"E. T." war wohl nicht jedermanns Sache, scheinbar erst Recht nicht die von Harry Bromley Davenport. Der Regisseur von "X - Tro" pfeift hier auf das Konzept eines kinderfreundlichen Science Fiction - Abenteuers und trifft bei seinem Rundumschlag gegen die heile Welt gleich noch die Keimzelle Familie mitten in ihre Magengrube. Und das mit Erfolg: dieses weirde Stück Film brachte Mr. Davenport im Rahmen der "E. T." - Mania einen arschvoll Geld und einen verdienten Kultstatus ein: "X-Tro" ist bis heute der inoffizielle Anti - E.T. und nach wie vor sehr beliebt.
Bereits am Anfang stopft Davenport die Pfeife, in der er das Konzept Familie raucht: zu Beginn nämlich darf die Familie Phillips im Urlaub ihren Patriarchen Sam beim Spielen mit Sohn und Hund einbüßen, der von Außerirdischen per Traktorstrahl vom Rasen gepflückt wird. Die abwesende Mutter Rachel hält ihren traumatisierten Sohn Tony infolgedessen für verrückt, behauptet er doch, ein UFO hätte Papi abgeholt. Mutti kratzt es nicht: drei Jahre später ist mit Fatzke John ein neuer Stecher und Stiefvater angelacht und auf Sohnemanns Traumata wird geschissen.
Bis Sam schließlich erst blutige Telekinese - Grüße an Sohnemann ausrichtet und dann nach uneinvernehmlichem Sex zwischen Alien und Erdlingsfrau per Blitzschwangerschaft wieder in unsere Qelt gequetscht wird. Ab hier gilt: der Film kann Spuren von "Was zum Fick!?" enthalten. Ziemlich große Spuren. Der Heimkehrer infziert Söhnchen Tony in einer unangenehmen Kusszene mit seinen Kräften und versucht, das Herz seiner geschassten Frau zurückzuerobern. Unterdessen quält Tony mit seinen neuen Gaben alle, von denen er sich ungerecht behandelt fühlt. Zudem plagt den Vater das intergalaktische Stockholmsyndrom, weshalb er zurückkehren will. Aber zuvor stopft er noch Sohnemann ins Gepäck.
Auch Jahre nach Erstsichtung bin ich mir nicht sicher, ob das Ganze hier einen gewisse Agenda verfolgt: inszeniert Davenport hier etwa ein klangheimliches Familiendrama über einen toxischen Vater, der nach langer Abwesenheit eine gewaltsame Rückkehr in die inzwischen wieder stabilisierte Familie versucht? Sams unwirklich - monströse Kräfte, Tonys emotionale Vereinnahmung, Rachels Neigung zur Verdrängung sprechen dafür, zumindest ich als ausgebildeter Pädagoge interpretiere das großzügig in den Plot. Die Wahrheit ist aber wahrscheinlich, dass Davenports Script rein auf seinem Wunsch basiert, das Außeriridische als möglichst befremdliches Übel mit ebensolchen Naturgesetzen darzustellen.
Und obwohl ich nicht der größte Fan des Filmes bin muss ich zugeben, dass es funktioniert. Die Gründe für die Entführung und Transformation Sams werden nie erläutert, dass er aber einer absurden Welt entflohen ist und sich von unserer entfremdet hat wird aber überdeutlich. Zu jeder Alltäglichkeit stoßen Killerclowns, mordende Zinnsoldaten und herbeibeschworene Panther oder Leute sterben auf andere irreale Weise, ausgesaugt oder vergewaltigt von Außerirdischen. Das kryptische Ende der Kinofassung ist dann der surreale Höhepunkt der schrägen Atmosphäre, die sich durch den Film zieht. Vor allem der comicartig - kindliche Stil der gezeigten Gewalt, die später vor allem durch Tonys Gabe und seine Vorstellungskraft entsteht, fällt dabei ins Auge.
Wie gesagt bin ich nicht der Riesenfan des Filmes, aber muss zugeben, dass er faszinierend ist, gerade wegen seiner geballten Weirdness absurd heller und widerlich düsterer Momente. Der Kultstatus ist jedenfalls nicht unverdient und wen die Neugier geweckt hat sollte sich trauen, in diesen Film einzutauchen.