Ridley Scotts Genrerevolution - der düstere Science-Fiction/Horror-Film “Alien (1979)” (ein immer noch absolut sehenswerter Klassiker) - zog, wie es ja üblich ist bei erfolgreichen Filmen, eine Menge Nachzügler und Nachahmerfilme vor allem im Low-Budget-Bereich nach sich. Eine dieser Produktionen war X-Tro.
Worum gehts?: Ein Familienvater wird von Außerirdischen entführt (Überraschung!) und Jahre später in ein Monster verwandelt wieder auf die Erde zurückgebracht. Er schwängert eine Frau, aus der ein äußerlich mit dem Mann vor der Entführung identischer “Klon” hervorbricht. Dieser bricht in die neuentstandene Idylle seiner Familie ein und schafft es, seinen Sohn zu infizieren. Als auch dieser beginnt, sich zu verändern, nimmt ein Alptraum seinen Anfang...
Mehr sei nicht gesagt, da man diesen Film - im Gegensatz zu seinen Fortsetzungen (Die übrigens nichts mit dem originalen Film zu tun haben, sondern nur den Namen kopieren, um sich auf diesen Film zu berufen) - ernst nehmen kann, will ich sonst nichts vorweggreifen.
Ernst nehmen heißt: Trotz seiner B-Film-/Low-Budget-Herkunft hat der Film Niveau. Die Geschichte ist trotz des Bezuges auf “Alien” originell und eigenständig und dazu auch noch relativ unvorhersehbar, sodass man nicht genau vorhersagen kann, was im Einzelnen passiert. Resultat ist verständlicherweise ein gewisses Maß an Spannung und Erwartung, anders gesagt: Unterhaltung.
Jedoch kann man ihn trotz Allem nicht als gehobenen Beitrag betrachten; was den Film wieder ins gehobene Mittelmaß zurückfallen lässt, ist die Inszenierung, wie uns das Ganze nun vor die Augen geführt wird und die Autonormalbürger-Tauglichkeit: Die Stimmung ist düster, atmosphärisch ist genug geboten. Allerdings wirkt die Aneinanderreihung der Handlungsabläufe sehr lieblos, unambitioniert, fast schon fad. Spannungsbögen entstehen auf Handlungsebene, und nicht auf stilistischer Basis a la Schnitt/Kamera, der Film läuft geradlinig auf einer Tempoebene. Das lässt uns zu sehr kalt, als dass der Film uns genug mitreißen könnte, ihn als “gut” zu bewerten. Auch nimmt der Film sämtliche Handlungen und Ereignisse ohne jegliche Erklärung einfach hin - was den Zuschauer zum Erklären nötigt. Zwar gibt es Stellen in jedem Film, wo Erklärungen unnötig sind, und man sich mit der Nase draufgestoßen fühlt, wenn das Offensichtliche erklärt wird. Ja es ist sogar als positiv anzumerken, wenn ein Film den Zuschauer nachdenken lässt, wenn er einem nicht alles vorkaut. Jedoch in einem Film mit so vielen originellen, unkonventionellen Ideen vollständig auf Erklärung oder zumindest Ausführung zu verzichten bedeutet, den Zuschauer mit seinen Erklärungen nur die Chance auf einen Schuss ins Blaue zu lassen - Und das ist zu wenig. Das stört und mindert den Unterhaltungswert. Letztendlich wirkt der Film durch diese Negative zu schwammig und unbestimmt, hinterlässt beinahe ein fades Gefühl, was sich mit der allgemein düsteren Atmosphäre und der Originalität beißt. Fehlendes bzw. nicht genügendes Hervorheben von Schlüsselszenen besiegelt das Schicksal des Films, sich doch nicht als wichtiger Genrebeitrag zu etablieren...
Als letzter Kritikpunkt ist vielleicht zu erwähnen, dass es dieser Film im Gegensatz zu seinem Vorbild nicht schafft, zeitlos zu bleiben. Alien beispielsweise ist selbst heute - Jahrzehnte später - immer noch ein sehenswerter Film. X-Tros Art, alles zu zeigen, war damals ein Grund seines relativ großen Erfolgs, ist heutzutage jedoch geradezu lächerlich. Im besten Fall denkt man sich, dass die Leutchen für damalige Verhältnisse ganz gut gearbeitet haben, jedoch haut nichts davon einen vom Stuhl - eher hat das Ganze heutzutage fast schon Trashfilm-Charakter...
Letztendlich lässt sich also sagen, dass der Film sehr gute, originelle Einfälle als Basis bietet und es fertig bringt, eine düstere Atmosphäre zu schaffen. Den Zuschauer jedoch die ganze Lauflänge über vor den Bildschirm zu bannen, fehlt es an Tempowechseln und Stilelementen, die Handlungsschlüssel hervorheben und fehlende Erklärungen bzw. Ausführungen werfen Fragen auf. Spannungsbögen gibt es auch nicht. Und der Zahn der Zeit hat viel der Faszination zerstört...
Somit bleibt ein origineller Film mit guten Ansätzen, der es jedoch nicht über die Breite Masse schafft. Somit nur 5/10.