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Dass die Amerikaner zu ihrer Polizei ein leicht gespaltenes Verhältnis haben, konnte man schon in vielen Filmen beobachten. Dies gilt insbesondere für die - wohl tatsächlich existierenden - Spezialeinheiten, die weit außerhalb des Gesetzes operieren, kaum jemandem Rechenschaft schulden und sogar die beschlagnahmten Gelder, Drogen etc. behalten dürfen.

Eine solche Einheit ist die hier präsentierte "FRAT" (Fast Respond Assault Tactics) in der (so nehme ich mal an) fiktiven Großstadt Edison. Zwei Cops dieser Einheit, Deed (LL Cool J) und Lazerov (Dylan McDermott) führen sich gleich gut ein: Bei einer Razzia wird ein Dealer von Lazerov kaltblütig erschossen, einem anderen die Tat in die Schuhe geschoben. Durch einige Ungereimtheiten aufmerksam geworden, heften sich der junge Journalist Pollock (Pop-Bübchen Justin Timberlake) samt einem erfahrenen Kollegen (Morgan Freemann) und einem Ermittler (Kevin Spacey) auf die Fersen der komplett korrupten Truppe. Schlüsselfigur wird bald der von Skrupeln geplagte Deed.

Stories über korrupte Cops üben zweifelsfrei eine gewisse Faszination aus. Mit das beste Beispiel ist für mich die hierzulande leider ziemlich untergegangene TV-Serie "The Shield", von der bislang bedauerlicherweise nur die erste Staffel zu sehen war. Was diese Serie so faszinierend macht, ist die fehlende Schwarz-Weiß-Zeichnung; niemand ist dort nur böse, nicht mal der gleich in der ersten Folge zum Mörder gewordene Killer-Cop Vic Mackey (sorry für die kleine Abschweifung). Es ist schon erstaunlich, dass die offenbar mal wieder mit deutschem Geld heruntergekurbelte Kino-Produktion "Edison" die Klasse der TV-Konkurrenz in keiner Sekunde erreicht (ein Trend, den wir in letzter Zeit schon öfters hatten). Der Film ist sicher kein vollständiges Desaster, nur ist hier alles furchtbar vorhersehbar und unorginell. Selbst dass der eine der zwei Cops im Lauf des Films die Fronten zum Guten wechseln wird, ist nicht nur erfahrenen Filmfreunden von der der ersten Szene an klar.

Womit man die die restliche Laufzeit bis zum knalligen Finale füllen soll, wußten die Macher wohl auch nicht so recht. Wir erleben ziemlich überraschungsfreie Handlungs-Wendungen und reichlich quälende Dialoge zwischen Veteran Freeman und Timberlake. Während mich der gute Morgan eher genervt hat, ist Spacey wie immer sehenswert, hat aber nur wenige Szenen. Dass für die eigentlichen Hauptrollen gleich zwei eher leinwandunerfahrene Musiker engagiert wurden, mutet schon etwas kurios an. Rapper LL Cool J wird sicher keinen Oskar bekommen, gibt aber einigermaßen ansehnlich den nicht nur Coolen. Timberlake dagegen sollte wohl besser bei der Singerei bleiben (auch wenn ich noch nichts von ihm bewußt gehört habe), da hilft auch kein andauerndes Gehetztes-Durch-die-Gegend- Schauen. Ach ja, Frau Perabo darf als reine Dekoration zwei oder drei Szenen beisteuern.

Und dann ist da noch das Finale: Nachdem wir fast 90 Minuten actionmäßig weitgehend auf Entzug gesetzt wurden, knallt der Film uns in den letzten Zügen dann noch eine mächtige Action-Sequenz in Form einer Autojagd/Ballerei vor die Füsse (Warnung: Kleiner SPOILER). Nicht dass die Szene unbedingt schlecht inszeniert wäre, nur dass unsere versammelten Pop-Barden hier eine komplette Spezialeinheit mit Stumpf und Stiel ausrotten, erscheint dann doch heftig übertrieben. Besonders dämlich wird das Ganze, wenn Cool J scheinbar mühelos die bösen Buben hinter ihren Autos wegballert, während ihm in gleicher Deckung kein Haar gekrümmt wird. Und Timberlake - na ja, ich will nicht zu viel spoilern, selber sehen und ablachen....

Fazit: Halbwegs solider, aber leider entsetzlich vorhersehbarer Bad-Cop Reißer mit vielen prominenten Namen im Cast, die entweder nicht schauspielern können oder nur wenige Szenen haben. Die müde Story kann den Actionmangel über weite Strecken nicht ausgleichen, und wenn es im Finale doch noch heftig zur Sache geht, ist das hart an der Grenze zur Lachnummer. Lieber an Pro 7 schreiben und auf die nächste Staffel von "The Shield" hoffen.

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