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Es hat nicht sollen sein.
Trotz eines Staraufgebots, ausreichend Geld und einem guten Skript langte es für „Edison“ nicht zur Kinoauswertung. Die Klasse dafür hat der Film allemal. Denn hierbei handelt es sich um den wohl besten Output der langen Schaffensphase von NuImage/Millenium Pictures, in Punkto Qualität bekommt man hier ein Maximum geboten.
Da ist es umso tragischer, dass solch ein sympathischer Thriller direkt auf DVD landet. Die Angst vor einer Blamage war dann wohl doch größer als der Glaube an die Klasse. Denn die Zeichen standen aufgrund des Cast, den Oscar-Preisträgern Morgan Freeman und Kevin Spacey sowie Popsternchen und Ex-Britney-Boyfriend Justin Timberlake, auf grün. Doch was soll’s – es ist wie es ist. Fakt ist, dass Millenium Pictures bereit ist für größere Aufgaben, denn „Edison“ ist ein starker Thriller. Punkt.

Wirklich innovativ ist die Story nicht – denn Copthriller hatten wir in den letzten Jahren mehr als genug („Exit Wounds“, „Training Day“ etc.). Die Spannung kann man dem Skript jedoch nicht absprechen. Clever und logisch aufgebaut, keine unnötigen Subplots und ein interessanter Hintergrund – einfach aber wirksam. Edison ist eine fiktive, amerikanische Metropole (die von der kanadischen Stadt Vancouver verkörpert wird), in der Korruption an der Tagesordnung steht. Regisseur David Burke, der auch das Drehbuch schrieb, verliert von Anfang an keine Zeit und zieht seine Story konsequent durch, ohne das Langeweile aufkommt. Dabei achtet er darauf, dass der Zuschauer mitkommt und gibt stellenweise Tipps, die zur Aufklärung führen, ohne die Spannung zu verringern.

Gott sei Dank verkommt „Edison“ nicht zur sinnlosen Actionorgie, sondern konzentriert sich auf Story und Charaktere. Letztere sind tiefgründiger als zu erwarten, auch unangenehmen Dialogen wird nicht aus dem Weg gegangen. Die Darsteller überzeugen in ihren Figuren, allen voran LL Cool J. Der Rapper verkörpert seinen Part mit Bravour und bringt den seelischen Zwiespalt eines korrupten Beamten mit Perfektion herüber. Morgan Freeman hat eine kleinere Rolle und wird vor keine größeren Aufgaben gestellt, ebenso wie Kevin Spacey. Justin Timberlake wirkt neben den großen Namen nicht, wie von vielen Kritikern voraus gesagt als Anfänger, sondern spielt sich gut in das Quartett hinein und liefert eine gute Performance.
In Punkto Action bekommt der Zuschauer ab Minute achtzig eine perfekt inszenierte, makellose Bilderschau ohne Wenn und Aber. Die Schießerei ist innovativ gefilmt und dank dem Gebrauch von Einschusslöchern (jaja, Kugeln hinterlassen nun mal Schäden) einfach toll anzusehen, die Verfolgungsjagd ebenso, auch wenn diese etwas eintönig und kurz ist. Trotz 16er-Freigabe gibt’s blutige Einschüsse – allerdings in Maßen.

Auch an der Inszenierung gibt es nichts auszusetzen. Kameramann Francis Kenny („Scary Movie“) liefert stilvolle, farbenfrohe Bilder, die Skyline wird mehrmals toll eingefangen. Das Ganze sieht richtig schick und teuer aus und verdeutlicht die Professionalität, mit der man hier zu Werke ging. Auch die Musik besteht aus netten Stücken und kann die Stimmungen teilweise gut verstärken.


Fazit:
„Edison“ ist kein anspruchsvolles Kino, aber trotzdem kann der Thriller dank grundsolider Umsetzung, vielen bekannten Gesichtern und makellos inszenierter Action überzeugen. Der Plot ist zwar nichts neues, aber dennoch spannend aufgebaut und an manchen Stellen auch überraschend.
Die Stars spielen routiniert ihr Spektrum herunter, LL Cool J macht den mit Abstand besten Eindruck. Bei der Action siegt die Qualität über die Quantität, das Gebotene ist nett anzusehen und unterhält doch schon extrem gut.

Ehrlich gesagt will ich den Film auch gut finden – aber glaubt mir, er ist es auch. Gute 7 Punkte und die Bitte zu mehr Risiko ...

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