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Genosse Baade soll Bauer Güden und dessen Nachbarn überzeugen, der neuen LPG beizutreten, doch Güden zieht Baade lieber eins über und macht sich auf Richtung West-Berlin. Doch durch die Aktion fällt Baade in Ungnade und will nun zwecks Rehabilitation nach Ost-Berlin, illegal. An der Havel treffen sich die beiden wieder.


Republikflucht, also die Flucht aus der DDR in die BRD oder nach West-Berlin war auch 1961 im Jahr des Mauerbaus schon nicht einfach, wurde in den Folgejahren aber nahezu unmöglich. Im Gegensatz zu meinen Eltern bin ich kein Zeitzeuge, habe das nicht erlebt, schließe aus ihren Erzählungen aber, dass es 1961, als sowohl meine Mutter als auch ihre Schwester "rübergemacht" haben, noch nicht ganz so drastisch war, wie es hier geschildert wird. Denn beide haben sich einfach Ausweise von ähnlich aussehenden West-Berliner Bekannten organisiert und haben offizielle Grenzübergänge genutzt. Ich habe also ohne genaue Kenntnisse leise Zweifel an der Schärfe der hier dargestellten Hatz von Will Tremper, der für Regie, Buch und Schnitt verantwortlich zeichnet.


Tremper zeigt hier erneut, dass er Drama inszenieren kann, wenn er etwas auf's Tempo drückt, in ruhigen Sequenzen aber oft zäh ist. Dann hält er nämlich bei mancher Einstellung viel zu lange drauf, diverse Dialoge sind nutzlos oder schlicht doof und das nervt irgendwann. Beim Schnitt versagt er am Anfang auch völlig in Sachen Ton. Da sind ein paar Cuts gesetzt worden, die weh tun.

Mit 80-85 Minuten wäre der Film sicher deutlich besser, zumal die Story recht dünn ist. Die LPG-Leute nerven die Bauern und dann zieht Güde los, rennt durch Wälder, fährt per Anhalter, fetzt sich mit einem alten Freund und tummelt sich dann am Ufer der Havel. Arg viel passiert da nicht, bis zum Finale hin Baade und Güde erneut aufeinander treffen und die Situation eskaliert.

Das Finale ist dann auch dramatisch und spannend und vor allem emotionsgeladen, völlig nachvollziehbar, abgesehen davon, dass man eine schwimmende Flucht doch besser nicht am Tage versucht. Eine eher dumme Idee. Das findet wohl auch der "Kommunisten-Hund", der sich auf der Suche im Ufer girrt hat und in West-Berlin raus kam und so zum republikflüchtigen VoPo-Hund wurde. Herrlich, wie er sich völlig verwirrt unter den Berlinern umschaut und dann ins Wasser flieht. Großes Kino, rettet aber den Film natürlich nicht, der zudem leider auch sehr abrupt endet und dabei das Schicksal so mancher Figur einfach offen lässt.


Mit einem etwas ausgefeilteren Drehbuch hätte das ein guter und vor allem wichtiger Film werden können. So ist er aber etwas zu lang und zu unausgegoren.
Der Film ist aber hervorragend gespielt.

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