Review
von Alex Kiensch
Knapp 90 Jahre alt und immer noch frech und fröhlich: In der Frank-Capra-Komödie „Es geschah in einer Nacht" lernen sich der Reporter Peter (Clark Gable) und die entflohene Millionärstochter Ellie (Claudette Colbert) in einem Überlandbus kennen - und zunächst alles andere als lieben. Doch wie das mit Hollywood-Komödien eben so ist: Auf ihren abenteuerlichen Wegen, auf denen sie sich gegenseitig immer wieder helfen müssen, entwickeln sie mehr und mehr Gefühle füreinander. Bis zum Happy End braucht aber noch so einige Verwicklungen.
Frank Capra, einer der erfolgreichsten Komödien-Regisseure des klassischen Hollywood, inszenierte mit dieser Liebesgeschichte ein turbulentes Abenteuer, das mit viel Tempo, sympathischen Stars und gepfefferten Dialogen unterhält. Und das wichtigste Element funktioniert hier auch hervorragend: Die Chemie zwischen den beiden Stars stimmt einfach grandios. Gable als abgebrannter Reporter, der nie um einen frechen Spruch verlegen ist, dabei aber stets höflich und sympathisch und keinesfalls arrogant rüberkommt, und Colbert als verwöhntes Millionärstöchterchen, das den Fängen des Vaters entflieht, um zu ihrem Geliebten zu reisen, und mit den Erfordernissen einfacher Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln leicht überfordert ist, dabei aber niemals als reicher Snob erscheint, ergeben ein glänzendes Traumpaar. Ihr locker-leichtes, lange Zeit ironisierendes Zusammenspiel erzeugt einen herrlichen Buddy-Humor; ihre Zankereien, die nie wirklich eskalieren, machen richtig viel Spaß. Ein echtes Highlight ist dabei ihr gespielter Ehestreit, als sie Ellies Identität vor zwei Detektiven verbergen müssen.
Überhaupt ist „Es geschah in einer Nacht" ein starkes Beispiel für die Drehbuchkünste klassischer Screwball-Komödien. Die Dialoge sind messerscharf und von immer wieder ironischen Pointen durchzogen, die Charaktere sind zwar ein wenig oberflächlich, aber mit viel Liebe fürs Detail und rundum sympathischen Eigenschaften ausgestattet und die Handlung geht (wenn man von typischen realitätsfernen Hollywood-Details absieht) immer wieder überraschende und Tempo und Spannung aufrechterhaltende Wege.
Das alles ist mit so viel Charme und Verve inszeniert, dass man kleinere Schwächen wie ein paar kurze Durchhänger im letzten Drittel oder die etwas umständliche Inszenierung des Schlussteils gern verzeiht - immerhin gibt es hier auch schon eine Braut, die von ihrer eigenen Hochzeit davonrennt, ein ganz frühes Vorbild für 90er-Komödien mit Julia Roberts. Und dass die Chance nicht genutzt wird, sich kritisch mit der US-Oberschicht auseinanderzusetzen, kann man angesichts des überraschend freundlichen und einsichtigen reichen Vaters gern übersehen.
Insgesamt besticht „Es geschah in einer Nacht" durch starke und sehr witzige Dialoge, sympathische Figuren und tolle Stars, die ihre Rollen mit viel Schmackes verkörpern. Humor und Tempo machen daraus ein wunderbares Beispiel für klassisches Hollywood-Unterhaltungskino.