Review

Es war einmal...vor gar nicht allzu langer Zeit...da trafen sich in einem Schrein in einem dunklen japanischen Wald zwei Männchen...das CGI-Männchen und das Miike-Männchen...und nach endlosen Wochen verschmolzen sie zu einer gequälten Kreatur. Die Kreatur "undefinierbarer Scheiß."

Nein, das ist keine Inhaltsgabe, und nein, ich spreche nicht von Tsukamoto's "Tetsuo" (obwohl Miike, ähnlich wie bei DOA 3, massiv Anleihen nimmt). Ich spreche zuerst einfach mal von CGI-Effekten im Allgemeinen: Ich brauch sie nicht zwingend, bin allerdings auch kein erklärter Gegner bzw. altgedienter Verfechter von Pyrotechnik. Kurzum, sie sind mir egal. Dummerweise findet man in Asien mitlerweile eine nabelschnurmäßige Abhängigkeit von grell bunten, überzogenen, unterdurchschnittlichen Computereffektspielereien. Bei "Casshern" mochte ich es (surreal), bei "Chinese Tall Story" und "Wu-Ji" fand ich es o.k. bis naja (wobei man jetzt natürlich wieder eine Disskussion über den generellen, qualitativen Zustand der Hongkong-Filmindustrie anstellen kann), bei "Great Yokai War" ist es einfach nur Bullshit. Keine weitere Erklärung. Es ist zu viel, zu schlecht, zu oft gesehen, zu gleich und zu austauschbar.

Auf der anderen Seite steht Herr Miike. Ich oute mich: Meine zweite jemals gekaufte DVD, die ich mir im Januar 2002 zugelegt habe, war Audition. Seitdem ist meine Miike-Sammlung stetig gestiegen und, man kann sagen was man will, das Gesamtwerk dieses Herrn ist auf jedenfall "interessant"...und krank. Ich mag seine Philosophie, die nach dem Motto abläuft jede noch so infantile oder abstoßende Idee, ohne langfristige Überlegungen oder professioneller Verwässerung, in ihrer gesamten Roheit auf die Leinwand zu rotzen. Über 50 Filme sind so in den letzten 15 Jahren entstanden (wie gut die im einzelnen waren lasse ich mal unkommentiert...) und, zumindest bei den Filmen die ich kenne, erkennt man in JEDEM den irrsinnigen Miike-Stil. Beim Yokai War nicht. Hier könnte jeder x-beliebige Praktikant die uneinheitlichen Story-Fragmente (und mehr is die Geschichte einfach nicht) zusammengenagelt haben.

O.K. wenn man Miike haßt bzw. ihn nicht kennt, dürfte einem diese Kritik relativ egal sein, nur...dann steht man allein und hilflos vor den erwähnten Storyeinzelteilen, die einem ebenfalls das Grauen ins Gesicht treiben: Es geht irgendwie um Dämonen. Die entstehen durch die Verschwendungssucht und den Wegwerfdrang der Menschen. Also gibt es Geisterdämonen die aussehen wie eine Wand, eine Schildkröte und ein Schirm. Klingt bis jetzt noch nett, is es auch, nur leider wird das nicht im Ansatz vertieft. Dann gibt es noch einen Oberbösewicht, der die "Yokais" in einen Schmelzofen schmeißt, sie so zu abstoßenden Metalkreaturen umformt und mit ihnen gen Tokyo marschiert um sich an den Menschen zu rächen ( in seiner Machart erinnert dieser Überfall auf Tokyo abstruser Weise an das Ghibli-Anime Pom Poko!!!!). Ihm gegenüber steht ein Junge, der auserkoren ist, die Welt zu retten. Soviel zur Story und man kann sagen, daß sie auf ganzer Linie, zu 100% versagt. Sie ist total uninteressant, langweilig, ohne irgendeinen vernünftigen roten Faden runtergekurbelt und endet in einem mitlerweile bis zum Erbrechen ausgelutschten offenen Ende. Irgendwelche bewegenden oder mitreißenden Szenen ( Miike hin, Miike her. Es ist ein Märchen!) sucht man leider auch vergebens.
Die Charaktere verdienen den Namen nicht, da man nichts über sie erfährt und sie das bleiben, was sie von Anfang an waren; nämlich einerseits undefinierbare Karikaturen in lustigen Kostümen, andererseits Menschen, die irgendwelche Sinnlosigkeiten machen oder von sich geben, ohne erkennbarem Ziel oder Sinn. Einzig die "Water-Princess"(oder so ähnlich), ein guter Geist, scheint den Oberbösewicht aus früheren Zeiten zu kennen (warum sie ihn genau kennt hab ich nicht so ganz kapiert) . Das Dumme daran ist, daß dieser Handlungsstrang komplett im Sande verläuft. Ebenso wie ein halbes Dutzend anderer Charaktere, die einfach mal unter den Tisch fallen, obwohl sie vermeintlich wichtig erschienen (der greise Opa des Helden).

Das Gute im Film beschränkt sich auf die nette Idee (wohlgemerkt: Einzahl), die netten Kostüme und der doch ganz amüsanten "Party in Tokyo". Sollte man den Asien-CGI's noch nicht überdrüssig sein sollte, dürften die auch noch einigermaßen spaßig sein und, wenn man Miike nicht mag, kann man relativ glücklich über seine untypisch normale Umsetzung der Idee sein. Ich bin's nicht!

Zuletzt stellt sich auch noch die Zielgruppenfrage: Man drehe ein Märchen ohne Charme, das für Kinder viel zu chaotisch und zu düster ist, für Leute die die FSK 12 Barriere überwunden haben aber viel zu nervig ist. 70% des Films bestehen aus hoffnungslos overactenden Yokai-Japanern und einem permanent rumplärrenden Kinderhauptdarsteller. Schönen Dank!

Obligatorisches Relativierungsgeschwafel zum Schluß: Für unbedarfte Zuschauer ist der Film durchaus nett, für alle die, die sich für Miike, gute Computereffekte und/oder den Japanfilm interessieren, ist er beinahe ein Totalausfall.

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