Review

Das 17jährige Mädchen Haruka Tsumura sieht ein "UFO" - sie sagt selber, daß es wahrscheinlich nur ein Ballon ist, aber sie möchte daß es ein UFO ist. Sie ruft ihm nach "Holt mich fort". Kurz darauf wird sie von einem Mann mit Hilfe eines Messers entführt und in dessen kleiner Wohnung festgehalten. Der 45jährige Mann könnte ihr Vater sein, aber Haruka ist ohne Vater aufgewachsen. Wie sich später herausstellt, ist er Lehrer. Zunächst macht der Entführer einen Vergewaltigungsversuch, als sie sich wehrt hört er aber damit auf und ist ab dann sehr freundlich zu ihr. Nur daß sie angekettet bleibt und anfangs wird ihr auch der Mund verklebt. Haruka scheint sich nach ein paar Tagen an die Gefangenschaft zu gewöhnen. Der "Umschwung" in ihrer Beziehung zu ihrem Entführer wird deutlich, als ihr eine Schere in die Hand gibt, damit sie von einem neugekauften Kleid die Kaufhaus-Etikette entfernt. Er dreht sich auch noch von ihr weg, aber sie versucht nicht die Schere zu benutzen, um Gewalt über ihn zu erlangen. Diese Szene ist etwas aufdringlich inszeniert, ansonsten entwickelt sich alles sehr langsam und behutsam. Schließlich kommt es soweit, daß Haruka nicht einmal mehr versucht, sich bemerkbar zu machen, wenn sie allein in der Wohnung ist und jemand an der Tür klingelt. Als sie auch noch EIfersucht gegenüber seiner beschwipsten Kollegin zeigt, ist es klar, daß die Beziehung keine einseitige mehr ist. Das führt dazu, daß er ihr seine Geschichte erzählt. Beide sind sich in ihrer früheren Isoliertheit sehr ähnlich. Schließlich sagt sie dem Mann, zu dem sie inzwischen "Papa" sagt (auch auf japanisch: Papa!), daß sie "bereit" sei, nämlich zum Sex. Dabei sind dann beide mit Handschellen verbunden!
Der Film ist sicher nicht sonderlich außergewöhnlich, aber doch verstörender als die üblichen Sexmaniacs, Vergewaltigungen u.ä. was man - nicht zuletzt aus Japan - gewohnt ist. Die Kamera dokumentiert das Geschehen, keine Ästhetisierungen und Verfremdungen, sondern Nüchternheit pur. (In diesen Szenen der Gefangenschaft, ansonsten ist "das UFO" die Ausnahme hiervon.) Trotz der sich entwickelnden Beziehung zwischen den beiden bleiben die Schauspieler lange sehr kühl - wie es für offenbar emotions- und beziehungsgestörte Personen völlig korrekt wiedergegeben ist. Kaum Musik. Eine wichtige Rolle spielt auch das tägliche Polaroidfoto daß der Lehrer von ihr macht und mit Datum und Gewichtsangabe (!) an die Wand heftet.
Ein gewisser Wandel tritt mit der Szene ein, die erstmals erotisch ist: das Waschen bzw. Einseifen des Mädchens in einer Wanne mitten im Zimmer (schon als höchst unerotische Angelegenheit eine Stunde zuvor vorgekommen). Gezirpe im Hintergrund, die Schauspieler gehen aus sich heraus, Darauf folgt dann gleich eine weitere erotische Szene mit - für diesen Film - satter Musikuntermalung.
Nach ein paar weiteren Tagen ziehen sie in das leerstehende Haus seiner verstorbenen Mutter. Haruka stellt sich ganz darauf ein, ab jetzt die Hausfrau zu spielen. Es kommt aber zu einer weiteren erotischen Szene, an deren Ende plötzlich ein Immobilienvermittler mit Kunden zur Besichtigung in die Wohnung kommt, schließlich steht diese zum Verkauf! Sie können sich zwar noch einmal verstecken, aber nachdem sie mit dem Auto weiterfahren, werden sie von der Polizei gestellt, die die sich anbahnende Idylle beendet.
Überflüssigerweise ist die simple, aber auch verstörende Geschichte noch in den Rahmen einer Begegnung von Haruka mit einem Psychologen eingebaut, der noch so etwas wie Deutung nachliefert. Das stört. Natürlich sagt ein Film über ein solches ungewöhnliches Ereignis auch etwas über das gewöhniche Leben (nicht nur) in Japan aus. Aber das versteht man auch so.
Die beiden Hauptdarsteller verkörpern den Typus des einsamen modernen Menschen, dem es unmöglich ist auf normalen Weg - ohne "UFO" oder Gewaltverbrechen - aus der Isolation auszubrechen, in ihrer Trivialität glänzend. Die damit kontrastierenden kurzen Erotikszenen sind auch gelungen. Der sparsame Musikeinsatz gefällt mir ebenso wie die im "Gefängnis" dokumentierende, in den Außenaufnahmen aber bewegte Kamera. Daß der Film ein Meisterwerk ist, würde ich trotzdem nicht sagen, auf die anderen Teile hat er mich jedenfalls neugierig gemacht.

Details
Ähnliche Filme