Gelungene Verfilmung der (wahren) Geschichte der Schweizerin Carola Lehmann, die am Ende eines 2-wöchigen Kenia-Pauschalurlaubs entschließt, der Zivilisation den Rücken zu kehren und einem stolzen, hochgewachsenen Massaikrieger, dem sie zufällig auf einer Fähre begegnet, in den Busch zu folgen und fortan mit ihm zu leben - radikal und unwiderruflich.
Trotz aller Bemühungen, die kulturellen Unterschiede zu überwinden, geht nach mehreren Jahren die Beziehung in die Brüche und Carola kehrt mit ihrer Tochter in die Schweiz zurück.
Kitschfrei und weitgehend schnörkellos erzählt der Film die Geschichte dieser ungewöhnlichne und bizarren Liebe.
Nina Hoss überzeugt als "die weiße Massai", ahnungslos aber mutig; naiv und doch couragiert; vor Liebe blind, aber nicht blöd; zu allem entschlossen und doch zum Scheitern verurteilt in ihrem Versuch, ihre mitteleuropäische Denkweise auch im afrikanischen Busch anwenden zu können.
Sie muß erkennen: der gesunde Menschenverstand hilft hier nicht weiter. In ihrem Streben nach Unabhängigkeit weckt sie nur die rasende Eifersucht in ihrem Mann und verletzt seinen Stolz zutiefst. Sie will Veränderung, aber nur Anpassung hätte diese Beziehung (vielleicht) dauerhaft erfolgreich gemacht.
Regisseurin Hermine Huntgeburth verzichtet wohltuenderweise auf romantische Ausschmückungen und bleibt bei ihrem Thema: sie zeigt das Scheiternmüssen einer Beziehung zwischen zwei sich diametral gegenüber stehenden Kulturen und spart dabei nicht an z. T. drastischen Details, wie dem Schlachten einer Ziege, oder der Totgeburt eines Babys auf der Ladefläche eines Jeeps.
Angenehmer fürs Auge sind da schon die grandiosen Landschaftsaufnahmen der kenianischen Steppe.
Die autobiographische Buchvorlage kenne ich nicht und kann daher nicht beurteilen, inwieiweit der Film abweicht (bzw. abweichen mußte) von der Geschichte der echten Carola Lehmann.
Als Film funktioniert "Die weiße Massai" jedenfalls - insbesondere in der Schilderung der Lebensgewohneheiten der uns so fremden Massai. Vielleicht winkt da 2006 wieder eine Oscarnominierung?
Sehenswert! (9/10)