Review

Die fahrende Fata Morgana oder don't mess with black trucks!

Dieser im Grunde nicht wirkliche spezielle US-Slasher ist im Laufe der Jahre fast völlig in der Versenkung verschwunden; fristete ein Dasein auf Videonerd-Suchlisten und im Reich des Hörensagens.
Denn Mirage gibt es wirklich nicht an jeder Tankstelle, offiziell bekannt sind wohl nur die beiden seltenen Videofassungen aus GB und Norwegen. Warum sich eine so "junge" Produktion von 1990 so rar macht, bleibt ungeklärt. Eventuell hat die Produktionsfirma Pleite gemacht, ist der Film einfach schlecht vermarktet worden? Vielleicht war auch der Zeitpunkt einfach schlecht: die 80er-Slasher waren durch und der nächste Slasher-Hype Mitte der 90er ließ noch auf sich warten.
Was auch immer der Grund ist, Mirage ist wirklich kein schlechter Film, insbesondere im Slasher-Genre! (Habe ich jemals so oft das Wort Slasher eingetippt?)

Die story ist dabei absichtlich simpel konstruiert: Eine Gruppe von All-American-Hardbodies fährt raus in die Wüste um abzufeiern und sexuelle Offenheit zu demonstrieren. Doch anscheinend fühlt sich ein Sandmännchen in seiner Ruhe gestört! Es schmeisst seinen großen schwarzen Pick-Up Truck an und jagt die Teenies durch die Einöde. Immer bereit, eine Handgranate zu werfen oder die Vorfahrtsregeln zu mißachten!
Wie gesagt, wird nur die nötigste story aufgeboten, um den Killer ein bißchen Beute anzubieten. Es gibt noch einige nebensächliche Details (zwei der Sunnyboys sind Brüder und stehen auf die gleiche Ische usw.), das tut aber echt nix zur Sache. Hier gehts straight forward zum Finale, mit sehr gutem timing und einigen netten Füllszenen (die nunmal jeder Slasher hat/braucht).
Besagte Füllszenen sind hier solche, die ich gern "Emo-Szenen" nenne. Also "Charakter-Beobachtung" ohne Dialog & mit Musikuntermalung. Kamera und Schnitt sind insgesamt sehr ordentlich und die ungewöhnliche Wüsten-Location wird gut genutzt. Das die Schauspieler nicht wirklich erste Liga sind ist klar, und das wäre ja auch gar nicht nötig.

Abteilung Blut & Gedärm: Insgesamt recht zurückhaltend, aber wohldosiert! Die SFX sind auch "Resultats-Effekte", keine "Aktions-Effekte". Man sieht also immer das blutige Ergebnis, nicht die Handlung selbst. Das paßt aber zum recht entspannten Grundton des Films und ist nicht weiter tragisch.

Natürlich zeigt Mirage Parallelen zu einigen "Verrückter KFZ-Führer jagt andere Verkehrsteilnehmer"-Klassikern, beschränkt sich aber nicht darauf. Ein netter kleiner Streifen, gesegnet mit der Naivität der beendeten 80er und der nötigen Selbstironie (eine dumme Silikontitten-Alte findet eine Nachricht des Mörders, in der allen mit dem Tod gedroht wird. Sie liest die Nachricht vor und kommentiert den Inhalt mit "Oh."!). Ein erquickendes Maß an Spannung ist auch noch drin! Sollte wirklich mal ausgegraben werden, das Teil! 7/10

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