Der beste Western aller Zeiten und gleichzeitig einer der besten Filme überhaupt.
Zwei glorreiche Halunken ist - in seiner ursprünglichen Fassung - Leones längster Film mit drei-einhalb Stunden Laufzeit, jedoch ist es mittlerweile anscheinend nicht mehr möglich, diese ursprüngliche Fassung zu rekonstruieren, auch die Gold Edition auf DVD, der längste erhältliche Cut, ist gut eine halbe Stunde kürzer als die ursprünglich gedrehte. Auch sonst bietet meines Erachtens jene DVD zu wenig für so einen Meilenstein des Films.
Nun aber zum Film an sich: Drei Halunken (nicht zwei! Daher auch der eigentliche Titel des Films) sind auf der Jagd nach einem Schatz inmitten des amerikanischen Bürgerkrieges. Eastwood ist der "Namenlose" Blonde, Wallach ist Tuco und van Cleef ist der Oberschurke Sentenza. Jeder der drei Figuren ist ein Killer und relativ gewissenlos, jeder von ihnen ist aber auch von den jeweils anderen abhängig, weil jeder nur ein Bruchteil der Informationen hat. So entwickelt sich ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel, was den Film von einem furiosen Showdown in den nächsten führt, immer aberwitzigere Ideen seitens der Regie und mächtig gut gelaunte Schauspieler lassen niemals auch nur eine Sekunde Langeweile aufkommen.
Als es dann schließlich zum großen Shootout kommt, ist der kleine Junge in uns allen wieder zum Leben erwacht und man kommt gar nicht mehr aus dem Sabbern heraus.
Der Film wird hauptsächlich von Tuco getragen, er ist Dreh- und Angelpunkt des Films. Er ist zwar ein menschliches Monster, der es sogar bei seiner Familie verschissen hat, aber Leone weiss ihn richtig gut in Szene zu setzen, so dass das Publikum ihn einfach ins Herz schließen muß. So macht es beispielsweise einen unheimlichen Spaß, ihm zuzusehen wie er den Blonden durch die Wüste hetzt und statt ihm auch nur ein Tropfen Wasser zu geben, sich selbst die Füße damit wäscht. Er ist die Identifikationsfigur im Film, man ist sozusagen beim Zuschauen Tuco.
Sein Gegenpol ist der Blonde. Trotz der 3 Stunden Laufzeit erfährt man nichts über ihn, er ist einfach nur cool, vielleicht - so der Eindruck, dem man immer mehr erliegt - hätte er unter anderen Umständen etwas anderes mit seinem Leben angefangen, wenn er zum Beispiel mit sterbenden Soldaten Mitleid hat. Dennoch, er ist die Figur im Film, die jeder sein möchte. und das obwohl er ja (ich zitiere mal Tuco) bekanntlich der "Sohn einer gottverdammten ...." ist.
Schließlich Sentenza: Er ist fast genauso cool wie der Blonde, nur böser, gemeiner, fieser. Er ist derjenige, der das Spiel von Tuco und dem Blonden immer wieder durcheinanderwirbelt. Und das ist auch gut so. Denn er ist die Figur, die wir lieben zu hassen.
Leone versteht es hier in diesem Film zum letzten Mal, eine unglaubliche Leichtigkeit zu erzeugen, alle seine folgenden Filme haben die Schwere und Bürde eines künftigen Meisterwerkes zu (er)tragen, dieser hier ist einfach nur der krönende Abschluß der Dollar-Trilogie. Und das obwohl hier schon wesentliche Bestandteile seiner zu jenem Zeitpunkt noch zu folgenden Amerika-Trilogie durchscheinen: Kritik am Umgang der Nation mit seiner Jugend, der sinnlose Verschleiß an menschenmaterial im Krieg, die Gesellschaft an sich ist hier schon verroht. Es ist zwar noch eine junge Nation, aber längst nicht mehr unschuldig. Trotz vieler solcher Zwischenschnitte der Ernstahftigkeit gelingt es Leone dennoch, dem Film seine sarkastische, lustige Note behalten zu lassen. Ungleich späteren Filmen, weicht er hier nie ins makabre oder zynische aus. Es macht von anfang bis Ende einfach nur Spaß, diesem Vergnügen zu folgen.
Noch vor "Spiel mir das Lied vom Tod" macht sich Morricone mit seiner Musik hier schon unsterblich, die aufpeitschende Musik zu jedem fast minütlichen Showdown ist genial. Und eigentlich verdient er mehr Platz als nur die paar zeilen hier, aber das werden, denke ich andere Reviews statt meiner würdigen.
Die eingesetzten Großaufnahmen von Gesichtern mit dem stetigen Wechsel von Panoramaaufnahmen tun ihr übriges, ein unvergessenes Ereignis gesehen zu haben.
Dass Leone sein Publikum storytechnisch verarscht, fällt hierbei den wenigsten Zuschauern auf, und selbst dann ist es uns egal: So wird beispielsweise im finalen Showdown - dem größten Shootout der Westerngeschichte - durch Benutzung oben erwähnter Stilmittel (Musik und Schnitt) eine Spannung vermittelt, die es so nie hätte geben dürfen: Tucos Waffe sei hier nur mal als Hinweis eingestreut!
Solche falschen Fährten setzt Leone unzählige Male und hat sichtlich Spaß daran, den Zuschauer zu foppen. Das ist auch in Ordnung so, denn das Publikum dankt es ihm auch.
Obwohl die Besetzung nicht Leones Idealbesetzung war, ist es die beste Besetzung, die ein Leone-Western wohl je hatte.
Alles an diesem Film ist perfekt, und ungeachtet dessen, was viele Leute behaupten, halte ich diesen Film für den König unter den Italo-Western, und nicht "Spiel mir das Lied vom Tod", denn "Zwei Glorreiche Halunken" ist nun mal der absolute König unter allen Western.
10 Punkte