Nach dem Abschmelzen der Polkappen und der anschließenden Überflutung einiger Gebiete sind die sozialen Disparitäten eklatanter denn je. Während die Mehrheit der Überlebenden in größter Armut ihr Dasein fristet, schafft es die elitäre Minderheit, einen hohen Lebensstandard aufrecht zu erhalten,
erschwert jedoch die Möglichkeit, ein eigenes Kind zu haben, um die menschlichen Verluste bei einer erneuten Katastrophe gering zu halten. Stattdessen werden Mecha produziert; Roboter mit einer künstlichen Intelligenz, die den Platz des Menschen in der Gesellschaft ausfüllen sollen.
Das Paar Monica und Henry Swinton ergreift deshalb die Möglichkeit, David, einen Mecha mit Rückgaberecht, der einen 11jährigen Jungen abbildet, zu erwerben, um den Verlust ihres leiblichen Sohnes zu kompensieren. Nach seiner Aktivierung ist David fähig, ehrliche Liebe zu empfinden. Nach der Rückkehr des todgeweihten Sohnes und einiger Missverständnisse, ist aber für David kein Platz mehr und man entledigt sich seiner.
Angetrieben durch die Liebe zu seiner „Mutter“ Monica und von der fixen Idee besessen, die „blaue Fee“ aus dem Märchen Pinocchio könne ihm helfen, ein echter Junge zu werden, macht er sich, begleitet von seinem Bären „Teddy“, einem hochintelligenten Spielzeug, auf die Suche nach ihr. Seinen Weg beschreitet David aber nicht ohne Hindernisse, so entkommt er nur knapp einem menschen…, pardon maschinenverachtendem Verschrottungszeremoniell von narzisstischen Mecha-Gegnern, die in deren Produktion und Emanzipation einen Affront gegen den Menschen verstehen und diese ohne ethische Bedenken vernichten. Hier lernt er Gigolo Joe kennen, der sich mehr Gedanken über seine Existenz macht, als es seine lächerliche und oberflächliche Callboy-Fassade zunächst vermuten lassen. Zusammen nimmt das künstliche Dreigestirn seinen Weg nach Manhattan auf, wo die „blaue Fee“ zu sein scheint...
A.I. - KÜNSTLICHE INTELLIGENZ wirft die moralische Frage auf, ob etwas allein zu dem Zweck erschaffen werden darf, um das Bedürfnis, geliebt und gebraucht zu werden, zu befriedigen? Im Film wird diese Frage von Professor Hobby mit einem biblischen Bezug gerechtfertigt. So stellt er die These auf, Gott habe Adam, also den Menschen erschaffen, um von ihm geliebt zu werden; aber sollte der Mensch Gott spielen?
Eine Rhetorik, die Spielberg nutzt, um damit auch zynische Kritik an der Wegwerfgesellschaft zu üben. Wenn einem etwas überdrüssig ist, entsorgt man es, ohne jemandem Rechenschaft abzulegen, so wie eine Gottesfigur keinen Rechtfertigungszwang kennt.
Der Film beschäftigt sich auch mit der anthropologische Frage, was den Menschen zu dem macht, was er ist und ihn von Tieren und anderen, auch künstlichen Organismen, abgrenzt. David hat einen eigenen Willen, Ehrgeiz, Leidenschaft, hat also ein menschliches Wesen, lediglich das biologische fehlt ihm.
Im Schlussakt gleitet A.I. - KÜNSTLICHE INTELLIGENZ eine Nuance zu sehr ins Phantastische ab und erinnert in seiner nebulösen und rätselhaften Art sowie seiner visuellen Präsentation zunächst an Stanley Kubricks Science-Fiction-Oper 2001-ODYSSEE IM WELTRAUM, erreicht aber nicht dessen eleusinische Mystik und Polyvalenz, da dem cineastischen Aufklärungszwang nicht unabhängiger Filme mit letzter Konsequenz entsprochen wurde.
A.I. - KÜNSTLICHE INTELLIGENZ ist darstellerisch überzeugend, da Osments Schauspielkunst vor allem durch seine dezente und gleichzeitig aussagekräftige Mimik voll zur Geltung kommt. Es handelt sich um ein modernes Märchen, das sich mit Hilfe dialektischer Methodik an philosophische Grundprobleme wagt und deshalb einen gewissen Reiz hat, aber an den einschnürenden Auflagen des Mainstreamkinos krankt.