Review

Mit "The Good, the Bad and the Ugly" ( auf den vollkommen deplazierten und faktisch gänzlich sinnlosen deutschen Titel "Zwei Glorreiche Halunken" möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter eingehen ) vollendet der italienische Regisseur und Begründer des Italowesterns Sergio Leone seine lose sogenannte "Dollar - Trilogie", deren dritten Teil dieser Film von 1966/67 nach "A Fistful of Dollars" und "For a few Dollars more" markiert.

Und dieser Streifen manifestiert sich als König des Italo-Westerns, als besten Western nach Leones vollendetem Werk "Spiel mir das Lied vom Tod" überhaupt und gleichzeitig auch als einer der besten jemals gedrehten Filme überhaupt: Er ist lang, er ist episch, er ist bestens besetzt, er hat einen wegweisenden Soundtrack, und, und, und, kurz: er ist einfach genial.

Leone vereinte mit Clint Eastwood ( "The Good" ), der erneut seine Paraderolle des "namenlosen Fremden" ( hier ironisch "Blonder" genannt ) aufnimmt, und Lee Van Cleef ( "The Bad" ), der mit namensgebenden "Angel Eyes" einen abstoßend harten Kopfgeldjäger namens Sentenza mimt und nicht mehr so sympathisch wie beim Vorgänger 'rüberkommt, den Cast von "Für ein paar Dollar mehr" und ergänzt ihn in einer geniestreichartigen Besetzung um Eli Wallach ( "The Ugly" ), der in umwerfender Art den hektischen, mordenden, aber irgendwie witzig-sympathischen Tuco verkörpert. Alle drei machen ihre Sache, genau wie der Rest des Casts, ausgezeichnet.

Die Story rankt sich um die Suche der drei ( mit verschiedenen, wechselnden "Partnerschaften" bzw. zeitweisen Kooperationen ) nach einem verlorenen Armeeschatz. Dabei führt Regisseur Leone den Zuschauer an der Seite der drei Protagonisten in einer Inszenierung von epischer Breite durch sämtliche Westerncharakteristika, von der Geisterstadt und der Wüste über ein Kloster und ein Gefangenenlager bis hin zu einer gewaltig inszenierten Episode des US-amerikanischen Bürgerkriegs, die angelehnt ist an die Grabenschlachtenszenerien des I. Weltkriegs.

Die unzähligen zynischen, ironischen, traurigen, spannenden Elemente, von der Blondie/Tuco - Galgennummer über den verkrüppelten Tuco-Schützen, die Gefangenenlagersequenz und die bewegende Szene des Armeeoffiziers, der erst stirbt, als er den erlösenden Klang der erwarteten Brückensprengung vernimmt, bis hin zum Moment, als Eastwood den sterbenden Soldaten zudeckt und den obligatorischen Poncho überstreift, alles passt perfekt.

Wiedereinmal selbst übertroffen hat sich Komponist Ennio Morricone, der neben den gleich noch zu erwähnenden Stücken eine geniale, schon lange zum Kultstatus avancierte Titelmelodie und mehrere melancholische Gefangenenchöre zur vollendeten musikalischen Untermalung des Epos entwickelte.

Wegweisend und unübertroffen ist natürlich der Showdown, mit dem sich nur noch das ( inszenatorisch mit etwas anderer Tendenz komponierte, aber ebenso geniale ) Ende von "Spiel mir das Lied vom Tod" messen kann:
Er beginnt mit einer visionären Sequenz, in der Tuco minutenlang zu epischer Morricone-Musik, mit der bereits klassischen textlosen Frauenstimmen-Unterlegung der Melodie, auf der Suche nach dem passenden Grab über einen riesigen Soldatenfriedhof rennt. Vor der Auflösung der "Grab von Arch Stanton" -Pointe folgt darauf noch ein, sorry wegen der erneuten Superlative, bombastisch - episches Endduell der drei Protagonisten mit unerreichter Morricone - Musikuntermalung, in welchem Leone uns minutenlang nur die drei sich gegenüberstehenden Gegner aus verschiedenen Perspektiven, mal in der Totalen, mal mit extremen Close-Ups von Händen, Holstern, Gesichtern und Augen zeigt: Bahnbrechend!

Alles in allem ist dieses vollendete Westernepos also neben den anderen Leone/Eastwood-Streifen und Ausnahmefilmen wie "The Wild Bunch" und "Keoma" sicherlich der beste Western überhaupt und knapp hinter "Spiel mir das Lied vom Tod" auch einer der besten Filme aller Zeiten!

Details
Ähnliche Filme