Review

Anfangsnotiz: Enthält wohl Spoiler (Nicht zu verwechseln mit Broiler dem ollen Brathähnchen!)

Sal's Pizzeria ist Treffpunkt und Lieblingsfutterluke vieler afroamerikanischer Heranwachsender in Brooklyn. Sal selbst ist italienischer Herkunft, führt den Schuppen mit seinen beiden Söhnen Vito und Pino. Als Lieferanten hat er den Schwarzen, in der Gegend wohnenden Mookie angestellt. Im Gegensatz zu Vito der immer ein offenes Ohr für Mookie hat, ist Pino alles andere als angetan von seiner farbigen Nachbarschaft. Als Mookie's Kumpel "Buggin Out" (Jep, er sieht aus wie er heißt !), ein extrovertierter Schwachkopf einige Sachen an Sal's Laden auf's übelste kritisiert und Sal mit Laden-Boykott droht eskaliert die Situation im Viertel.

"Do the Right Thing" ist ein unglaublich guter 80'er Jahre Brooklyn Film der komischen Humor mit ernsten Themen vermischt. Spike Lee, auch Regisseur des Werkes spielt hier den etwas perspektivlosen Prota- bzw. Antagonisten Mookie, der in seinem Viertel dennoch als Aufsteiger gesehen wird, da er wohl "Einer der Wenigen" mit festem Arbeitsplatz ist. Was sich hier noch als fluffig cooles Streetmovie mit leichten Rassenkonflikten verspricht, spitzt sich innerhalb der Laufzeit mehr und mehr zu aufgrund enorm hoher Temperaturen am heißesten Tag des Sommers, denen die Bewohner der Stadt schier ausgeliefert sind. Selbst als Zuseher spürt man die Hitze New Yorks hier förmlich, als würde Sie einem den eigenen Hintern grillen. Bei heftigsten Temperaturen wird in nur dieser einen Straße, in der "Do The Right Thing" spielt der Unmut gegenüber seinen Mitmenschen ausgekotzt: Blöder Nigger, milchige Käsefresse, Schlitzäugiger Japse, hässlicher Tacco-Fresser! Obwohl sich alle irgendwie kennen, sorgen die schwülen Temperaturen dafür dass sich die vielen Nationalitäten plötzlich alle ans schwitzige Leder wollen.

Die Darsteller agieren trotz bekannter Gesichter etwas seltsam bis einfältig wobei man sich hier fragt ob das wohl die Absicht des Regisseurs war um dem Film einen satirischen, fast schon comichaften Flair zu verpassen. Komisch anmutende Szenen in denen Darsteller etwas gekünstelt in die Kamera blicken und eine Art Monolog führen wirken auf den Zuschauer so als würden diese eine Art Kurz-Interview bzw. Statement zur Lage abgegeben. Das gefällt mit Sicherheit nicht jedem, genauso wie der bekloppte aber passende Humor. Mit von der Partie sind hier Danny Aiello als Pizzabäcker, Ossie Davies als der Mayor, ein philosophierender Stadtsäufer, Samuel L. Jackson als Radio-DJ und auch Kasperkopp Martin Lawence (Bad Boys) ist hier in einer seiner ersten Rollen als "Strassenpöbel" mit zappeligem Overacting zu sehen.

Trotz episodenhafter Aufmachung, seicht vorranschleichender Handlung und over-the-top Humor schafft es Spike Lee seinen Charakteren Glaubwürdigkeit zu verleihen. Auch das Mookie am Ende sich der "Anti-Pizza-Bewegung" wortlos anschließt bzw. sogar einer der Anstifter für die Eskalation ist, nur um wahrscheinlich sein Gesicht im Viertel zu wahren, zeigt dann doch dass mancher Charakter ernsthafter geschrieben ist als dass es eigentlich in eine solch flockig, lockere Komödie passt. Am Ende denkt man sich nur, scheiße das es so ausgehen musste denn das egoistische Wohlgefallen als eigene Ideale hinzustellen endet hier in einer stumpfsinnigen Plünderei epischen Ausmaßes von der keiner der Beteiligte im Endeffekt etwas hat. Nach der Revolte gegen Sal leben die Bewohner ihren folgenden Tag ganz einfach weiter als wäre nichts passiert, was aufzeigt das die Reaktion auf den Angriff am Vortag mehr ein kurzer Aussetzer menschlichen Denkens war, als ein ernsthafter Aufstand hinter dem wirklich was steckte.

Ob einem dieser kuriose Mix-Max am Ende zusagt muss jeder für sich entscheiden. Aber selbst Leute denen die etwas mit dem Holzhammer bescherte Botschaft nicht gefällt, könnten "Do the Right Thing" mögen, da der Unterhaltungswert trotz alledem stimmt.

Fazit: Intelligenter Film dessen Botschaft nicht einmal bloßes rassistisches Denken als Auslöser von Gewalt aufzeigt, sondern auch die Umstände, in diesem Fall das kopfberstende Klima, welches "Mitschuldiger" ist und die Situation dann erst eskalieren lässt. Unterhaltsam wie nachdenklich und selten habe ich so ein Thema in solch "fröhlicher" Atmosphäre verpackt gesehen.

Schade das auf der aktuellen DVD kein deutscher Ton enthalten ist, denn die alte Synchro ist gar nicht mal schlecht bis auf die bekloppte Übersetzung des Mayors auf "Den Mäher".

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