Wer immer jetzt von der allerneuesten Casanova-Verfilmung im Stillen erhofft hat, dass ihn ein erotischer Triumph im Kinosaal erwartet, der dürfte von Lasse Hallströms Film ein wenig enttäuscht werden.
Gerade im Zeitalter der wilden Plot-Twist und unbedingt erforderlichen Last-Minute-Wendungen stellt dieses gewitzte Lustspiel die Gegenposition dar, einen Film der vergnüglich und beschwingt seinem Ende zusteuert.
Casanova erzählt hier nämlich in alten Tagen aus seinem ganz privaten Nähkästchen und zwar von einer Episode, in der selbst der größte Schwerenöter mal die wahre Liebe finden kann. Das ist natürlich ein gepflegter Hindernislauf, der den legendären Verführer hier erwartet. Einerseits trauert er nämlich seiner zu Kindeszeiten entschwundenen Mama hinterher, dann ist die Inquisition hinter ihm her (nicht zu Unrecht, schließlich schmachtet ihm praktisch gleich in der ersten Einstellung ein ganzes Novizinnenkloster hinterher, dass er zweifelsohne komplett bereits beglückt hat) und außerdem muß er heiraten. Doch kaum hat er eine Verlobte gefunden, tritt natürlich die Passende in sein Leben und jetzt wird es erst richtig kompliziert, in den vielen Verstrickungen noch Land zu sehen und seinen Hals zu retten.
Hallström schwelgt in aufgefrischtem Altertum und lässt Venedig in aller Pracht erstrahlen, um dann ein Spiel um falsche Identitäten, Verführungen und falsche Versprechungen irgendwo zwischen Moliere und heute vom Stapel zu lassen, durch das man sich amüsiert durchgrinsen kann, ohne je auch nur für einen Moment von Sülze, Kitsch oder Schmacht behelligt zu werden.
Heath Ledger steht der Verführer wesentlich besser als der Märchenerzähler Grimm und nimmt sich und seine Rolle drehbuchgerecht nicht ernst, sondern ironisiert subtil, wo es nur geht, ohne in unpassende Gegenwartskomik zu verfallen.
Und das ganze Ensemble zieht an einem Strang.
Wozu das führt?
Niemand hier ist dem Zuschauer auch nur in einer Szene unsympathisch, so ziemlich jedem wünscht man irgendwie nur Glück und Zufriedenheit. Sienna Miller muß zwar relativ ernst spielen, aber sonst gerät das Zusammenspiel erfreulicherweise zur erwünschten Posse, anstadt zur benachbarten Plotte. Weder Oliver Platt (der nach Schlankheitskur hier noch mal einen Fettanzug anziehen musste) als betuchter Bewerber (und Schweineschmalzkönig), noch Lena Olin als leicht finanziell angeschlagene Witwe bringen das Spiel aus dem Takt.
Tim McInnerny bringt eine cleese-eske Leistung als Doge, während Ken Stott den Inquisitionsbeauftragten mit Elmer-Fudd-ähnlicher Verzweiflung gibt. Dazu kommt Natalie Dormer, die die Casanova versprochene Victoria gibt, eine Frau, deren langanhaltende Keuschheit zu dermaßener Geilheit geführt hat, dass sie vor Lust bisweilen mit bloßen Händen Brückengeländer zerlegt und wir reden hier von einer hinreißend schlanken Blondine. Und Jeremy Irons, dem offenbar gar nichts mehr heilig, chargiert sich trödelig durch die Rolle des finsteren Inquisitors Pucci, der immer den entscheidenden Moment zu spät kommt.
Wenn er dann endlich Erfolg und Casanova die Schlinge um den Hals hat, will er das natürlich weihevoll feiern, worauf ihn wiederum sein Vorgesetzer auskontert, der in letzter Minute erscheint und auf die Frage, ob er der Hinrichtung beiwohnen möchte, antwortet : „Hat der Papst nen eigenen Balkon?“
Irons Blick ist Gold pur!
Natürlich gibt es auch hier zum Schluß eine erzählerische Wendung, die man zwar lange kommen sieht, die aber nicht bemüht erscheint, sondern das Geschehen zum Ende hin wunderbar abrundet, so dass wirklich das ganze Publikum erfreut nach Hause gehen kann, außer es hatte sich auf einen Actionfilm gefreut.
Die Damen wird es zwar mehr freuen, aber wenn hier nicht die mitgeschleiften wenigstens ein Fünkchen stillen Vergnügens mitempfinden, dann weiß ich es auch nicht mehr.
Herrlich altmodisch und im Geiste banal, aber so spaßig, dass einem das Herz aufgeht.
Schöne Sache, Harry…äh…Giacomo! (8/10)