Mal wieder einen so richtig schlechten Film sehen?
Hunderprozentig flopmäßig, saumies und unterste Schublade?
Dann aber keine billige Videopremiere, da ist sowas zu einfach.
Versuchts doch mal mit "Der Eroberer", eine sauteure John-Wayne-Produktion, die trotz seiner tausend Macken noch ein Kassenknüller wurde. Denn der eröffnet dem Spaß am Schlechten eine neue Dimension.
Also zunächst mal: Kann sich jemand John "The Duke" Wayne als Mongole vorstellen?
Nein?
Schön, denn so sieht er hier auch nicht aus. Zwar hat er sich einen spitzen Schnurrbart verpassen lassen, "asiatische" Augenbrauen und leicht geschlitzt schaut er auch aus (incl. Haarfärbung), doch trotzdem bleibt der Gesichtsausdruck dem Wunsche nahe, gleich mal vor den Saloon zu rotzen, wenn in der Pampa einer rumstände. Da Wayne den Film auch als "Western im Osten" ansah und anging, wird es niemanden wundern, wenn The Duke hier reitet wie am Missouri und nölt wie in Dodge City. Schade, daß mir hier die Originalfassung entgangen ist.
Überhaupt sind echte Mongolen hier nur kurz als Statisten zu sehen, die stehen blöd rum und gucken emotionslos Wayne beim Laut-Ansagen zu, als würde sie das nicht interessieren (was es vermutlich auch nicht tut, denn sie haben es vermutlich eh nicht verstanden). Dementsprechend katastrophal ist das Casting dieses Films. Weil die Asiaten diesen Schrott nämlich nicht mitgemacht hätten, wurden mal eben südländisch aussehende Schauspieler angeworben, die konnte man noch am ehesten "umwandeln". So reiten denn hier auch ein Ur-Amerikaner (Wayne) und ein Mexikaner (Armendariz) als Blutsbrüder Seite an Seite.
Den Vogel abschießen tut natürlich Susan Hayward als Bortai, die Tartarentochter. Nur hat man sich gar nicht die Mühe gemacht, da etwas zu asiatisieren und so sieht die Hayward eben wie halbverruchte, schön arrogante Barschlampe in teuren Kleidern aus. Wenn sie in der ersten Szene sich auf ihrem pelzausgeschmückten Divan im Wüstenwagen vor Rückprojektion räkelt, dann weiß man, hier feiert der Realismus Triumphe. Überhaupt zieht einem ihre Garderobe die Socken aus, die paßt so gut in die Mongolei, wie Dirndl in den Weltraum.
Und was haut sonst noch rein? Jegliche schauspielerische Bemühung zum Beispiel. Allerdings verlangt das Drehbuch auch überhaupt nichts historisch Verbürgbares. Leider geht es in erster Linie dem wackeren Temuzin-Wayne darum, mit seinem lange aufgeschobenen Feldzug die widerstrebende Else zu beeindrucken. Nur war es schon immer höhlenmenschenmäßig, wenn Wayne auf Romantik machte und hier fehlt nur noch die Keule. Das Gezuppel mit der Widerborstigen dauert zwei Filmdrittel, ehe sie sich endlich für eines der yakfressenden Idioten (eben Wayne) entscheidet. Vorher wird aber noch reichlich Intrigen gesponnen und die Steppe plattgeritten mit ein paar Speergefechten mittendrin.
Und wer gut aufpaßt, dem entgehen nicht die Momente der Wahrheit, die diesen Film zu einem Juwel machen:
Wayne in höchster Verzweiflung auf einen Berg steigend und die Götter um Beistand anflehend. Ein Kriegsgefecht, in dem zwei Seiten aufeinander zureiten und nacheinander die erste Reihe formvollendet stürzt, ohne daß auf einer Seite Pfeile abgeschossen worden wären. Wayne, der der Hayward mit einem Ruck das Kleid entsorgt, auf daß sie wie der kahle August in der Wüste sitzt. Der Schamane, der aussieht wie ein ausgebleichter Sarottimohr. Der Khan, den man komplett aus dem "Dieb von Bagdad" geklaut hat. Wayne, dessen Liebeserklärung an Hayward (nachdem die ihn erstechen wollte) lautet: "Du bist wunderbar in deinem Zorn" und das in einer elchartigen Leidenschaft. Schwertstiche, die immer an dieselbe Stelle gehen. Und als besonderes Leckerli die vollkommen sinnlos eingeschobene Tänzerinnensequenz, eine Mischung aus Las-Vegas-Ballett, Stripshow und Cheerleadergehüpfe, ausgeführt in ein paar Modefetzen, die ich gerade noch Sindbad zugetraut hätte.
Traurige Berühmtheit erlangte der Film noch durch die Locationwahl Utah, wo ein radioaktives Gebiet tagelang Drehort war und die halbe Besetzung und Produktion damit innerhalb der nächsten zwanzig Jahre zum Tode verurteilte (auch Wayne und Armendariz).
Wayne gewann jedenfalls den "Golden Turkey Award" für das größte Miscasting aller Zeiten und somit sollte der Film auch mehr als witzige Ruine betrachtet werden. Ein Western ohne Indianer, dafür mit allen sonstigen Gesten und lustigen Asiatenkostümen. Und das Fehlerzählen hält einen bei Laune. (2/10)