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Mit „Alien“ und „Blade Runner“ hatte Ridley Scott zwei Klassiker im Sci-Fi-Genre geschaffen, „Legende“, sein Ausflug in die Fantasy, war hingegen kein solcher Erfolg beschert.
In einem bewaldeten, bunten Märchenland sinnt der Fürst der Finsternis (Tim Curry) darauf die Macht an sich zu reißen und nur Einhörner können ihm gefährlich werden. Also werden drei kleinwüchsige Handlanger losgeschickt, um die verbliebenen zwei Stück abzuservieren. Damit wird schnell erkenntlich, dass Scott hier keine reinrassige Fantasy heranzüchtet, sondern gleichzeitig noch ordentlich im Märchenwald wildert.
Kontakt zu den Einhörnern schaffen kann der Waldjunge Jack (Tom Cruise), der die Tiere seiner Liebsten, der Prinzessin Lily (Mia Sara), zeigt. In dem Moment erlegen die Fieslinge eins der Einhörner. Das Duo beschließt das verbliebene Tier zu retten...

„Legende“ gehört zu den deutlich ungeliebteren Filmen Ridley Scotts – und das mit recht. Das Fantasymärchen ist ziemlicher Edelkitsch, der ohne Scotts Regie vermutlich noch schwächer ausgefallen wäre. Scott kann nämlich immerhin mit seinem Gespür für Optik punkten und serviert einige wunderbare Bilder, u.a. ein paar fantastisch fotografierte Unterwasserszenen, in denen Jack nach dem Ring der Prinzessin taucht.
Der schnieken Optik steht dann ein Drehbuch entgegen, dass im Director’s Cut fast zwei Stunden vor sich hindümpelt (die rund 90minütige Kinofassung ist aber weder besser noch schlechter). Mit Minischritten nähert sich Jack dem Schloss des Übelwichts an, sammelt dabei noch ein paar feixende Weggefährten, darunter einen Waldgeist in Blagenform, auf, um dann irgendwann da anzukommen und dort immer noch ewig zu brauchen bis es dann mal zum Showdown kommt, der aber auch niemanden wirklich vom Hocker reißt.
Schauwerte hat „Legende“ nämlich (von den beeindruckenden Bildern mal abgesehen) kaum zu bieten. Man hat zwar den erstklassigen Stunt Coordinator Vic Armstrong an Bord, aber der ist gnadenlos unterbeschäftigt, einzig und allein eine kurze Auseinandersetzung mit den Schergen des Teufels lässt sein Können erahnen. Doch ansonsten verwendet „Legende“ Unmengen von Zeit darauf die wirklich gekonnt gebastelten Sets abzufilmen, für wirklich Spektakuläres ist kein Platz mehr.

Immerhin recht phantasievoll ist das Design der Kreaturen, wenngleich sich Scott hier sehr kindgerecht gibt: Die kleinwüchsigen Übelwichte, die ausgesandt werden, können Menschen kaum gefährlich werden und der Teufel ist halt das knallrote Klischeebild, die jedes Kind von dieser Monstrosität vor Augen hat. Kindgerecht fängt die Prinzessin zwischendrin auch unmotiviert an zu singen (der Disneyfilm lässt grüßen) und beim Humor sind auch meist kindische Gags dominant (z.B. wenn sich Jacks Gnomenhelfer ach so putzig trottelig anstellen).
Tom Cruise spielt hier noch die eindimensionale Grinsebacke und kann schauspielerisch überhaupt nicht punkten. Mia Sara als Prinzessin ist OK, aber auch nicht preisverdächtig, Tim Curry als Teufel ist unter Zentnern von Make-Up immer noch recht charismatisch. Ansonsten bleibt die Besetzung größtenteils unauffällig, nur die Kinderdarsteller der Waldgeistes und seines Lichtwesens fallen nervend auf.

Optisch ist „Legende“ eine Wucht, das muss man Ridley Scott lassen, inhaltlich jedoch belanglos und übertrieben kindgerecht (auch wenn es ein Märchen ist). Keine Spannung, wenige Schauwerte abseits von Setdesign und Inszenierung, da ist für „Legende“ dann gerade noch so das Mittelmaß drin.

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