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„Edison“ ist ein filmischer Zwitter. Am besten vergleichbar mit einem schönen Ferrari, in dem ein schnöder Volkswagenmotor schlummert. So ungewöhnlich sich solch eine Zusammenstellung anklingt, so ambivalent ist auch der Film. Ganz nach dem Motto: Schöner Schein mit erstaunlich geringem Nährwert.

Um zunächst auf die Ferrari-Elemente des Filmes einzugehen, muß man nur die Besetzungsliste durchgehen. Denn die Schauspieler gehören zu den besten und bekanntesten ihres Fachs. So tummeln sich Morgan Freeman, Kevin Spacey, LL Cool J, Dylan McDermott, Cary Elwes, John Heard und Piper Perabo in “Edison”. Wer das liest und sich wundert, dass er trotzdem noch nichts von dem Film gehört hat, könnte auf die VW-Komponenten des Filmes als Grund dafür tippen und hätte Recht. Wie Regisseur David J. Burke es geschafft hat, eine so tolle Besetzung für seinen Film zu bekommen, ist dem Rezensenten ein Rätsel. An dem tollen Drehbuch kann es nicht gelegen haben, denn besonders originell ist der Film an keiner Stelle. Es werden nur routiniert einige gängige Cop-Film-Flischees verrührt und zu einer durchaus gefälligen, aber an keiner Stelle innovativen Mischung zusammengeführt. Vielleicht hat das Mitwirken des Popsängers Justin Timberlake, der hier in seiner ersten großen Rolle zu sehen ist, das übrige zur grandiosen Besetzung beigetragen. Timberlake selbst enttäuscht zwar nicht, aber er kann auch nicht glänzen. Zwischen so vielen hochkarätigen Darstellern ist dies aber natürlich auch schwierig.

„Edison“ wurde von einer B-Film-Schmiede produziert. Millenium Films gehören zu Nu Image, die dem geneigten Zuschauer schon so manchen B-Film vor den Latz geballert haben. Wenn man diese zum Vergleich heranführt ist „Edison“ natürlich ein kleines Meisterwerk, doch die Produktionsgesellschaft liefert auch einen Hinweis auf die Frage, warum der Film nicht so erfolgreich war, wie es die Namen der Beteiligten eigentlich vermuten lassen würden. Tatsächlich könnte man sich den gesamten Film auch mit B-Darstellern vorstellen, ohne dass groß an der Handlung oder am Drehbuch geschraubt werden müsste. Neben dem einfallslosen (aber dennoch soliden) Script fällt zudem auf, dass einige der Darsteller notorisch unterfordert und lustlos wirken. So spult Morgan Freeman wirklich nur sein Standardprogramm runter, dass aus Strinrunzeln und weisen Ratschlägen zu bestehen scheint. Auch Kevin Spacey wirkt mit seiner gräßlichen Perücke ziemlich deplatziert. Weniger begabte Mimen, wie LL Cool J scheinen besser aufgehoben zu sein, vor allem, da dieser auch an den physisch anforderungsvollen Szenen des Films teilnehmen kann.

Die Action in „Edison” ist solide inszeniert und sogar ziemlich blutig ausgefallen (dies kann man auch wieder als Rudiment der B-Film-Wurzeln von „Edison“ sehen). Besonders realistisch ist diese zwar nicht (typisches „Rambo“-Syndrom: Einer nimmt es gegen gaaaanz viele auf), doch immerhin unterhaltsam und handwerklich sehr ansehnlich.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Mischung „Ferrari vs. VW“ gereicht hat, um einen ganz ansehnlichen Film auf die Beine zu stellen. Wer allerdings ein feines Cop-Drama oder einen intelligenten Polizeithriller erwartet, der ist hier falsch. „Edison“ ist ein Actionkrimi mit tollen Darstellern, die zwar auf Sparflamme agieren, aber immerhin ihr bekanntes Gesicht in die Kamera halten.

Fazit:

6 / 10

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