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Nach drei Jahren liefert Polanski endlich wieder einen Film ab.Die Adaption von Charles Dickens“Oliver Twist“könnte ein opulenter Augenschmaus werden,so dachte ich vor dem Kinobesuch,doch am Ende bin ich doch ganz schön enttäuscht,vielleicht waren meine Erartungen einfach zu hoch gesteckt…

Wir lernen den jungen Waisen Oliver Twist kennen,der es verdammt nicht gut hat.Er wird von jedem schlecht behandelt und landet zunächst bei den Sowerberrys,doch sein Aufenthalt wärt nicht lang und so schlägt es ihn nach einem langen Fußmarsch nach London,wo er schnell Anschluss bei einer Bande von jungen Dieben findet,die bei einem alten Kauz – Fagin –wohnen und von ihm „abgerichtet“ werden.Noch schlimmer ist jedoch sein Kompagnon Bill Sykes,der skrupellos und geldgierig handelt und auch vor körperlicher Gewalt nicht zurückschreckt.
Über Umwege gelangt Oliver Twist zum reichen Geschäftsmann Brownlow und freundet sich mit ihm an,der finstere Bill Sykes will sich diesen Kontakt zu Nutzen machen.

Dabei fängt alles so viel versprechend an,entsprechende Farbfilter sorgen für eine Optik,die einen sogleich in märchenhafte Abenteuerlaune versetzt.Auch im weiteren Verlauf ist die Farbgebung tatsächlich einer der wenigen Höhepunkte des Streifens,die sehr gekonnt zwischen malerisch sommerlich und dreckig düster eine recht treffende Atmosphäre aufkommen lässt,was man von den Kulissen leider nicht behaupten kann,denn die wirken größtenteils recht lieblos und erreichen nicht mehr als Theaterstandard.Für einen Fachmann wie Polanski fast schon ein Armutszeugnis.

Den Darstellern kann man keinen Vorwurf machen:Ben Kingsley agiert routiniert als zausseliger Kauz Fagin und sorgt für die einzige emotional bewegende Szene im ganzen Film.
Auch Jamie Forman kann als Bösewicht überzeugen,etwas blass hingegen erscheint Barney Clark als Oliver Twist.Manche Support-Kinder hätte man auch sorgfältiger casten können,denn zuweilen fällt aufgesetzt-künstliches Lachen recht negativ auf.

Nun,was lässt sich aus einem Klassiker wie Oliver Twist machen ?
Eigentlich eine ganze Menge,wenn man Polanskis Talent und seine Möglichkeiten bedenkt,doch zu keiner Zeit hat mich das Schicksal der Hauptfigur ergriffen,es fehlt komplett an Herzblut.Packende Momente sucht man vergebens,alles recht gefällig.Zuweilen etwas spaßig(der genervte Richter),selten spannend(Flucht über ein Dach)und meistens leidlich unterhaltsam,so dass man sich in den über zwei Stunden schon mal im Kinosessel windet.

So bleibt am Ende nur genügsame Kost,ohne Ecken und Kanten,mit treffsicherer Optik und einem angepasst zurückhaltenden Score.
Trotzdem schade,dass Polanski gänzlich auf Charme verzichtet hat,so wäre vielleicht mehr drin gewesen…
6 von 10 Punkten

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