MINUS ZWEI (a/k/a "Der Partykeller") ist ein ungewöhnlicher Film, der mit einer ungewöhnlichen Erzählstruktur überrascht. Was wir sehen sind die Erinnerungen von vier Personen, die sich selbst in ihren Erinnerungen jeweils ganz anders sehen, als sie von den anderen gesehen werden. Klingt komplizierter, als es ist.
Der Film ist formal unterteilt in vier Episoden ("Freddo", "Kiana", "Tim" und "Michael") und stellt insgesamt die Ereignisse auf einer Geburtstagsparty mit etwa 50 Gästen (wie immer kommen viel zu viele Leute *g*) dar. Jede Episode wurde von einem anderen Regisseur inszeniert. Dadurch ergeben sich nicht nur Storytechnische Unterschiede zwischen den Episoden, sondern auch inszenatorische. "EB-mäßige" Inszenierungen wechseln mit "Soap-artigen" und "filmischen". Trotzdem hält alles wunderbar zusammen (nicht zuletzt durch den großartigen Schnitt, der Mut zum "Jump-Cut" und experimentieren hat!).
Besonders gelungen ist der Soundtrack des Filmes, der komplett aus Newcomer Bands besteht und clever abgemischt wurde. Um den Eindruck zu erwecken, dass es sich tatsächlich um die Musik handelt, die auf der Party gespielt wird, wurde der komplette Film nach dem Schnitt nocheinmal mit der Kamera in den gleichen Kulissen abgefilmt (diesmal natürlich ohne "störende" Schauspieler), während aus der Stereoanlage die Musik gespielt wurde. Der so aufgezeichnete Ton wurde dann unter den Film gelegt, so dass sich der Eindruck ergibt, die Musik sei tatsächlich an Ort und stelle so zu hören gewesen. Einfach und genial!
MINUS ZWEI ist aber vor allem sehr witzig (besonders in der ersten Episode) und fängt den "Zeitgeist" der heutigen Generation 20X wunderbar ein. Besonders positiv fällt der unverkrampfte Umgang mit Sex, Alkohol und Drogen auf. Kein "...wir Kinder vom Bahnhofzoo-jetzt-sind-wir-alle-ja-soooooooo-betroffen-Sch***" (ohne den anderen Film jetzt bewerten zu wollen *g*). Hier wird einfach nur gezeigt, was Realität ist. Die Wertung überläßt der Film dem Zuschauer.
Die Darsteller, allen voran Markus Lukas als "Freddo" und Christian Schuster als "Dieter", können durchweg überzeugen. Markus Rudolf ("Tim") ist in seiner Rolle als gestresster "Partyausrichter" absolut glaubwürdig und Dorothea Kirschner ist eine echte "Alien-Queen"! *g*
Ich hatte das Glück, den Film bei seiner Premiere sehen zu können und war angenehm überrascht, wie unterhaltsam und anspruchsvoll zugleich der Film daherkommt.
FAZIT: Wer mal wieder einen richtigen Partyfilm (der noch dazu auf einer Party spielt!) sehen will, ist hier bestens aufgehoben!