Der gute alte amerikanische Patriotismus, das Loblied auf die amerikanische Demokratie und ihre Helden George Washington und Abraham Lincoln und natürlich die vielgeliebte Pressefreiheit !!!
Wer kann das noch hören angesichts George Bush und Konsorten ?
Dazu noch verfilmt von Frank Capra, dem Meister der Tränendrüse und kitschigen Gefühle...
Und Mr.Capra enttäuscht uns nicht. Er läßt uns gemeinsam mit den leuchtenden Kinderaugen des modernen Parzivals Jeff Smith (welch schöner Allerweltsname) das Capitol und den Obelisk bewundern und vor Abraham Lincolns Denkmal vor Ehrfurcht erschauern.
Doch das ist nur der Rahmen für eine in ihrer Konsequenz fast atemberaubende Geschichte über persönliche Vorteilsnahme, Bestechlichkeit, Beeinflussung der Massen durch Unterbindung der Pressefreiheit, völlige Diffamierung einer Person und letztendlich Verrat an den schönen Ideen, die unzweifelhaft hinter den idealistischen Zielen der demokratischen Verfassung stehen.
Und wer wollte behaupten, daß das nicht absolut aktuell ist?
Diverse Drahtzieher im amerikanischen Senat haben das Pech, daß einer der von ihnen beeinflussten Senatoren plötzlich stirbt.
Unter der Aufsicht des Zeitungsmagnaten Jim Taylor (Edward Arnold) und mit Unterstützung seines verbündeten Senators Paine (Claude Rains) entscheiden sie sich für den Pfadfinderführer Smith (James Stewart) als neuen Senator. Der Mann ist so naiv und voller amerikanischer Ideale, daß sie es für ein Leichtes halten, ihn zu kontrollieren.
Sie planen nämlich ein großes Geschäft, in dem sie einen Staudamm vom Senat beschließen lassen wollen. Das Land, welches dazu gebraucht wird, wurde schon von ihren Strohmännern aufgekauft. Jetzt darf möglichst nichts mehr schief gehen....
Interessant an Capra’s Vorgehen ist, daß jede Art der Idealisierung immer von allen anderen Personen als hinterwälderisch angesehen wird. Der moderne Mensch in der amerikanischen Großstadt 1939 ist ein mit allen Wassern gewaschener Profi, der die Realitäten kennt und seine Illusionen verloren hat.
Jedem geht es um seinen persönlichen Vorteil und man versucht so viel wie möglich vom großen Kuchen abzubekommen. Auch Clarissa Saunders (Jean Arthur) macht da keine Ausnahme. Sie soll Jeff bei seinem Abenteuer in Washington als seine Sekretärin begleiten und möglichst von Allem fernhalten, aber sie hat zuerst überhaupt keine Lust den Babysitter zu spielen....
Capra unterliegt nicht dem Fehler, Jeff als eine Art Wunderknabe zu inkarnieren, der plötzlich das Geschäft der Politik in wenigen Augenblicken erlernt. Nein, Jeff wäre bis zum Schluß verloren, wenn er nicht die Unterstützung von Personen hätte, die die Spielregeln beherrschen und selbst das scheint nicht zu reichen, denn der Gegner gibt keine Sekunde klein bei...
Capra gelingt hier ein frühes Beispiel in einem populären und durchaus am damaligen Massengeschmack orientierten Film, beissende Kritik an politischen Verhältnissen zu üben. Und das mit einem bis zur letzten Sekunde geführten Spannungsbogen.
Gerne wird solchen Filmen Kitsch oder Vereinfachung vorgeworfen, aber welchen deutschen Film hat es gegeben, der so deutlich Korruption im Parlament und Beeinflussung der Medien angeprangert hat? –
Schon gar nicht im Jahr 1939, aber selbst später waren das – wenn überhaupt – sehr intelektuelle Filme, die kein großes Publikum angesprochen haben.
Und Capra gelingt in diesem Film ein sehr gutes Gleichgewicht zwischen den manchmal etwas kitschig anmutenden Texten von James Stewart und den schnoddrig lakonischen Ausführungen der herrlichen Jean Arthur.
Aus der heutigen Sicht hat man Schwierigkeiten mit der Naivität und dem fatalistischen Idealismus des Jeff Smith. Aber da verhalten wir uns nicht anders als die von Capra beschriebenen Personen im washingtoner Politikbetrieb des Jahres 1939 – es hat sich wenig verändert.
Das Capra 1939 eine Person wie Mr.Smith als leuchtende Hoffnung für die amerikanische Demokratie herausstellt, wer wollte ihm das verdenken ? - Schon gar nicht, wenn es in einer solchen mitreißenden Art geschieht (9/10).