Die junge Satomi hat es nicht leicht. Sie hat keine Freunde, außer ein übergewichtiges und pathetisches Mädchen, dass sich prostituiert, und eine alte, seltsame Obdachlose, die eine Baby Born Puppe als ihr Kind hält, und es stillt. Zu Hause sieht es auch nicht rosiger aus. Ihr Vater ist ein perverser Psychopath, der sie tyrannisiert, und ihre Schwester, welche nach einem schweren Autounfall mit einem Ganzkörperverband auf dem Boden vegetiert und sich nicht mehr bewegen kann, täglich vergewaltigt. Als sich ein geisteskranker Serienvergewaltiger, und ein perverser Buisnessman sich in sie verlieben, droht die Lage zu eskalieren.
Daisuke Yamanouchi, der auch für die grandiosen Red Room Filme, sowie Suicide Dolls verantwortlich ist, bietet hier nochmal einen richtigen Leckerbissen für Fans von abgedrehtem und schwarzhumorigem Japan-Exploitation. Hierbei zieht der gute Mann sämtliche Register, und serviert ein äußerst gelungenes und makaberes Werk, welches seinesgleichen sucht!
Zunächst einmal haben wir die Handlung, welche interessant aufgebaut ist. Eigentlich erfährt man als Zuschauer nur die traurigen und abartigen Lebensumstände, in denen das junge, gutaussehende und bemitleidenswerte Mädchen gefangen ist. Alles ist trostlos und kalt, sie ist umgeben von Großstadttristesse und Menschen, die sie ausnutzen möchten. Ähnlich wie "Justine" in Marquis de Sade's genialem Buch mit dem selben Titel, ist sie nur ein guter Mensch, der, ohne es zu wollen, oder selbst verantwortet zu haben, von einem Malheur ins nächste schlittert.
Die Charaktere sind alle herrlich abgefuckt, ohne dabei jedoch zu überzeichnet zu wirken (bis auf die Obdachlose), und unterhalten den geneigten Fan sehr gut. Sei es nun der Vater, die Liebhaber, oder die übergewichtige Prostituierte, alle sind komplett schräg und verfallen nicht wie so oft in eine kindische Karikatur, wie es ja bei solchen Filmen desöfteren der Fall ist. Die Dialoge sind eigentlich aufs Minimum reduziert, dafür wird die Handlung relativ straff erzählt und kommt gut voran, ohne sich zu ziehen.
Wie so oft ist der Film komplett sadistisch, menschenverachtend, frauenfeindlich und nihilistisch. Im Stil einiger "All Night Long" Filme werden dem Zuschauer tiefste Abgründe gezeigt, die man in den meisten europäischen oder amerikanischen Filmen so nie zu Gesicht bekommen würde. Sei es nun die Vergewaltigung der Schwester, welche im Streckverband auf dem Boden liegt (Niku Daruma lässt grüßen), die Szene in der Satomi die Muttermilch der Pennerin säuft, die zahlreichen Vergewaltigungen des Duos oder die Szene, in der der Mann Satomi fesselt und ihr Urin trinkt. Alles ist schön in die Länge gezogen, und wirkt richtig krank und grausam, ohne dabei jedoch komplett abzustoßen. Ein gewisser Erotikfaktor ist auch vorhanden, der aber, wie immer bei japanischen AV Produktionen, nie wirklich überwiegt.
Abschließend kann man sagen, dass Girl Hell echt cooles Kino für Leute ist, die solche Filme schon kennen und lieben gelernt haben. Normalen Sexploitation Fans ist er wohl zu pervers, Splatterfans zu unblutig (es gibt zwar einige Gewaltszenen, diese sind aber nicht allzu spektakulär). Wer jedoch den ganzen Stoff ala Niku Daruma, Guinea Pig, All Night Long 1-3 usw schätzt, der dürfte an diesem leider vergessenen Film seine helle Freude haben, in meinen Augen ist das schon sowas wie eine kleine Perle, die nur darauf wartet auf DVD releast zu werden, was jedoch denke ich ein Wunschtraum bleiben wird. Sehr schade. Ich vergebe
9/10