Stanley Kubrick wollte schon zu Lebzeiten Steven Spielberg mit der Umsetzung seiner Idee zu „A.I. – Artificial Intelligence“ beauftragen und so war diese Regiearbeit für Spielberg nach dem Tod Kubricks Ehrensache.
In der Zukunft ist die Erde verwüstet und die Industriestaaten haben zur Erhaltung des Wohlstandes das Kinderkriegen reglementiert. Aber in anderen Bereichen ist das Leben angenehmer geworden, denn man hat viele Aufgaben an Mechas („A.I.“ vermeidet das Wort Roboter) delegiert: Spielzeuge, Gigolos, Kindermädchen usw. Doch das neueste Projekt ist ein Mecha-Kind, das sogar echte Liebe für seine Eltern fühlen soll. Damit präsentiert „A.I.“ seine Version von Zukunft; wirklich neu ist das Ganze nicht, aber optisch nett umgesetzt.
Als Testobjekt geht David (Haley Joel Osment) vom Stapel, der dem Konzernmitarbeiter Henry Swinton (Sam Robards) und seiner Frau Monica (Henry Swinton) anvertraut wird, da ihr Sohn im Koma liegt. Anfangs ist Monica von der Idee eines Ersatzkindes erschreckt, doch dann empfindet sie Zuneigung und aktiviert die Liebe des Mechas durch einen Code. Leider ist der Aufbau einer Beziehung zwischen Menschen und Mecha trotz viel Zeitaufwand nicht allzu glaubwürdig: Anfangs ist das Robo-Balg den Eltern noch ungefähr so geheuer wie der untote Fratz am Ende von „Friedhof der Kuscheltiere“, doch als er beim Abendessen auf einmal unmotiviert lacht, sodass Mami vor Schreck fast tot in den Nudelteller kippt, da beginnt die Zuneigung.
Doch dann erwacht Martin (Jake Thomas), der leibliche Sohn der Swintons, aus dem Koma. Das intrigante Balg kann sich nicht so recht mit dem synthetischen Bruder abfinden, es kommt zu einer Reihe von unglücklichen Ereignissen, an dessen Ende die Swintons beschließen David verschrotten zu lassen. Doch Monica hat dann doch noch Erbarmen und setzt David nur aus – der daraufhin ziellos umherirrt und auf nur irgendeine Weise wieder die Liebe seiner Mutter erlangen möchte…
Sicherlich ist „A.I.“ ein ungewöhnlicher Beitrag zum Sci-Fi-Genre, aber nicht unbedingt ein gelungener. Der Film ist aber immerhin überraschend gefühlvoll gemacht und vermeidet den Kitsch, der bei einem derartigen Thema schnell kommen kann (vor allem der Trailer im Kino ließ ja das Schlimmste befürchten). Stattdessen geht der Film zu Herzen (allein Teddy is superknuffig), auch wenn der Plot so seine Schwächen hat. Optisch kann man allerdings nicht viel an dem Streifen meckern, denn die Zukunft wird mit phantasievollen Locations und sehr guten Computereffekten zum Leben erweckt.
Doch neben der visuellen Brillanz tun sich inhaltlich doch ein paar Abgründe auf. Vor allem die Anfangsphase ist doch sehr langatmig und nicht immer überzeugend geraten. Dabei ist der Plot auch etwas episodenhaft geraten, wobei jede einzelne Station immer wieder einen Aspekt des fühlenden Roboters und den Umgang der Menschen mit etwas derartigem behandelt. Als roter Faden zieht sich das Motiv des Pinocchio durch die Geschichte, wobei der Film dieses Motiv immer sehr konsequent behandelt. Doch leider schwanken die einzelnen Stationen von Davids Odyssee qualitativ sehr stark.
Sehr gelungen ist sein Aufeinandertreffen mit einer Gruppe Mecha-hassender Fanatiker in Analogie zum Ku-Klux-Klan, die David und andere Mechas spektakulär verschrotten wollen. Dies ist nicht nur ein sehr gutes Statement für Toleranz, sondern bietet viel fürs Auge (die phantasievoll gestalteten Mecha-Jäger, das Fleischfest usw.). Hier darf dann auch Gigolo Joe (Jude Law) ins Spiel kommen, der allerdings seltsam wenig Funktion innerhalb der Story hat.
Darauf wird die Odyssee dann etwas schwächer, bleibt aber solide und man beschäftigt sich hier auch mit den Hintergründen von Davids Fertigung, z.B. erfährt man mehr über seinen Schöpfer Professor Hobby (William Hurt). Nach der Blaue-Fee-Szene könnte der Film dann auch enden und wäre durchaus solide, aber stattdessen kommen noch total beknackte 25 Minuten zum Schluss, die philosophisch sein wollen, aber recht lächerlich wirken. Ich will keine Details verraten, aber dieses Nachspiel ist komplett sinnlos und soll stellenweise wohl auf die Tränendrüse drücken (auch wenn dies durchaus zu Herzen geht).
Die schauspielerischen Leistungen sind aber top, vor allem Haley Joel Osment, seit „The Sixth Sense“ quasi die Allzweckwaffe unter den Kinderdarstellern, agiert hier mit Bravour und spielt alle anderen an die Wand. Aber auch Jude Law als wackerer Springinsfeld und William Hurt als visionärer Unternehmer brauchen sich nicht zu verstecken und die Nebendarsteller sind ebenfalls sehr gut.
Letzten Endes kann man „A.I.“ trotz der Quasi-Kombo Spielberg/Kubrick als gescheitert betrachten – aber auf hohem Niveau und mit einigen gelungenen Momenten, sodass das Ergebnis immerhin noch guter Durchschnitt ist.