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Wenn es um sexuell konnotierte, leicht skandalöse Themen ging, da war Adrian Lyne Ende der 80er und Anfang der 90er der Regisseur, dem man sie übergab, so auch die Mär vom folgenreichen Seitensprung in „Eine verhängnisvolle Affäre“.
Dan Gallagher (Michael Douglas) ist Anwalt und hat alles, was er sich wünschen kann: Einen Job mit Zukunft, eine ihn liebende Ehefrau und eine gesunde sechsjährige Tochter. Doch er lernt die Lektorin Alex Forrest (Glenn Close) kennen, hat auch geschäftlich mit ihr zu tun und an einem Wochenende, an dem Frau und Kind fort sind, lässt er sich zu einer kurzen Affäre mit ihr hinreißen. Bis hierhin ist alles beinahe alltäglich, auch der Seitensprung wird von Dan als zeitlich begrenztes Vergnügen angesehen, was auch beiden klar sein sollte.
Doch Alex sieht dies nicht so und schneidet sich die Pulsadern auf, als Dan die Wohnung verlassen will. Dan versorgt sie, beendet die Affäre aber trotzdem. Alex gibt aber nicht so leicht auf und will Dan an sich binden...

„Eine verhängnisvolle Affäre“ wurde für sechs Oscars nominiert und zog ähnliche Filme nach sich, in denen Psychopathen eine Familie infiltrieren wollen, z.B. als Untermieter („Fremde Schatten“), als Kindermädchen („Die Hand an der Wiege“) oder als Freund der Tochter („Fear – Wenn Liebe Angst macht“). Während dort jedoch die Familienwerte von Außenseitern bedroht wurden, gab Joseph Rubens gelungener B-Thriller „The Stepfather“ einem ähnlich gelagerten Plot noch eine schwarzhumorige Note: Ausgerechnet der psychopathische Stiefvater pocht auf besonders konservative Familienideale.
„Eine verhängnisvolle Affäre“ erzählt seine Geschichte dabei langsam, aber stetig mit langsamer Steigerung. Anfangs versucht Alex noch mit Anrufen Kontakt herzustellen, was später zu Telefonterror, Erpressungsversuchen und ähnlichen Verzweiflungstaten wird. Dabei lässt sich Lynes Film Zeit seinen Spannungsbogen effektiv aufzubauen und kann trotz des gemächlichen Tempos fesseln. Realistisch sieht man Alex’ langsamen Abstieg zur zunehmend gefährlicheren Psychopathin und Dans immer verzweifeltere Versuche heil aus der Sache rauszukommen (und es nach Möglichkeit nicht der Frau erzählen zu müssen).
Das Ganze kulminiert dann in einem spannenden Finale, das von Lyne sehr effektvoll und spannend inszeniert ist. Natürlich ist die Chose etwas klischeehaft geraten (Eheleute raufen sich im Angesicht der Gefahr wieder zusammen, scheinbar Tote stehen immer noch einmal auf) und das Ende mit dickem Zoom auf das Familienfoto hätte auch nicht sein müssen, doch schweißtreibend und spannend ist der Showdown dennoch.

Jedoch hat „Eine verhängnisvolle Affäre“ mit der einen oder anderen Detailschwäche zu kämpfen. Zum einen hätte man den Film trotz des überzeugenden Spannungsbogens hier und da mal etwas kürzer fassen können, während einige Aspekte leider etwas sehr kurz abgehandelt werden. Da wäre zum einen die Frage, ob Alex wirklich schwanger ist oder es nur extrem gut für Dan inszeniert, denn wirklich bewiesen wird es nicht. Auch der Ehekrach, als Dan irgendwann gezwungen ist den Fehltritt zu beichten, ist doch überraschend schnell wieder gelöst, dafür dass „Eine verhängnisvolle Affäre“ anderes so extrem detailliert porträtiert.
Michael Douglas gibt mal wieder äußerlich unterkühlten, aber sexuell aktiven Hauptcharakter und entspricht damit seinem Image voll und ganz, aber das macht er sehr überzeugend. Großartiger Support an seiner Seite ist Anne Archer, auch wenn sie etwas wenig Screentime hat. Demgegenüber steht Glenn Close, welche die Psychopathin wirklich großartig verkörpert: Langsam wandelt sie sich von Dans netter Bekanntschaft zur immer rabiateren Akteurin, die vor kaum etwas zurückschreckt.

„Eine verhängnisvolle Affäre“ hat so seine Macken, doch Adrian Lyne ist sein (neben „Jacob’s Ladder“) wohl bester Film gelungen: Langsam, aber konsequent erzählt, ziemlich spannend und durchaus realistisch gehalten – so darf Thrillerkino gerne aussehen.

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