Vertrauen in Verbindung mit Politik – was ist das!? Durch offensichtliche und verkappte Lügen, fällt es jedermann immer schwerer den Regierenden und Oppositionellen einen Funken Vertrauen zu schenken. Demokratie wirkt oftmals wie eine Farce, das Volk wählt Vertreter, welche oftmals die Stimme der Auftrabgeber ignorieren und scheinbar vielmehr von Interessensverbänden gelenkt werden. In Zeiten des Wahlkampfs ist der Unmut aktueller denn je, Versprechungen werden gebrochen und die anschließend fadenscheinige Ausrede ist eigentlich so sicher wie das Amen in der Kirche. Dass der Verdruss am politischen Geschehen kein aktuelles Phänomen ist, beweist Frank Capras „Mr. Smith geht nach Washington“.
Unverhofft wird der naive und patriotische Gutmensch Jefferson Smith (James Stewart) für einen freien Senatorenposten des Bundesstaates Montana vorgeschlagen. Auf den ersten Blick scheint er für die politischen Drahtzieher unter der Führung des skrupellosen Geschäftsmanns Jim Taylor (Edward Arnold) die ideale Marionette für die Umsetzung eigener Interessen zu sein. Gelenkt und kontrolliert von Senator Joseph Paine (Claude Rains), ein Freund seines Vaters, soll er die Machenschaften unterstützen.
Mit Hilfe seiner Sekretärin und Gehilfin Miss Saunders (Jean Arthur), versucht Smith trotzdem seine eigenen Vorhaben mit Gesetzesentwürfen zu verwirklichen. Als er dadurch zufällig mit den Interessen der Lobbyisten kollidiert, beginnt eine schmutzige Kampagne, die Smith’s idealistisches Weltbild und Vaterlandsliebe erschüttert.
Capra wendet ein altbewährtes Schema an und lässt zwei Welten aufeinander treffen. Er veranstaltet einen Krieg der Werte. Der ehrliche Idealist trifft auf egoistische Opportunisten. Was das Ganze dennoch von einer überspitzt moralischen Darstellung unterscheidet, ist die Intensität der Angelegenheit. Capras Glauben an den Menschen spürt man zu jederzeit. Dabei bewahrt man politische Distanz zu brisanten Themen, nie wird Partei ergriffen – der Mensch steht im Mittelpunkt.
Das Sinnbild für die Werte ist zweifelsohne Smith, der ehrfürchtig vor geschichtsträchtigen Bauten steht und voller Stolz die Worte der Gründerväter liest. Die Realpolitik ist nicht nur Neuland, sondern eine Probe für seinen Idealismus. Medien, Verleumdungen und diverse Kampagnen sind die Waffen gegen seine Ehrlichkeit. James Stewart ist in der Rolle von Jefferson Smith idealbesetzt, er verkörpert die naive Unsicherheit ebenso wie aufrichtigen Idealismus. Soll er seinen Glauben verteidigen oder aufgeben??
Der einzige Halt ist Saunders, die weit reichende Erfahrungen mit dem politischen Pragmatismus gesammelt hat. Zusammen entwerfen sie einen beeindruckend skurrilen Plan, mit dem sie gegen Lügen und Verleumdung ankämpfen. Jean Arthur ist gleichermaßen charmant wie zynisch. Mit ihrem natürlichen Charme möchte man sie abermals nicht missen.
Den Gegenpart bilden Edward Arnold, der als skrupelloser Geschäftsmann durch emotionale Kälte glänzt und Claude Rains als authentisch wirkender, zwielichtiger Senator.
Am Ende ist ausgerechnet die Verfassung der Schlüssel zum Erfolg. Capra lässt keine inhaltlichen und inszenatorischen Finessen aus, auch wenn er bewusst auf die Bedeutung der Menschlichkeit hinweist und sich letztendlich dazu bekennt.
„Mr. Smith geht nach Washington“ ist ein typischer Capra, einfach strukturiert, aber dennoch spannend erzählt und in punkto Aussage und Umsetzung überwältigend.
Mit seiner Kritik an der Politik und den Medien offenbart er wiederum eine visionäre Ader und lässt den Betrachter gerade wegen der Zeitlosigkeit staunen. (9/10)