“Duke sees the Western as an eternal form, solid and unchanging. He is dead wrong. The Western is a living mythology, and like all vital folklore, it evolves with the times. The American saga is a continuing story. The John Wayne hero is built to survive massacres, tidal waves and corruption. But it can never bear the erosion of style.”
~ Richard Goldstein
“I thought I might be in for a tough time because he is . . . well, he’s John Wayne! And I’d been told all these horror stories about how he’s supposed to be a bully. But there’s been none of that. Fortunately, we’ve got his son Michael with us, and he’s a good man, and if there’s anything that Duke’s upset about, Michael deals with him. Mind you, Michael’s no pushover. He can be tough. He’s got to be. He virtually runs Batjac. I have a lot of liking and respect for Duke and Michael.”
~ Douglas Hickox
John Wayne, der seit längeren schon an zunehmenden körperlichen Problemen litt, hat zuvor verbissen versucht, mit der Methodik der Wiederholung seiner Westernmotive und bestenfalls altmodischen Versatzstücken dessen dem Zeitgeist ein Schnippchen zu schlagen; er und auch die (zumeist von alten Hasen wie Andrew V. McLaglen und Burt Kennedy gedrehten) Filme waren auch noch erfolgreich, aber die Kosten der ebenso übernommenen Finanzierung wurden oftmals nur gerade so und nicht ausreichend gedeckt. Die beiden Abstecher in die Moderne, sowohl McQ schlägt zu als auch der ein Jahr später folgende Brannigan - Ein Mann aus Stahl waren zur damaligen Zeit allerdings ebensolches Nullsummen- bis gar Verlustgeschäft, die Kritiken zudem mäßig und oftmals auch auf seine 'rückständige' Persona mit dem 'abgelaufenen Haltbarkeitsdatum' ausgerichtet:
Chicago-Cop Lieutenant James Brannigan [ John Wayne ] wird von seinen Vorgesetzten nach London geschickt, um den dort festgenommenen und seit länger schon in der amerikanischen Heimat gesuchten Kriminellen Ben Larkin [ John Vernon ] zurück in die Staaten zu überführen. Noch vor der Ankunft des Polizisten wird Larkin aber trotz Bewachung durch Scotland Yard entführt, sehr zum Ärger des verantwortlichen Commander Sir Charles Swann [ Richard Attenborough ], der sich notgedrungen zusammen mit dem 'Yankee' und Larkins Anwalt Mel Fields [ Mel Ferrer ] an die anonyme Lösegeldforderung der Kidnapper macht und natürlich an den Versuch der Befreiung. Währenddessen wurde zuvor von Larkin schon der Auftragskiller Gorman [ Daniel Pilon ] auf Brannigan angesetzt, sodass auch dessen stete Begleitung für den Aufenthalt, Detective Sergeant Jennifer Thatcher [ Judy Geeson ] zunehmend in die Gefahrenzone gerät.
Brannigan ist die gleiche Sorte Typ wie McQ, Urgestein, Einzelkämpfer, zu lange dabei schon und alles gesehen und alles bekämpft und dies auch unermüdlich und doch nichts verändert. Der Film hier ist auch die gleiche Sorte Film wie dort, ein wenig humorvoller vielleicht, ein Polizist auf der auch persönlichen und zusätzlich beruflich unterstützten Jagd auf einen Verbrecher, selber mit Gefahren verbunden und einem oder mehreren Auftragskillern auf den Fersen, dazu ein Gesetzesapparat, welcher in die Sache mit verstrickt oder untätig oder seltsam passiv involviert. Die Farben eher blässlich, der Aufbau eher ruhig, interessant durch seinen Hauptdarsteller, der von der Persona Waynes ausgefüllt wird und getragen, die Handlung reinstes Genre, lebend durch seine Klischees, seine gewisse Antiquiertheit, die nötige Portion Zeit- und Lokalkolorit und der äußeren und auch inneren Haltung des alten Hollywoods, dass wie Wayne und durch Wayne hier noch nicht aufgeben will und weiter die alte Formel probiert.
Dort war der Schauplatz Seattle, hier ist er eingangs Chicago, in dessen Metropole buchstäblich die Türen eingetreten werden und mit den Waffen auf die Verbrecher und deren illegalen Aktionen gezielt, später dann die Hauptstadt Englands, die die entscheidende Komponente des Filmes beigibt und die Bilder der neuen Umgebung, in dessen Unbekanntheit sich unser Raubein erstmal orientieren muss und dann dennoch durch seine gewohnten Methoden und der Fokussierung auf das Wesentliche akklimatisiert. Gleichbleibend sind auch die Personen in seiner Nähe, weiße Männer eher höheren Alters, dicht verortet an der Rente oder der Frühpension zumindest, keine Altersgruppe der Agilen und Treibenden, keine Jungspunde mehr. Bis die Prämisse steht bzw. ausgebreitet und vollzogen ist, braucht man eine gute halbe Stunde; diese Art der Gangart und der sorgfältigen Vorbereitung kennt man heute nicht mehr, selbst Action gab's bis dato keine. Nur Personen, die miteinander geredet haben und sich gegenseitig und/oder die Sachlage vorgestellt.
Ursprünglich als Fernsehpilot für Telly Savalas vorgesehen, ist diese gewisse Unaufgeregtheit im Szenario sowohl Nachteil als auch Vorteil, auch die Wahl des eher genrefremden Douglas Hickox (der für den Job 50.000 USD bekommen hat und damit einen Bruchteil des sowieso reduzierten 2.5 Mio. USD Budgets) scheint eingangs merkwürdig, passt sich Hickox aber den Gegebenheiten angenehmer Weise an und inszeniert – bis auf zwei glorreiche Suspense- und Zeitlupensequenzen, in der sich der Hitman mit seinem schwarzen Jaguar E-Type an das Opfer 'heranpirscht' – auch entsprechend ruhig und unauffällig, ohne die Aufmerksamkeit selber zu verlieren; spürbar v.a. in der mittigen längeren Observation am Piccidally Circus, die Menschenmassen und ebenso Hunderte von Autos und sowieso vollen Straßenverkehr und dennoch eine stetige Übersicht über das Geschehen involviert. Überhaupt ist die Stadt selber eines der Hauptakteure des Filmes, wird stets (damals als einer der letzten Dreherlaubnisse auch) mitten in ihr und mit ihr und speziell auch in der Autohatz über die (hochgezogene) Tower Bridge und so architektonisch lebendig und visuell sehenswert agiert.
So richtig aktuell selbst für Mitte der Siebziger ist man natürlich auch nicht, kommt nicht nur Wayne, routiniert und so wie immer gut ein Jahrzehnt mindestens zu spät. Am Ende des zweiten Drittels gibt es tatsächlich so etwas wie eine Saloonschlägerei aus den Fuzzy-Western, nur hier in einem Pub angesiedelt, vorher wird eben durch die Gegend gefahren oder spaziert, die Anschläge des Auftragskillers beschränken sich bis dahin auf einen aufgestellten Schussapparat, der aber derart offensichtlich als Falle deponiert ist, dass da quasi noch ein Warnzettel dran fehlt, und eine explosive Toilettenspülung, die ein Loch in die Wand reißt und einen wunderbaren Ausblick auf den Hyde Park und speziell das Albert Memorial ermöglicht.