Weinen Sie (vor Kummer) oder lachen Sie (hämisch), denn „High Spirits“ macht seinem Namen nur insofern alle Ehre, dass sie reichlich hochprozentige Geister benötigen werden, um ihn unfallfrei durchzustehen.
Wobei man dem sonst eigentlich recht geschmackssicheren Regisseur Neil Jordan (The Company of Wolves, Mona Lisa, The Crying Game) nicht automatisch den schwarzen Peter für diese filmische Katastrophe zuschieben sollte, denn laut der kursierenden Aufzeichnungen hatte er den Film ganz anders konzipiert, nämlich wesentlich romantisch und mit mehr Hintergrundsgeschichte für die geisterhaften Teilnehmer an dieser Charade.
Offenbar trat er damit aber in die Bärenfalle nicht der Nichtkommerzialität, denn weil niemand wusste, wie der Film zu bewerben war, schloß man ihn angeblich aus dem Schnittbereich aus und präsentierte anschließend dieses furchtbar alberne Gezuppel aus Love Story, postmoderner Screwball-Comedy und albernem Klischee-Slapstick, der zwar ansatzweise vorgibt, in Dromore Castle in Irland gedreht worden zu sein, aber praktisch in jeder Innenaufnahme nach Soundstage riecht.
Wir wollen uns nicht falsch verstehen: die 80er Jahre waren angereichert mit so einigen Gruselkomödien und die meisten davon waren schrecklich – schrecklich witzlos. Ob es sich jetzt um „Hochzeitsnacht im Geisterschloss“, „Transsylvania 6-5000“ oder den verspätet nachgereichten „Valkenvania“ handelt, nirgendwo war eine wirklich gute Story oder gute Gags zu finden, allein Tim Burton traf mit seinem „Beetlejuice“ den richtigen Ton für die Zukunft.
„High Spirits“ jedoch ist nicht einfach nur öde und abgedroschen, er touchiert auch in seiner jetzigen Fassung sehr häufig die Grenze zum Infantilen. Da wird streckenweise endlos hysterisch durcheinander gesabbelt und fortwährend agieren die Figuren gegeneinander und unverständlicherweise parallel.
Man macht fortwährend Anleihen bei den „Haunted House“-Filmen der 30er und 40er (die auch schon keine Glanzlichter der Comedy waren) und versucht den Witz zu modernisieren, was im Wesentlich darauf hinaus läuft, irgendwelche verklausulierten Sexwitzchen unterzubringen.
Ferner soll der Witz auch noch aus den Gegensätzen zwischen einheimischen Iren (etwas degeneriert wirkenden Trinkern), einreisenden Amerikanern (überdrehten Oversized-Karikaturen) und den Geistern (irgendwo zwischen britisch-ironisch und übertrieben) herausgekeltert werden, was sich aber überhaupt nicht verbindet, so dass jede Fraktion bemüht vor sich hin albert.
Während Daryl Hannah also die geisterhafte Liebschaft halbwegs „sweet“ über die Bühne bekommt, will der frisch aus „Police Academy“ entlassene Steve Guttenberg in furchtbar übergroßen Jackets und eingeöltem 80er-Löckchen-Pudel so gar nicht passen, wenn er seine schlimmste Cary-Grant-Imitation zum Besten gibt. Liam Neeson, der hier in einer frühen Rolle den gut gebauten irischen Eifersuchtsgeist mit den „besten Bahookies“ zu geben versucht, ist komplett verschwendet, während er sich wiederum der unerträglich herumkeifenden und –kreischenden Beverly D’Angelo annähert, die man praktisch in jeder Szene einfach nur erschlagen möchte.
Parallel dazu hält eine noch recht junge Jennifer Tilly mit ihrem patentierte Lower-Class-Charme den drögen Peter Gallagher davon ab, sein Gelübde abzulegen; Marin Ferrero und Connie Booth geben ein furchtbar unlustiges Parapsychologenpärchen mit drei doofen Kindern und der große Peter O’Toole, der doch tatsächlich für Sean Connery einsprang, scheint zwar bemüht zu sein, den Vorbildern der Vergangenheit zu folgen, ist aber irgendwie nie so ganz im gleichen Film.
Das führt vor allem zu einer ungewöhnlich großen Menge ungewöhnlich schlecht inszenierten Slapsticks rund um rasende Himmelbetten, durchs Fenster krachende falsche weiße Frauen, schwebende und absaufende Busse und plötzliche Blitzeinschläge, während allesamt im 10-Minuten-Takt wild durcheinander schreien. Praktisch jeder alte Gag, von der Ritterrüstung bis zu Vatis Geist werden recycelt und selbst WENN häufig recht ruppig wirkende Schnitte und zahlreiche kurz aufgegriffene und dann nie wieder angerührte Plot-Ideen darauf hindeuten, dass irgendwelche Schnittmetzger aus der Romanikkomödie eine Alberei gemacht haben, kann der gesamte Tonfall des Films nicht durch den Schnitt produziert worden sein. Was bedeuten würde, dass der Film auch in seiner Ur-Form vermutlich nicht zueinander gefunden hätte.
Was die notwendigen Effekte angeht, die so eine Fantasykomödie nun mal braucht, kann ich jedem versichern, dass die Effekte irgendwo zwischen passabel-akzeptabel (optische Tricks; Figuren, die durch Geister greifen/fallen (ein hier zu Tode gerittener Gag)) und entsetzlich banal (ins Bild gezeichnete Geister zwecks Draht- und Krankaschierung, durchsichtige Matte-Shots, miese Ränderung) changieren. Auch die Dialoge können da nichts retten, vor allem wenn das debile Dauergesabbel Guttenbergs auf Hannahs Liebesgesäusel trifft.
Wahrhaft charmant ist nur eine einzige Sequenz, die ihre Budgetbeschränkungen wunderbar löst: während einer Geisterattacke auf das Kellerlokal des Schlosses, indem sich auch eine Bühne mit Holz- und Pappschnitthintergründen befindet, entwickelt selbige ein fatales Eigenleben (es ist leider gerade eine Szene auf See zu sehen), was auch bedeutet, das s im Kameragegenschuss große Seewasserwogen und Seemonstertentakel „real“ auf die Gäste lospreschen, während umgekehrt immer nur die Holzschnitte sich gemütlich bewegen.
Am Ende wird natürlich alles gut, doch das bewahrt den Film nicht davor, vollkommen aus der Zeit gefallen zu wirken, wie eine bemühte Hommage an frühere Kintopp-Zeiten, die man modern hat aufmotzen wollen.
Leider ist es unmöglich, bei oder nach Ansicht von „High Spirits“ wirklich in Frieden (in sich) zu ruhen. (3/10)