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Wir kennen es alle, das Märchen vom Rotkäppchen, dem liebevollen Mädchen, das seine Großmutter besucht und dort angekommen auf den großen, bösen Wolf stößt. Jedes Kind kennt und liebt diese Geschichte und schon viele Variationen hat es davon gegeben. Mit "Red Riding Hood" kriegen wir es nun mit einer ganz dunklen Version des Märchens zu tun, zumindest im weitesten Sinne. Herausgekommen ist dabei ein aktzeptabel unterhaltsames Slasherfilmchen (bzw. Giallo, der italienischen Machart dieses Genres), das gefallen kann.

"Red Riding Hood" erzählt die Geschichte von Jenny, die sich mit einem Mann in Wolfsmaske aufmacht, um seelisch bankrotten Menschen den Garaus zu machen. Diebe, Lügner und Betrüger, keiner hat vor der kleinen Göre und seinem merkwürdigem Kumpel Schutz. Doch eines Tages kommt die Großmutter und will ihre, von den Eltern verlassene, Enkelin mit nach New York nehmen. Doch so leicht läßt sich Jenny nicht von ihrem Tatendrang abringen und bringt selbst die Großmutter unter ihre Gewalt... Schon die Inhaltsangabe läßt vermuten, dass der Zuschauer es hier nicht mit einem handelsüblichen Horrorfilm zu tun bekommt. Nein, "Red Riding Hood" ist sogar mal ein Giallo von der kreativen Sorte. Er nimmt sich ein altbekanntes Märchen als nettes Umfeld und wandelt es so ab, dass der Horrorfreak nur so seine Freude daran haben kann. Wenn auch unterm Strich nur äußerst wenig vom eigentlichen "Rotkäppchen" übrig bleibt, so sind die Refernzen, die mitunter herrlich auf die Spitze getrieben werden, doch kaum zu übersehen. Vor allem aber die Idee, dass die Figur des ach so unschuldigen Mädchens mit dem bösen Wolf hier gemeinsame Sache macht, ist mehr als gelungen, auch wenn es hier kein Tier ist, was durch die Gegend metztelt, sondern eine Person im Wolfskostüm. Schräg, mitunter herrlich absurd, hier und da sogar versucht sozialkritisch und eben wirklich so richtig schön böse, dass ist "Red Riding Hood".

Dabei bietet der Film vor allem eine Mischung aus blutigem Horror und pechschwarzem Humor. Zum Schmunzeln regt der Streifen vor allem immer dann an, wenn Jenny ihre bösen Sprüche loßlässt, und sich die Gesetze des Miteinanders so zurecht dreht, wie sie es für richtig hält. Auch wenn es mitunter schon ein wirklich dreckiger Humor sein muss, den man haben sollte, um hier und da ins Schmunzeln zu geraten, so sind die Lacher doch spürbar gewollt.

Vielmehr Punkte gehen insgesamt aber dennoch auf die Seite des Horrorparts. Denn RRH ist nicht nur blutig, sondern auch schön atmosphärisch ausgefallen und bietet vor allem in seinen Nachtszenen so einiges an Gänsehaut. Dafür funktioniert die Ausleuchtung der Sets einfach prächtig und die Kameraführung schlägt mitunter einige wirklich unerwartete, aber mehr als passende Haken. Dazu natürlich die Zusammensetzung der einzelnen Farbkonstruktionen. Rote Handschuhe und rote Stiefel über dem sonst pechschwarzen Mantel gezogen, wirken halt doch irgendwie beängstigend gut. Dazu kommen dann noch die einfallsreichen und ebenfalls überzeugend abgefilmten Blutszenen, die die KJ-Freigabe mehr als gerechtfertigen und beim geneigten Publikum ebenfalls für Zustimmung sorgen dürften.

Ein weiteres Standbeim, zum gelingen dieses kleinen Films, ist dann aber noch Hauptdarstellerin Susanna Satta, die hier mit ihren jungen Jahren eine so eiskalte Performance ablegt, dass man ihr, nach Filmansicht, im wirklichen Leben nie mehr auf der Straße begegnen möchte. Egal ob es das schauderhafte Grinsen oder eben die wirklich beängstigend gute Interaktion ihrerseits, beim ausführen der wirklich bösen Taten der Hauptfigur ist, sie schafft es eine rundum gelungene Arbeit abzulegen, die man sich von Kinderdarstellern sonst nur wünschen kann. Aber auch der Rest des Casts geht soweit in Ordnung.

Fazit: Böse, Böser, Red Riding Hood. Die, laut DVD-Cover, "dunkle Seite von Rotkäppchen", entpuppt sich als gelungene italienische Slasher-Mär, die nicht nur mit einer atmosphärischen Inszenierung und blutigen Morden überzeugen kann, sondern diesesmal auch in Sachen Story so einige Ideen auf Lager hat. Dazu eine exzellente Hauptdarstellerin, die ihren bitterbösen Part wirklich exzellent zur Schau stellt. des weiteren einige pechschwarze Humorspitzen und der Giallofan dürfte wirklich rundum zufrieden sein. Bitte mehr davon!

Wertung: 7,5/10 Punkte

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