny auf Verbrecher, Lügner usw. losgelassen wird, gibt es kein Halten mehr. Ob Messer, Nagepistole oder Schwert, alles wird gewinnbringend benutzt zum Leidwesen der Opfer. Zwar werden die Szenen nicht komplett ausgeschlachtet, doch ist die Härte für so einen Film recht beeindruckend und die Effekte sehen nicht mal schlecht aus. Hinzu kommen parallelen zu dem schon oben beschriebenen Märchen „Rotkäppchen“, aber selbst Filme wie „Misery“ werden zitiert. Diesmal ist kein Buchautor ans Bett gefesselt, sondern die Oma. Und damit diese nicht einfach weglaufen kann (reden kann sie kaum noch, da Jenny Omas Zunge mit Erdnussbutter eingeschmiert hat, auf welche diese allergisch reagiert), werden Jenny und George noch zu Hobbychirurgen und bohren Oma erst mal die Menisci steif. Der Film bietet einiges an kranken Ideen. Leider ist das Ende nicht allzu gut gelungen, auch wenn man sich schon vorher einiges denken kann. Dafür wird man aber sonst fast 90 Minuten sehr passabel unterhalten.
Fazit: „Red Riding Hood“ ist ein kleiner, recht unbekannter Giallo-Verschnitt mit hervorragenden Hauptdarstellern und recht brutalen Goreeffekten. Der Killer ist, wie man es gewohnt ist, kaum zu erkennen und führt mit Maske und roten(!!!) Handschuhen die blutigen Morde aus. Der drückt man auch mal ein Auge zu, dass der Film einige Längen und Schwächen hat, doch für so einen unbekannten Film sind die Leistungen gar nicht mal schlecht. Fans des Giallo-Genre werden sich amüsieren und dieses kleine Teufelsblag muss man einfach erlebt haben.