Review

Eigentlich hätte die Vorabinfo aus der Filmzusammenfassung schon genug Abschreckung auf mich ausüben müssen. Wie schon in der nur mäßigen Verfilmung aus dem Jahre 1961 mit Harryhausens Stop-Motion-Monster ahnte ich auch diesmal nichts Gutes für die Verne-Adaption. Und ich ließ also schon im Vorfeld alle Hoffnung fahren, endlich mal mit einer würdigen Buchumsetzung verwöhnt zu werden. Ich werde den Film auch nur wenig mit dem Buch „Die geheimnisvolle Insel" - mein Lieblingsbuch von Jules Verne übrigens - vergleichen, denn da gibt es kaum Berührungspunkte. Vielleicht hat die Eigenständigkeit, die sich die Filmemacher so gerne anheften wollen, ja doch ihren Reiz? Erkenntnis nach Filmende: Hat sie nicht.

Der Anfang irritiert dann doch: Der komplette Titel wird eingeblendet: „Jules Verne's Mysterious Island"! Dann während des Vorspannes auch noch: „Based On The Novel By Jules Verne". Oha, hier meinen es die Leute wohl doch ernster, als ich erst dachte? Die Wolken lichten sich und der Blick fällt auf eine malerische Insel aus der Vogelsperspektive: Dichte Wälder, schroffe Klippen, hohe steile Bergketten, und sogar der aus dem Buch bekannte Vulkan ist im Bild und qualmt vergnügt vor sich hin. Also fürs Auge erst mal nicht schlecht.

Die erste Szene zeigt dann die Landung von Piraten, die auf der Insel nach einem Schatz suchen. Nicht gerade originell als Einstieg, aber immerhin als Aufhänger nicht zu kritisieren, denn während des Landganges wird schon mal, halb verdeckt im Dunkel einer Höhle, auf die gefährlichen Wesen aufmerksam gemacht, die hier den ersten Unhold wegknuspern.

Dann überraschender Schnitt auf ein Gefangenenlager der Konföderierten in den USA. Es ist Bürgerkrieg und einige Personen wollen mit einem Heißluftballon fliehen. So fängt das Buch auch an. Der kluge Ingenieur Cyrus Smith steht an der Spitze des gefährlichen Unternehmens, an dem auch noch zwei Frauen teilnehmen. Ist zwar nicht ganz vorlagengerecht, aber Verne musste ja auch nicht verschiedene Zielgruppen bedienen wie bei einer heutig gewünschten Massenkompatibilität. Kann ich auch verstehen, aber verflixt noch mal, jetzt fange ich schon wieder mit diesen ewigen Vergleichen zwischen Buch und Film an.

Also akzeptiert, mit zwei Frauen an Bord und einigen Männern geht's in die Lüfte. Nach etlichen Tagen über dem Meer erfolgt der Absturz auf der Insel. Jetzt könnte es vielleicht spannend werden, denn wer verdammt rettet Cyrus Smith aus dem Meer? Doch spannend war gestern, denn bereits nach einer knappen halben Stunde die Auflösung: Smith schließt Bekanntschaft mit dem Herrscher der Insel, Kapitän Nemo. An seiner Seite Smiths Retter, sein Diener Joseph. Die Interaktion zwischen den drei Männern ist eher öder Natur, Nemo macht kurz und trocken klar, dass er keine Menschen auf der Insel dulde, sein Diener will im Gegensatz dazu einen Suchtrupp losschicken und Smith ist vom dem technischen Schnickschnack in seinem schlossähnlichen Gefängnis überwältigt und von Nemo gleichzeitig befremdet. Doch ist das alles mies geschauspielert, keiner verzieht irgendwie eine Miene und steif sind wohl nicht nur die Briten, wie ich hier sehe.

Kommen wir also zu den gar grausligen Monstern. Erst mal Kompliment an die Macher, die den Schutzzaun zu Nemos Anwesen so perfekt aus „Jurassic Park" nachgebaut haben, oder aus Kostengründen selbigen sogar ausgeliehen haben. Oder sollte ich besser sagen: geklaut haben? Der Schutz ist auch bitter nötig, denn hier wird einiges aufgefahren: Schlange, Rabe, Ameise, Gottesanbeterin und im Showdown jede Menge Spinnen. Alle Ungetüme sind ihren Artgenossen zumeist in Übergröße nachempfunden und die Tricktechnik ist dabei recht mau, insbesondere scheinen die am PC generierten Viecher bisweilen Probleme mit ihrer Umgebung zu haben, zu gekünstelt sah manch Verschmelzung mit dem Hintergrund aus und wenn Piraten von flutschigen Krakenarmen im Gesicht getroffen und die Tiefe gezogen wurden, wurde es sogar lustig, weil sehr comicmäßig.

Die Piraten sind übrigens immer noch auf der Suche nach dem Schatz, doch nervt die zusammen gewürfelte Mixtur aus Monsterhorror, ein bisschen „Die Schatzinsel", dazu eine Art Aldi-Variante vom „Fluch der Karibik" und den vergewaltigten Überresten der Verneschen Vorlage mit fortschreitender Filmdauer immer mehr, und leider ist dieses Machwerk auch noch 160 Minuten lang. Zäher ist nur zwei Monate alter Kaugummi, der unter der Tischplatte im Klassenzimmer klebt, und den will schließlich auch keiner mehr kauen. Als es dann am Schluss sogar noch tote Hauptpersonen gibt, verwundert zwar, lässt einem aber als Zuschauer seltsam kalt. Und als nach dem explosiven Ende der Insel - der Vulkan bricht aus - die Flucht in einer Nussschale in den Sonnenuntergang gezeigt wird, kann man das idyllisch oder auch hirnverbrannt finden, denn Land kommt erst wieder nach einigen zig Tausend Kilometern in Sicht. Ich wünsche jedenfalls gute Fahrt und danke allen Beteiligten, dass endlich Schluss ist.

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